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2017 hier bei uns in Grevenbroich: Gemobbt. Diskriminiert. Verprügelt.

Grevenbroich. Den meisten Grevenbroichern geht es gut. Sie kommen zurecht. Leben mit ihren Lieben auskömmlich und zufrieden. Doch mitunter lauert der nächste Schicksalsschlag so hinter der nächste Ecke. Machen andere ihnen das Leben schwer, verletzten sie. Körperlich oder seelisch. Wir schildern hier drei ganz unterschiedliche Schicksale, die auch "Leben 2017 in Grevenbroich" beschreiben ... Von Gerhard Müller

"Er hat mich ausgelacht und gesagt, ich sähe aus wie sein schwarzer Jaguar mit roter Zunge", berichtet sie der Erft-Kurier-Redaktion. Die Konsequenz: Jetzt fährt sie 70 Kilometer zu ihrem früheren Arzt nach Aachen.

Wegen Bauchschmerzen hat die gebürtige Aachenerin einen Hausarzt in Grevenbroich aufgesucht. "Zuerst bekam ich zu hören, so wie ich mich anziehen würde, würde er mir gar nicht abkaufen, dass ich krank wäre", erzählt sie gegenüber der Redaktion die Ereignisse ihres ersten Arztbesuches in Grevenbroich noch ganz perplex.

Die Krankmeldung hat sie trotzdem bekommen. "Als ich die Arztpraxis betreten habe, sind mir sehr viele Flüchtlinge aufgefallen", so die junge Dame weiter, "im Vorfeld habe ich auch schon gehört, dass der Arzt zu einer seiner Arzthelferinnen gesagt habe, er würde keine Flüchtlinge mehr aufnehmen."

Doch das erkläre nicht sein Verhalten der Aachenerin gegenüber. "Ich war das erste Mal da. Dann hat er mich ausgelacht und gesagt, ich sähe aus wie sein schwarzer Jaguar mit einer roten Zunge", schüttelt sie ungläubig ihren Kopf, "seitdem gehe ich nicht mehr hin. Vielleicht liegt es an der Suchtmedizin."

Sie lies dies erst einmal so stehen, wurde jedoch von Lehrern und Schülern dazu beraten, die Redaktion aufzusuchen. Denn die Bemerkung mit dem Jaguar bezog sich natürlich auf ihre tief dunkelbraune Hautfarbe. Und stellt demnach Diskriminierung und Rassismus dar.

Der zweite Fall betrifft einen 70 Jahre alten Mann, der Ende November grundlos verprügelt wurde. Er kam nachts um etwa 1.35 Uhr aus Neuss (mit der Bahn), von einem Treffen mit Freunden und fuhr dann vom Bahnhof mit dem Fahrrad Richtung Südstadt.

Am Kreisverkehr an der Kreissparkasse bog er rechts ab. Die Straße macht am Ende einen Links-Bogen, der hoch zur Unterführung geht. Auf der rechten Seite ist das Waldstück, das zum Park rein geht. "Jedenfalls ist mein Vater mit dem Fahrrad gefahren, da kam ein Jugendlicher aus dem Wald gelaufen und hat ihm direkt gegen das Fahrrad getreten", schildert uns sein Sohn. Und weiter: "Mein Vater ist auf den Steinboden gefallen und der Täter hat direkt auf ihn eingetreten. Ein zweiter Mittäter kam angelaufen und hat ebenfalls auf ihn eingetreten."

Der Rentner konnte sich an ein Bein von einem der Täter klammern, so dass diese von ihm abließen und wegliefen. Das alles geschah "ohne jeden Grund. Eventuell wollten Sie ihn ausrauben. Mein Vater kann seitdem kein Auto fahren und hat sehr heftige Hämatome und Prellungen an den Beinen und am Oberkörper", so der Sohn.

Langsam geht es ihm wieder etwas besser, er ist aber immer noch gut eingeschränkt. Natürlich war er bei der Polizei und hat Strafanzeige (schwere Körperverletzung) gegen Unbekannt gestellt. "Aber da kommt eh nichts bei rum", seufzt der Sohn.

Was steht einer alleinerziehenden Mutter mit ihren Kindern für Weihnachten zu? Diese Frage steht hinter dem dritten Fall.

Aus bürokratisch vielleicht nachvollziehbaren Gründen wollte das Arbeitsamt dieser Mutter weder das "normale Geld" noch Mittel für Weihnachten zukommen lassen. Da flossen natürlich schmerzliche Tränen der Enttäuschung: Ausgerechnet an Weihnachten möchte doch keine Mutter ihre Kleinen hungern lassen. Sie suchte auf Anraten von Freunden Hilfe in der Redaktion des Erft-Kurier.

Zum Glück gab es ein Einsehen auf amtlicher Seite: Sie bekam zumindest vor dem Fest noch so viel Geld ausgehändigt, dass sie ihren Kindern Kakao und Kekse bieten kann. Der Rest soll nach dem Fest geklärt werden ...

-agr./-LeB./-gpm.

(Kurier-Verlag)