| 12.12 Uhr

„Das wird zwangsläufig zur Zwangsversteigerung führen“

Grevenbroich. Großes Verständnis hat Rolf Göckmann von der ABG für die von Martina Suermann („Mein Grevenbroich“) geäußerten Bedenken in Sachen ISEK und Bahnhofsviertel. Von Gerhard Müller

„In jeder Stadt ist das Bahnhofsviertel ein kritisches Viertel“, ordnet er dabei die Lage ein. Der Bahnhof ziehe nun einmal ein bestimmtes Klientel an. Mit der sommerlichen Außengastronomie vom „Rich´ARTs“ sei aber doch schon ein guter Weg beschritten worden.

Die jetzt diskutierten Maßnahmen im Dreieck zwischen Bahn- und Rheydter Straße (sie sollen umgestaltet, begrünt und bürgerfreundlicher gemacht werden) sieht er aus mehreren Gründen kritisch. „Jede Veränderung geht tendenziell zu Lasten der Gewerbetreibenden“, ist er sich sicher. Das beginne bei geänderten Parkvorschriften und ende bei neuen Bäumen vor den Schaufenstern.

Außerdem stelle die multi-kulturelle Anwohnerschaft einen wichtigen Aspekt dar: Göckmann ist sich sicher, dass viele von ihnen nur „bedingtes Interesse an kosmetischen Veränderungen“ habe. Deshalb sei wohl auch die Resonanz aus diesem Bereich auf die Einladungen und Initiativen aus dem Rathaus sehr zurückhaltend: Martina Suermann spricht von den „Babos“, die nicht erreicht würden. Die Stadt spricht von den „Türöffnern“, zu denen noch kein Kontakt gelungen sei.

Zudem sorgt auch Göckmann sich um die Sache mit den Anliegerkosten: Bei den geplanten Umgestaltungsmaßnahmen müssten die Anlieger zu den Kosten herangezogen werden. „Da sind die nächsten Probleme vorprogrammiert“, ist sich der ABG´ler sicher.

„Da gibt es dann keine Abstimmung mit den Bürgern. Irgendwann gehen die Gebührenbescheide raus und die Leute fallen tot um. Das wird zwangsläufig zu Zwangsversteigerungen führen“, echauffiert sich das Ratsmitglied, das in diesem Zusammenhang auch ein wenig enttäuscht ist von Bürgermeister Klaus Krützen: Von seinem im Wahlkampf versprochenen offenen Umgang mit den Fraktionen und mit den Bürgern sei nicht viel zu spüren, merkt er nachdenklich an. Und nennt als Beispiel die Pläne zum Neubau der Feuerwache direkt neben dem Reiterhof. Das sei alles kurzfristig aus der Tasche gezaubert worden. Mit der Erwartungserhaltung, dass die Politiker kurzerhand brav abnicken.

-gpm.

(Kurier-Verlag)