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Gesamtschule wehrt sich gegen Sparpläne aus dem Rathaus
„Nicht bei denen sparen, die zuhause eh nichts bekommen“

Gesamtschule wehrt sich gegen Sparpläne aus dem Rathaus: „Nicht bei denen sparen, die zuhause eh nichts bekommen“
Christoph Glasmacher will die Stadt Grevenbroich nicht aus ihrer Verantwortung den Kindern gegenüber entlassen, die von den Eltern kaum unterstützt werden. FOTO: Foto: -gpm.
Südstadt. "Die Stadt will bei den Kindern sparen, die zuhause eh nichts haben." Christoph Glasmacher, seit Sommer der Vorsitzende der Schulpflegschaft der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule in der Südstadt, ist entsetzt. Er ist entsetzt, denn in seinen Augen geht es um einen der Grundpfeiler seiner Schule im Bereich der Klassen fünf und sechs. Für die Stadtkasse geht es um rund 10.000 Euro, die eingespart werden sollen. Von Gerhard Müller

"In einem gesunden Körper steckt ein gesunder Geist", zitiert Glasmacher jenen Satz, den jeder Latein-Schüler auch im Original kennt. "Die Schule hat von Anfang an durch die Schulkonferenz deshalb das gemeinsame Mittagessen in der Mensa verpflichtend gemacht", betont er. Und das gelte sogar für die Schüler, die direkt in der Nähe der Schule wohnen würden.

Dabei soll das Essen in einer "familiärer Gruppe" stattfinden und gemeinschaftsbildend wirken. "Die Kinder essen an der festgesetzten Tischgruppe. Es wird gemeinsam gegessen und niemand darf allein zurückbleiben. Die Kinder (...) haben eine Konstante im Tagesablauf. Eltern servieren gesunde Getränke (...). Die Schüler müssen nicht auf Fast-Food und ungesunde Getränke zurückgreifen", fasst Christoph Glasmacher die Überlegungen der Gesamtschule zusammen.

Und er zählt Nachteile auf, die beim Wegfall des verpflichtenden Mittagessens entstehen würden: "Gerade die Schüler, die nicht behütet aufwachsen, werden zu Außenseitern. Denn sie können sich das Essen ja nicht leisten. Und ob diese Schüler zu Hause ein warmes Abendessen im Familienkreis erwartet, kann bezweifelt werden".

Ohne die warme Mahlzeit in einer geordneten Pause werde die Konzentrationsfähigkeit der Schüler in den Nachmittagsstunden schlechter sein. Die Gruppengemeinschaft gehe ebenso verloren wie das Lernen durch das gemeinsame Leben. "Regelverletzungen werden sich erhöhen", ist sich Christoph Glasmacher sehr sicher.

Und weiter: "Das Regelsystem unserer Schule, bei dem das betreute Mittagessen ein wichtiger Bestandteil ist, trägt bisher zum großen Erfolg und zu den guten Abschlüssen bei, so dass unsere Schule herausragend in ganz Nordrhein-Westfalen ist. Denn bei uns werden auch die Kinder unterstützt, die zu Hause keine Unterstützung erfahren."

Dieser Anspruch könnte im kommenden Schuljahr aber ins Wanken geraten, wenn der Plan aus dem Rathaus umgesetzt wird. Denn die Stadt will die "Zwischenfinanzierung" bei säumigen Zahlern nicht mehr übernehmen.

Christoph Glasmacher rechnet vor: Das Mittagessen kostet pro Kind und Essen drei Euro. Es wird über Bankeinzug von den Eltern erhoben. "Es gibt aber rund zehn Prozent säumige Zahler", weiß der Vorsitzende der Schulpflegschaft.

Das betrifft nicht die Kinder der Hartz-IV-Empfänger. Deren Kosten für die warme Mahlzeit werden nach dem Teilhabegesetz eh bezuschusst. Es geht vielmehr um die anderen, die dieses Geld nicht aufbringen können. Er wisse nicht, so der Schulpflegschafts-Vorsitzende, ob die Stadt beim Eintreiben der ausstehenden Beträge das auch ansonsten übliche Verfahren (bis zu Lohnpfändung hin) anzuwenden. Oder ob die Forderungen einfach "nur" offenstehen würden.

Im Jahr dürfte sich seinen Schätzungen nach ein Betrag von bis zu 10.000 Euro ergeben, der von der Stadt vorfinanziert wird. Der aber auch nicht – so Glasmacher – nachhaltig eingetrieben wird.

Die Schule jedenfalls könne diese Vorfinanzierung nicht übernehmen. Wenn sich die Stadt hier, wie geplant zurückziehe, würde auf dem Rücken der Kinder gespart, die von ihrem Elternhaus eh nicht unterstützt wurden. "Dabei zahlt sich jeder Cent, der in die Unterstützung der Kinder gesteckt wird, aus, weil aus Schülern mit guten Abschlüssen keine Sozialhilfeempfänger werden", so Glasmacher.

Gerhard Müller

(Kurier-Verlag)