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„Wenn wir nicht neue Wege gehen, verpassen wir den Zug“

Grevenbroich. Die Gruppe der ISEK-Kritiker im Rat wächst: Nach Martina Suermann („Mein GV“), Carl Windler (UWG) und Markus Schumacher (FDP) spricht nun auch Rolf Göckmann (ABG) Klartext: „Ich war, was ISEK angeht, immer im Nachdenken.“ Kritik gibt es von ihm an der CIMA und an der Wirtschaftsförderung. Von Gerhard Müller

Drei grundsätzliche Probleme bewegen den ABG-Führer dabei: Das Ganze sei zu innenstadtlastig. „Es wird so wenig Augenmerk auf die äußeren Stadtteile gelegt. Das ist kein gutes Vorgehen.“ Zudem müsse die Stadt trotz der Landeszuschüsse einen erheblichen Eigenanteil aufbringen. Schließlich sei die Beteiligung der Einzelhändler eher gering.

Dass nur zehn Prozent von ihnen den Fragebogen der GMA in Sachen Einzelhandelskonzept beantwortet haben, sei „bezeichnend“. Aus diesem Bereich komme „so gut wie keine Resonanz“.

Für die Frage nach dem „Warum“ hat Göckmann zwei mögliche Erklärungen: Entweder seien die Innenstadt-Händler „eh enttäuscht“ (weil sie sich allein gelassen fühlen) oder sie seien resigniert (weil sich nicht gerade rosige Zeiten ankündigen).

Auch hier spricht der ABG-Chef harten Klartext: „Wir können nicht davon ausgehen, dass wir die Zeit ändern können. Der Internethandel ist zum Beispiel Fakt. Wenn wir nicht wirklich neue Wege gehen, dann werden wir den Zug verpassen.“

Das bestehende Einzelhandelskonzept (mit den vermeintlichen „Schutzzäunen“ um die Fußgängerzone) habe versagt. Die Wirtschaftsförderung würde nicht zufriedenstellend beraten (Interessenten würden nur an andere Stellen verwiesen; besser sei die Betreuung durch einen einzigen Ansprechpartner, der seinerseits die Informationen und Kontakte besorgt). Und die CIMA, die den „Innenstadtmanager“ stellt, sei auch hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

„Die CIMA begleitet uns seit zig Jahren. Sie kennt Grevenbroich seit zig Jahren. Und jetzt werden von ihr Daten erhoben? Und was ist in der Zwischenzeit passiert? Gar nichts“, ereifert sich der ansonsten sehr ruhige Politiker.

Und leicht resignativ schiebt er nach: „Offensichtlich hält Grevenbroich die Billigläden am Leben.“ Andere Geschäfte, die es mit interessanten innovativen Angeboten versucht hätten, seien inzwischen wieder verschwunden. „Vielleicht haben wir ja die Innenstadt, die Grevenbroich braucht.“

Was Rolf Göckmann sich wünscht, wäre ein „Aufschrei aus der Händlerschaft“. Mit klaren Ansagen. Und mit klaren Forderungen an die Politik. Nur so könne eine zukunftsweisende Fußgängerzone gestaltet werden.

Gerhard Müller

(Kurier-Verlag)