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Auch die „St. Martins“-Tradition ist eine Art „Generationenvertrag“

Auch die „St. Martins“-Tradition ist eine Art „Generationenvertrag“
Im Bedburdycker Martins-Gewand steckt hier Michael Geller.
Bedburdyck. „Unsere Kinder sind schon groß, wir geben nichts mehr“, zitiert Sammlerin Petra Rogatzki. Solche Sätze und ähnliche bekommen Freiwillige zu hören, wenn es um Spenden für den Martinszug geht. „Schade, geht einem manchmal durch den Kopf, wenn Personen nichts spenden wollen. Als deren Kinder waren, haben Andere auch etwas gegeben. Nur so funktioniert das System.“ Von Gerhard Müller

Petra Rogatzki und 21 weitere Personen organisieren unentgeltlich den Martinsumzug in Bedburdyck und Stessen. Doch diese Probleme sind nicht nur in ihren Orten aktuell.

Hanne Kuhlen, Mitglied des Teams, ergänzt: „Oft fängt die Organisation direkt nach dem vorherigen Martinsfest an. Vorabinformationen an die freiwillige Feuerwehr, Polizei, Ordnungsamt und Malteser müssen früh bekannt gemacht werden. Außerdem müssen die Musik bestellt und das Pferd gemietet werden. Die verursachen die größten Fixkosten, welche von den Haussammlungen finanziert werden. Mit dem Restgeld werden dann die Tüten beladen.“

Für das Pferd benötigt der „St. Martin“ außerdem Reitstunden.

Das Team fängt in der zweiten Septemberwoche an zu sammeln. Jedes Mitglied muss seinen Bezirk etwa drei Mal ablaufen, um jeden zu erwischen. Wenn Haushalte trotzdem nicht ausfindig gemacht werden, steckt das Team einen Zettel in den Briefkasten. Michael Geller, der „St. Martin“ des Vereins, erklärt: „Wir müssen beim Sammeln so beharrlich sein, um die Anzahl der Kinder herauszufinden. Erst nach dem Abrechnen der Helfer wissen wir, wie viel Obst, Süßes, Weckmänner und weitere Leckereien wir für die Tüten benötigen, die sich aus der Anzahl der Kinder ergeben.“ Eingekauft wird der Tüteninhalt für etwa 400 Tüten. Gepackt werden die Tüten mittags vor dem Umzug; dann kommen auch erst die frisch gebackenen Weckmänner vom Bäcker dazu.

Das Zusammenstellen und spätere Verteilen der Tüten finden in Räumlichkeiten der Grundschule statt. „Unser Zug geht nach einem Gottesdienst um 17.30 Uhr los. Leider telefonieren oder reden viele Erwachsene während des Zuges anstatt mit den Kindern zu singen. Das ist sehr schade, aber nicht nur bei uns der Fall. Was bei uns aber sehr gut funktioniert ist das Anzünden der Teelichter. Wir verteilen seit etwa fünf Jahren drei Teelichter pro Haus, welche die Leute sehr gerne anzünden, um den Weg schöner zu machen“, erzählt Kuhlen.

Die Zugsicherung übernehmen oft die jeweiligen Bürger-Schützen-Vereine, die mit Pechfackeln bewaffnet die Kinder beaufsichtigen. „Beim Verteilen der Tüten ist immer ein großes Gedrängel, obwohl für jeden eine Tüte vorhanden ist“, beschreibt Geller, „es werden oft Fotos mit mir als Martin gemacht, dass kann zu Verzögerungen führen, aber vor allem zu schönen Erinnerungen, die so festgehalten werden. Deshalb bitten wir um Verständnis und Ruhe, wenn es zu Verzögerung kommt.“

Wann die Martins-Tradition in Bedburdyck angefangen hat, kann nicht genau bestimmt werden. Protokolle liegen vor, geben aber kein genaues Datum an. Fest steht aber, dass es nach dem zweiten Weltkrieg gewesen sein muss und Zeitzeugin Marlies Geller berichtet: „Damals haben den ersten Umzug in Bedburdyck die Kinder veranstaltet. Laternen haben wir uns aus Pappe gebastelt und Butterbrotpapier angemalt, um diese zu verschönern. Damals gingen auch alle Lehrer im Zug mit. Nach dem Umzug sind wir zu den umliegenden Bauernhöfen gegangen, haben gesungen und dafür Äpfel und Lebensmittelreste bekommen. Wenn jemand nichts gab, sangen wir: ,Das Haus steht auf dem Pfahl und der Geizhals sitzt mitten drin. Danach haben wir jedoch die Beine in die Hand genommen.“

Aufmerksam auf den Zugweg und die genauen Termine machen die Organisatoren mit Infozetteln und Plakaten.

Dieses Jahr startet der Umzug am 10. November mit einen Gottesdienst um 17 Uhr.

„Wir freuen uns auf ein schönes Fest mit den Kindern“, so Petra Rogatzki.

Pia Schürmann

(Kurier-Verlag)