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Geschichtsverein bietet „Zeitreise“ zur Stadtgründung an
Auf Suche nach der DNA der Schloss-Stadt

Geschichtsverein bietet „Zeitreise“ zur Stadtgründung an: Auf Suche nach der DNA der Schloss-Stadt
Der Stadtplan zeigt Grevenbroich um 1810. FOTO: Koloration: F.H. Krüppel
Grevenbroich. Kaum vorstellbar: Da, wo heute täglich Tausende Autos durch Grevenbroich brausen, war vor 1.000 Jahren nichts außer einer sumpfigen Ebene, durch die die Erft floss und durch die ein Weg von Köln nach Venlo führte. Die schwer beladenen Ochsenkarren blieben hier häufig stecken und die kleine Furt über die Erft war oft unpassierbar. Von Gerhard Müller

"Vor 800 Jahren begann die Resteverwertung", weiß Achim Kühnel, Vorstandsmitglied des Geschichtsvereins Grevenbroich. "Gustorf und Elsen waren schon längst gegründet und grenzten ganz nah an Grevenbroich, und erst da trauten sich die Menschen in die verbliebene Sumpfzone". Sie bauten auf einem von ihnen selbst aufgeschütteten künstlichen Hügel zum Schutz des Erft-Übergangs eine Burg, das heutige "Alte Schloss".

Der Handelsverkehr wuchs, und damit auch die Bedeutung des Weges. Erste Handwerker und Gastwirte siedelten sich an. Und so errichtete man auch eine Brücke über die Erft, nicht zum Nutzen der Reisenden, sondern damit man Mautgebühren kassieren konnte.

Burgherren waren damals die Grafen von Kessel, die etwa im Jahr 1283 die Stadtgründung vornahmen, nachdem sie die kleine Altstadt mit Hecken und Gräben recht gut gesichert hatten.

Aber wo in Grevenbroich hat vor 1.000 Jahren die erste Furt durch die Erft gelegen ? Kühnel meint: "Straßenzuschnitte und Grundstücksgrenzen bleiben in einem Ort über Jahrhunderte unverändert, und erzählen viel über das mittelalterliche Stadtbild – wie die einzigartige DNA eines jeden Menschen."

Und so glaubt er, mit Blick auf den Marktplatz diese Stelle gefunden zu haben: Nämlich ziemlich genau dort, wo heute das "Neue Rathaus steht", war früher ein Mäanderarm der Erft, der ein Passieren ermöglichte.

Nachfolgende Generationen haben laut Kühnel eine Verlegung der Erft um rund 100 Meter genutzt, um die Altstadt zu vergrößern. Hier konnte dann die neue "breite Straße" entstehen, auf der früher auch viele Märkte stattfanden.

Die ganze Geschichte über den Marktplatz, über Breite und Kölner Straße, über die Oelgasse und die Stadtgründung erzählt Kühnel in einer Zeitreise, wenn er im Rahmen des Grevenbroicher Geschichtsvereins am 8. Juni durch das historische Grevenbroich führt. Diese Veranstaltung ist die Fortsetzung einer "Begehung" im vergangenen Jahr, zu der sich der Geschichtsverein angesichts des großen Interesses entschlossen hat – seinerzeit beteiligten sich über 60 Zuhörer an der ersten Führung.

Achim Kühnel wünscht sich übrigens: "Vielleicht kann man sich danach besser vorstellen, wie es aussah, damals in unserer Stadt vor 1.000 Jahren, als man noch in Matsch und Sumpf versank."

Die "Zeitreise in die Gründungsgeschichte von Grevenbroich – eine Führung in die Historie der Grevenbroicher Altstadt" findet am 8. Juni ab 18.30 Uhr statt. Treffpunkt ist die evangelische Christuskirche am Hartmannweg. Die Teilnahme ist kostenlos.

-ekG.

(Kurier-Verlag)