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Der Klimawandel ist nicht schuld: Wo sind all die Insekten hin?

Der Klimawandel ist nicht schuld: Wo sind all die Insekten hin?
Drei der Flächen, die aus der Bewirtschaftung herausgenommen werden sollen, damit sich dort die Insekten wohlfühlen können. Fachmann Hörren betonte, dass solche „Trittsteine der Natur“ lobenswert seien, machte aber deutlich, dass allein auf diesem Wege das Insektensterben nicht umkehrbar sei.
Grevenbroich. Thomas Hörren vom „Entomologischer Verein Krefeld“ brauchte bei seinem Vortrag im Grevenbroicher Umwelt-Ausschuss ziemlich lange, bis er auf den Punkt kam: In den vergangenen 25 Jahren hat die „Biomasse“ der Insekten um 75 Prozent abgenommen. Und das allein in den Naturschutzgebieten. Die Ursachen dafür sind noch unklar. Der Klimawandel jedenfalls spielt dabei keine Rolle; der hat sich nur ganz leicht und dann auch positiv ausgewirkt. Von Gerhard Müller

„Es ist nicht fünf vor zwölf, es ist eins vor zwölf“, brachte Detlef Igné („Mein GV“) den Vortrag auf den Punkt. Und alle Fraktionen waren sich darin einig, dass – trotz aller Unwägbarkeiten im Vortrag – es höchste Zeit sei, hier aktiv zu werden.

Das Insektensterben soll deshalb ständiger Punkt auf der Tagesordnung des Umwelt-Ausschusses werden. Die Verwaltung hat schon mehrere Flächen im Stadtgebiet ausgeschaut, die zu „ruralen“ Reserven werden sollen. An das von den „Grünen“ geforderte komplette Verzichten auf Pestizide und Herbizide will die Verwaltung dagegen nicht so recht ran, weil es zumindest im Bereich der Rasen-Sportplätze keine andere Möglichkeit gebe, die „Verkrautung“ zu verhindern.

Auch gegen die „Verschotterung“ der Vorgärten und auch der Friedhöfe (wir berichteten) soll angegangen werden. Dezernent Florian Herpel hatte in der Beratungsvorlage betont, dass die entsprechenden Kontrollen „mit der vorhandenen Personaldecke nicht leistbar“ seien. Hierfür erntete er viel Kritik der Politiker. Es könne doch nicht sein, formulierte zum Beispiel Peter Cremerius (FDP), dass so ein „rechtsfreier Raum“ entstehe.

Herpel konterte trocken mit der Bemerkung, er könne nur das Personal einsetzen, dass ihm die Politik per Stellenplan zubillige. Auch in Sachen „ruralen Flächen“ hatte der Dezernent eine Forderung an die Politik: „Sie müssen Dinge, die in der Öffentlichkeit diskutiert werden, auch aushalten.“ Sollten diese Reserven nämlich zu echten Refugien für die Insekten werden, dann müssten sie Ödland werden, dürften auf jeden Fall nicht mehr gemäht werden. Fachbereichsleiter Peter Mühlenbroich erläuterte: Er sei seit 1991 im Amt und im Sommer drehten sich die Beschwerden immer um Aufwuchs und Mähen ...

-gpm.

(Kurier-Verlag)