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Viele fühlen sich nicht sicher+++Alkoholverbot wird geprüft
Drogen, Alkohol und Schmutz: Wie steht es um den Bahnhof?

Viele fühlen sich nicht sicher+++Alkoholverbot wird geprüft: Drogen, Alkohol und Schmutz: Wie steht es um den Bahnhof?
Schon lange ein Sorgenkind der Stadt: Die Bürger fühlen sich im Bahnhofsumfeld nicht mehr sicher. FOTO: Fotos (2): Hanna Loll
Grevenbroich. Randalierende Jugendliche, Erwachsene unter Alkohol- und Drogeneinfluss, die den ganzen Tag in der Bahnhofshalle verbringen – für viele Bürger ist der Bahnhof ein Ort geworden, an den sie sich alleine kaum noch trauen. In einem Bürgerdialog sprach die Stadt das Thema an. Von Hanna Loll

Unter dem Motto "Was können Bürger und Stadt unternehmen, um den Zustand des Grevenbroicher Bahnhofs und seiner Umgebung zu verbessern?" diskutierten interessierte Bürger mit Vertretern der Stadt, der Deutschen Bahn, der Polizei, dem ÖPNV und anderen Institutionen. Der einhellige Tenor: Am Bahnhof fühlen sich die Bürger bedroht.

1. Der Bahnhof ist sanierungsbedürftig.

So jedenfalls die Aussage vieler Anwesender. Das Dach im Eingangsbereich sei undicht, ein Brandschaden an der rechten Gebäudeseite nicht behoben worden, seit Monaten funktioniere die Automatiktür nicht mehr und derlei mehr. Peter Grein, Leiter des Bahnhofsmanagements der Deutschen Bahn (DB) und zuständig für 125 Bahnhöfe, musste die Bürger leider enttäuschen: "In unmittelbarer Zukunft wird die Deutsche Bahn an 50 der 125 Bahnhöfe bauen – Grevenbroich gehört im Mittelfristzeitraum nicht dazu."

Mit anderen Worten: In den nächsten fünf bis acht Jahren investiert DB nicht in den Grevenbroicher Bahnhof. "Der Bahnhof hat alles, was er braucht", ist sich ein Bürger sicher, "er müsste nur instand gehalten werden ..."

2. Der Bahnhof und sein

Umfeld sind verdreckt.

Viele Bürger, Anwohner und Ladenbesitzer im Bahnhofsumfeld beschweren sich über mangelnde Sauberkeit. Leere Alkoholflaschen, Lebensmittelverpackungen, Kaugummis und sogar benutzte Spritzen sollen immer wieder herumliegen. "Mein Sohn und ein Freund wollten Stöcke sammeln und kamen mit den Armen voller Spritzen zurück!", so eine Anwohnerin schockiert. Die Forderung nach mehr Kontrolle und zusätzlichen Papierkörben wurde laut. Grein erklärt: "Wir lassen den Bahnhof regelmäßig reinigen, doch das Problem ist ein gesellschaftliches. Wenn Leute es nicht schaffen, ihren Müll in den Papierkorb zu werfen, ist es natürlich schnell wieder dreckig."

Sylvia Wogirz vom Fachdienst Steuern, Gebühren und Beiträge ergänzt: "Zusätzliche Papierkörbe können wir dann installieren, wenn Platz vorhanden ist, doch mehr Mülleimer wirken nur dann, wenn sie auch genutzt werden"

3. Viele drogen- und alkoholkranke Menschen tummeln sich am Bahnhof.

Den Grund sehen viele im nahegelegenen "Medizinischen Versorgungszentrum", in dem der leitende Arzt Joachim Treppmann Suchtkranke behandelt. D

as weist der Arzt von sich: "Meine Patienten reisen zum Großteil im eigenen Pkw an, haben unterschrieben, dass sie sich nach der Behandlung umgehend wieder auf den Weg nach Hause machen. Das sind nicht meine Patienten!"

Dennoch: Das Problem bleibt. Treppmann sprach sich für ein generelles Alkoholverbot im Bahnhof aus, das Unterstützung im Publikum fand. Das sei nicht so einfach, werde jetzt aber geprüft, versprach Beigeordneter Florian Herpel.

4. Die Kriminalität steigt

Diesen Punkt konnte Bernhard Wöltgen, Leiter der Grevenbroicher Polizeiwache, entkräften: "Vom 1. Januar bis 22. September 2016 gab es im Bahnhofsumfeld 103 Einsatzanlässe – das umfasst auch orientierungslose Personen, Diebstähle und derlei mehr. Davon waren 29 Fälle Fahrraddiebstähle und acht Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz. Im Jahr 2012 (im selben Zeitraum) waren es 101 Einsätze, davon 31 Fahrraddiebstähle und sieben Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz." Die Polizei zeige im Umfeld bereits mehr Präsenz, könne aber – ebenso wie die Sicherheitskräfte der Deutschen Bahn – nicht immer überall sein.

Das Fazit der Bürger: Die Unsicherheit bleibt, das Gespräch hat nichts gebracht. Moderator Zenk ist jedoch sicher: "Die Verantwortlichen werden die Vorschläge prüfen!" Was das bringt, kann nur die Zeit zeigen...

Hanna Loll

(Kurier-Verlag)