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Gleich drei Blindgänger sorgen für viel Aufregung
Fußballer zocken jahrelang auf gefährlichem Untergrund

Gleich drei Blindgänger sorgen für viel Aufregung: Fußballer zocken jahrelang auf gefährlichem Untergrund
Das Gelände des Sportplatzes am „Türling“ erreichte am Mittwoch hohe Aufmerksamkeit: Die Bombenentschärfung gelang aber. FOTO: Foto: Stadt Grevenbroich
Orken. Die Mittagspause war gerade vorbei als das Mail-Postfach ununterbrochen aufploppte: Gleich drei Bombenfunde in Orken. Das dann schnell gehandelt werden muss ist klar. "Der Zeitrahmen war sehr eng", sagt Ines Hammelstein, Pressesprecherin der Stadt, rückblickend, "wir hatten unheimlichen Druck, eine Hotline einzurichten, die Leute zu informieren und zu evakuieren." Von Alina Gries

Während in der Stadt Chaos herrschte, schien es, als wäre in Orken die Zeit stehen geblieben. Es war kurz vor halb drei. Hier und da düsten Fahrzeuge des Maltesers, der Feuerwehr oder Polizei durch Orken. Zuerst sollten die Anwohner aus der Gefahrenzone bis zu der Uhrzeit evakuiert werden, dann hieß es, die Evakuierungsmaßnahmen würden erst dann beginnen. Verwirrte Anwohner standen vor der Haustüre und starrten dem auf- und abfahrenden Feuerwehrauto hinterher: "Achtung hier spricht die Feuerwehr. Am Sportplatz ,Am Türling' wurden drei Bomben gefunden", hallte eine dunkle Stimme durch die Lautsprecher des roten Flitzers. 1.748 Anwohner befanden sich laut Melderegister in der Gefahrenzone. "Wir hatten die Balkontüre auf, sonst hätten wir die Durchsage gar nicht gehört", berichtet Wolfgang Müller, er musste gemeinsam mit seiner Gattin und Nachbarin sein Haus verlassen, "dann kam aber auch schon die Polizei und wir hatten einen Zettel vor der Türe liegen. Wir sind dann sofort raus und Richtung Schule gegangen." Gemeinsam mit weiteren 40 Personen hockte er auf dem Pausenhof und wartete auf nähere Informationen. Sogar registriert wurde jeder, der die Schule aufsuchte. "Es ist doch schon sicher länger bekannt, dass die Bomben entschärft werden müssen. Dann hätten wir den Tag über etwas unternommen", so Müller weiter.

Tatsächlich wurden die Bomben durch Schallmessungen bei Sondierungsmaßnahmen des Kampfmittelräumdienste bereits in der Nacht zu Mittwoch gefunden. "Der Kunstrasenplatz ist kaputt und muss erneuert werden", erklärt Michael Heesch, erster Beigeordneter, die Ausgangslage der Bombenfunde, "aufgrund erster Messungen wurden vier Verdachtspunkte eingeteilt. Der Kampfmitteldienst hat dann bei den Messungen entdeckt, dass an drei der Punkte nicht nur alte Badewannen liegen sondern Bomben." Nach einer Auswertung kam dann die Meldung des Kampfmittelräumdienste: Drei Blindgänger, zwei britische und eine amerikanische, wurden in etwa drei Metern Tiefe entdeckt. "Eine liegt etwas schräg", erzählte Heesch noch der Presse. Hinter ihm ein Polizei-, und Malteser-Transport, dazwischen das Katastrophenschutzmobil und ein Auto der Feuerwehr-Einsatzleitstelle. Dabei herrschte wenigstens auf dem Kirmesplatz eine recht entspannte Stimmung. "Ich war gerade am Essen, als ich die Durchsage gehört habe", erzählt Margret Flader aufgeregt, "ich hab dann alles stehen und liegen gelassen und bin sofort hierher gelaufen. Sogar meine Waschmaschine läuft noch" Dabei sitzt sie direkt neben den Müllers. "Ich hoffe, es geht alles gut", meint sie. Doch auch Flader hätte sich gerne Informationen zu einem früheren Zeitpunkt gewünscht. Letztendlich verzögerte sich die geplante Uhrzeit der Entschärfung um 16 Uhr weiter nach hinten. Kinder sind noch auf den Straßen unterwegs, knisterte es aus dem Mikrofon der Transporter. "Wir überlegen auch noch, wie wir zwei Leute verlegen können", meldete sich Claus Ropertz zu Wort, nachdem geduldig auf irgendwelche Informationen gewartet wurde, "eine Patientin liegt am Beatmungsgerät und ein weitere Mann ist auf einen Fahrdienst angewiesen. Zudem möchten wir sichergehen, dass der Bahnverkehr eingestellt ist." Das war um kurz vor 16 Uhr. Danach wieder Stille. Hier und da suchen vereinzelte Personen die Einsatzleitstelle auf. "Wo ist denn hier die Schule? Ich soll da jemanden abholen?", fragte ein Frau besorgt und bekam direkt Hilfe der Einsatzleute. "Wie lange dauert das denn?", fragte ein Jugendlicher. Vier Stunden stand auf den Informationsblättern. "Ich hoffe nicht, dass es so lange dauert", gab Hammelstein zu. Dann gab Ingeborg Hacker, Leiterin des Stabes, das Signal: Es geht los – mit einer Stunde Verspätung. Jetzt lag es an einem Team aus drei Personen. "Die jüngste Bombenentschärfung fand im Herbst vor zwei Jahren 2015 gegenüber des Hydro-Werkes statt", berichtet Hammelstein. Auch damals schon unter der Leitung von Dirk Putzer. Auch damals waren es drei Bomben. Und auch damals machte er seinen Job erfolgreich. Genau eine Stunde später dann die Meldung: Die drei Bomben wurden erfolgreich entschärft. "Im nachhinein hat alles gut geklappt", zeiht Hammelstein ein Resümee, "und ich weiß, was ich nächstes Mal besser machen werde."

Alina Gries

(Kurier-Verlag)