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In der Kämmerei werden Überstunden gekloppt für das „Unternehmen Stadt“

In der Kämmerei werden Überstunden gekloppt für das „Unternehmen Stadt“
FOTO: Geldscheine
Grevenbroich.
Schweres Geschütz: Die UWG/AGB-Fraktion will, dass die Kommunalaufsicht überprüft, ob die Ausübung mehrerer Nebenämter durch Kämmerin Monika Stirken-Hohmann zulässig ist. Und ob Personalkosten an die Stadt erstattet werden müssten. Eine interessante Fragestellung, würden Fraktions-Chef Carl-Uwe Windler nicht ein paar Denkfehler unterlaufen ...

In der Tat hat Monika Stirken-Hohmann eine Nebentätigkeit. Und das seit 2006. Seitdem leitet sie nämlich die Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG). Wenn sie seit diesem Jahr auch die kaufmännische Leitung der neuen AÖR übernommen hat, bringt ihr das mehr Verantwortung, aber nicht mehr Geld. Denn im Beamtenrecht ist nun mal nur eine bezahlte Nebentätigkeit vorgesehen.


In diesem Sinne vom Aufgabenzuwachs profitieren wird Dezernent Florian Herpel, der die technische Leitung der AÖR übernommen hat. Und auch erster Beigeordneter Michael Heesch behält seine Nebentätigkeit.
Er hatte nach dem Weggang von Barbara Kamp die Geschäftsführung der WGV übernommen und ist nun Geschäftsführer der "GWD" (Gesellschaft für Wirtschaftsdienste"). Die hat die Bereiche "Entwässerung" und "Fahrzeugmanagement" übernommen. Und die soll für die SEG (und damit auch für die Stadt) "Geld verdienen".


Zurück zu Monika Stirken-Hohmann: "Die Steuerung der gesamten Finanzen der Stadt ist die Funktion einer Kämmerin", lautet der Kommentar aus dem Rathaus. Nicht umsonst spricht Bürgermeister Klaus Krützen gerne vom "Unternehmen Stadt", zu dem gerade auch die SEG (mit allen Töchtern) zähle.


Selbst, wenn für die AÖR – wie von UWG/ABG gefordert – ein Geschäftsführer von außerhalb engagiert worden wäre, die kaufmännische Einbuchung hätte auch dann in der Kämmerei erfolgen müssen. Deshalb wechselte eine Teilzeitkraft von der WGV auch dorthin.


Das "Unternehmen Stadt" soll – und hier ist sich der Bürgermeister mit den "großen" Fraktionen einig – ganz neu gedacht werden. Im vergangenen Jahr entwickelte Krützen im Erft-Kurier so zum Beispiel die Idee, dass die SEG bei der Erschließung von neuen Baugebieten involviert werden soll (hier dürfte sie im Gegensatz zur Stadt selbst Gewinne generieren). Außerdem soll sie Grundstücke mit Entwicklungspotenzial kaufen, in der Hinterhand halten und bei Gelegenheit mit dickem Plus wieder verkaufen.
Ein "Finanzmanagement", wie es Stirken-Hohmanns Kollegen in den benachbarten (größeren) Städten längst betreiben, heißt es aus dem Rathaus. Das große Ziel dahinter ist natürlich die Haushaltskonsolidierung. Die Aufgabe also, bis 2025 den Pleitegeier endgültig aus der Stadt zu vertreiben.


Apropos: Hier zeigen die Monika Stirken-Hohmann unterstellten Abteilungen, wie es gehen kann. Um die nach der haushalterischen Umstellung auf "NKF" (in allen Städten und Gemeinden) entstandenen "Arbeits-Altlasten" abzuarbeiten, werden dort freiwillig Überstunden geleistet. Was wiederum innerhalb des restlichen Rathauses argwöhnisch beäugt wird ... Aber jeder Arbeitnehmer, jeder Malocher außerhalb des Schutzzaunes der kommunalen Verwaltungen weiß, dass man manchmal einfach reinklotzen muss ...