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Ist Westtangente vertane Chance? Wovon profitieren mehr Bürger?

Ist Westtangente vertane Chance? Wovon profitieren mehr Bürger?
Ost- oder Westumgehung? Für Janine Heinze und Dirk Schimanski ist die Antwort ganz eindeutig.
Kapellen. Warum wurde im Jahre 2007 die Wirksamkeit der "Westtangente" nur in Zusammenhang mit der L 361 n (und der K 10 n) untersucht und nicht als eigenständiges Konzept geprüft? Dies ist für die Gegner der Erft-Auen-Querung die alles entscheidende Frage. Die Stadt weist die Schuld von sich: "Die Untersuchung wurde im Auftrag von ,Straßen.NRW' durchgeführt. Weshalb andere Varianten nicht untersucht wurden", wisse man nicht, heißt es im Rathaus. Von Gerhard Müller

Für Janine Heinze und Dirk Schimanski von der "facebook"-Gruppe "Nein zu

L 361 n in Kapellen-Grevenbroich (Erft-Aue)" ist diese Frage aber Dreh- und Angelpunkt: "Die Westtangente ist verworfen worden, ohne wirklich geprüft worden zu sein", sind beide sich einig.

Das sei ein Fehler, weil diese Westtangente zugleich eine Umgehung für Noithausen und Hemmerden darstelle. "Und in Noithausen gibt es eine viel höhere Verkehrsbelastung als in Kapellen", so Heinze bei ihrem Besuch in der Redaktion des Erft-Kurier.

In konkreten Zahlen: In Kapellen wurden 7.193 Fahrzeuge gezählt, in Noithausen 7.218, in Hemmerden nochmals 5.207. Über die Trasse Tribünenweg/Zweifaltern sind es 3.927 Fahrzeuge. "Wenn die Westtagente steht, könnte es ein Lkw-Verbot für Wevelinghoven und Kapellen geben", argumentieren die Beiden weiter.

Das Argument, dass die Kreisverkehre auf dieser Trasse zu Verzögerungen und Aufstauungen führen werden, lassen die aktiv gewordenen Bürger nicht gelten: Zum einen erfordere das angrenzende Gewerbegebiet ein Lkw-fähige Ausbauweise der Kreisel. Zum Anderen wisse man, dass selbst Sattelschlepper sie bereits vielfach passiert hätten.

Bleibt die Frage nach den Kosten. Die L 361 n (Erft-Auen-Querung) ist mit 21 Millionen Euro angesetzt. Ein Wert, den Schimanski im Vergleich zu anderen Straßenbauprojekten für "sehr unwahrscheinlich" hält. Dennoch vergleicht er: Die jetzt in Rede stehende L 361 n erfordert sechs Brücken (siehe Skizze links) und müsse in Dammlage mit einer Höhe von sechs Metern ("Das sind zwei Wohngeschosse.") errichtet werden. Selbstverständlich brauche eine solche Höhe auch einen entsprechenden Unterbau, so Schimanski weiter.

"Die Westtangente dagegen läuft relativ eben, braucht nur eine Brücke an der Eisenbahn und muss nur über den Kreisverkehr vor Hemmerden verlängert werden", schätzt er den Kostenvergleich ab. – Janine Heinze: "Wir wollen einen guten Weg für die Zukunft und deshalb wollen wir die Westtangente als eigenständige Maßnahme bewertet wissen. Auch unser Ziel ist es, die Kapellener Bürger zu entlasten, aber durch neue, bessere Alternativen."

Denn die L 361 n bringe zumindest für Langwaden das genaue Gegenteil: Kurz vor dem Ort würde dann ein siebenarmiger Kreisverkehr gebaut, der gerade bei Stau auf der Autobahn quasi direkt zum Maut-Abkürzen einladen würde. Und auch für Wevelinghoven und Kapellen seien die angesagten Verkehrsminderungen nicht einsichtig.

Janine Heinze: "Viele glauben, mit dieser Ortsumgehung fährt kein Auto mehr durch Kapellen. Die Tal- und die Neusser Straße haben deswegen aber nicht weniger Verkehr. Das ist eine Lose-Lose-Situation für alle." Und sie schiebt nach: "Das Schlimmste wäre, wenn die uns die Straße vor die Nase setzen und die bringt nichts. Für wen zerstören wir dann die Heimat?"

Und dann ziehen die beiden auch noch die Naturschutz-Karte: Ja, es sei richtig, dass die L 361 n das Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiet in Richtung Mühlrath nicht tangiere. Es sei aber auch klar, dass für die Tierwelt auch die direkte Umgebung bedeutsam sei. Das soll – wie berichtet – unter Anderem im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung untersucht werden, die jetzt der Kreis in Absprache mit dem Land vorantreiben will.

Gerhard Müller

(Kurier-Verlag)