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Terrorverdächtiger aus Neuss
Nachbarn hatten Angst vor ihm

Terrorverdächtiger aus Neuss: Nachbarn hatten Angst vor ihm
Hier schwenkt der Terror-Verdächtige aus Neuss eine – Flagge – gleich neben einem Sandkasten. Warum filmt die Frau? Das FOTO: Foto: privat
Neuss. "Was ist da passiert? Wir haben Angst!" Das schrieb ein Stadt-Kurier-Leser der Redaktion bereits im Juni 2016. Jetzt kommt raus: Sein Nachbar, der nach seiner Aussage angeblich mit einer IS-Flagge im Sandkasten hinter dem Haus hantierte, schien tatsächlich eine schwerwiegende, staatsgefährdende Straftat zu planen! Am Sonntag erging gegen den 21-jährigen Konvertit der Haftbefehl ... Von Gerhard Müller

Vielen Nordstädtern ist der 21-jährige Kevin T. (Name geändert) bereits aufgefallen. Mit rotblondem Haar und Bart, heller Haut und mitteleuropäischen Gesichtszügen hatte er an der Seite seiner vollverschleierten Frau und auch selbst in für Salafisten typische Gewänder gehüllt auf viele eine befremdliche Wirkung. Oft war er in einem Supermarkt an der Römerstraße zu sehen.

"Natürlich sind die beiden in der Nachbarschaft aufgefallen, allein schon durch die Verschleierung", verrät eine Anwohnerin geschockt, "da fragt man sich schon, wer hier so alles herumläuft. Gegen Kopftücher habe ich nichts, aber diese Vollverschleierung ist schon sehr beängstigend und man hat ein ungutes Gefühl."

Am Samstagabend wurde es im Neusser Norden dann spannend: Ein Einsatzkommando der Polizei nahm den 21-Jährigen und zunächst auch seine Frau fest. Der Vorwurf: Er soll geholfen haben, schwerwiegende staatsgefährdende Straftaten zu planen und in seiner Wohnung sogar mit Sprengstoffen herumexperimentiert zu haben. Außerdem soll der Neusser Konvertit in Kontakt mit dem 17-jährigen Verdächtigen aus Österreich stehen, der am Freitag in Wien verhaftet wurde und möglicherweise einen Anschlag auf die U-Bahn in der österreichischen Hauptstadt geplant habe. Gegenüber den Vermittlern gab Kevin T. zu, den Österreicher über Silvester beherbergt zu haben. Er selbst sei aber kein Terrorist. Doch der Verdacht steht: Der Neusser soll einen Anschlag auf die Polizei und die Bundeswehr geplant haben – allerdings gäbe es laut den Ermittlern bislang keine Hinweise auf Attentate in unmittelbarer Zukunft. So richtig belastendes Material habe die Polizei auch nicht gefunden, heißt es. Ob sich ein Richter findet, der Kevin T. längere Zeit in Haft nimmt, ist bei der Beweislage fraglich. Doch die Ermittler tun ihren Dienst, sind auf ihre Arbeit fokussiert, seit sie wissen, dass der Attentäter von Berlin, der auf dem Weihnachtsmarkt ein Blutbad angerichtet hat, in einer Neusser Flüchtlingsunterkunft gelebt hat. Ist Neuss eine Islamisten-Hochburg?

Hanna Loll

(Kurier-Verlag)