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Für Frimmersdorf wird letztes Kapitel des Braunkohle-Stroms aufgeschlagen
Ob die „Sicherheitsbereitschaft“ wirklich gebraucht, kann niemand sagen

Für Frimmersdorf wird letztes Kapitel des Braunkohle-Stroms aufgeschlagen: Ob die „Sicherheitsbereitschaft“ wirklich gebraucht, kann niemand sagen
Lars Kulik und Matthias Hartung: Dadurch, dass fünf Blöcke nur noch „Sicherheitsbereitschaft“ sind, sinkt der CO²-Ausstoß um 15 Prozent. FOTO: Foto; -gpm.
Frimmersdorf. Anfang Oktober gehen die beiden Blöcke P und Q des Kraftwerks Frimmersdorf in die so genannte "Sicherheitsbereitschaft". Ob sie aus diesem "Dornröschenschlaf" irgendwann wieder geweckt werden, kann derzeit niemand so genau sagen ... Von Gerhard Müller

Die Entscheidung darüber, ob die beiden Blöcke (insgesamt wird das RWE fünf Blöcke zur Sicherheitsreserve machen) in der Zeit bis 2021 wieder einmal hochgefahren werden, liegt bei den Netzbetreibern. Wenn die – angesichts der Großwetterlagen – Sorgen haben, dass die Einspeisungen der erneuerbaren Energie nicht ausreichen, um den Strombedarf zu decken, können die, und nur die, den Startbefehl geben, wie RWE-Kommunikations-Chefin Stephanie Schunck jetzt bei einem Pressegespräch im Schloss Paffendorf betonte.

Dabei ist eine Vorlaufzeit von zehn Tagen festgeschrieben, ergänzte Braunkohle-Vorstand Lars Kulik. Die Mitarbeiter, die dann vom Neurather Kraftwerk in die besagten Blöcke "Paula" und "Quelle" switchen, stehen fest; sie wurden entsprechend geschult. "Wir haben eigens Dokumentationsfilme gedreht, die zeigen, wie welcher Hebel umgelegt werden muss", so Kulik, der diese Filme als eine Art "Kochbuch" beschrieb.

Für das eigentliche Hochlaufen der Blöcke stehen elf Stunden im Plan. Und es gebe genaue Festlegungen und auch fixierte Strafen fürs RWE, wenn es in diesem Prozess zu Pannen kommen würde.

Allerdings erscheint es eher unwahrscheinlich, dass diese Sicherheitsreserve gezogen werde, so Vorstandsvorsitzender Matthias Hartung. Immerhin sei sie das "letzte Glied in der Kette" zahlreicher Maßnahmen, um die geregelte Stromversorgung aufrecht halten zu können.

Die Frage nach dem "Wie oft?" lässt sich nicht beantworten. Die RWE-Chefs gehen aber offenkundig von einem "selten" bis "ganz selten" oder "gar nicht" aus.

"Mit dem dort dann erzeugten Strom nehmen wir nicht am Markt teil. Wir bekommen eine Kostenerstattung; es findet kein Verkauf statt", macht Schunck ganz deutlich, dass dieses Konzept für das RWE keinen wirtschaftlichen Anreiz darstellt.

Trotzdem muss der Energieriese garantieren, dass die beiden Blöcke "vier Jahre lang rasten, aber nicht rosten", wie es Hartung formulierte. Das heißt: beweglich Teile wie Pumpen, Regler und natürlich die Turbosätze müssen gängig bleiben. Dichtungen dürfen nicht austrocknen. Die Rohre in den Wasser-Dampf- und Kühl-Kreisläufen dürfen nicht korrodieren. "Unsere Mannschaft und die Anlagen sind gut darauf vorbereitet", so der RWE-Vorstand.

Ab 2022 soll dann in Frimmersdorf der Rückbau der Anlagen begonnen werden, für den das RWE mit einem Zeitrahmen "bis in die Mitte der 20er Jahre" rechnet. Frimmersdorf sei eine Industriefläche und solle als solche auch erhalten werden, obwohl es hierfür noch keine abschließenden Konzepte gebe. Hartung verwies nur auf Gespräche mit der IRR und mit den betroffenen Kommunen. Und auf wohlklingende Titel wie "Coal to liquids" oder "Coal Water-Slurry", die in den kommenden Jahren erst einmal mit Leben gefüllt werden müssen.

Gerhard Müller

(Kurier-Verlag)