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Schlimm: Hitler-Gruß in der Flüchtlingsunterkunft

Grevenbroich. „Keine Ahnung, was ihn geritten hat“. Dezernent Claus Ropertz zeigt sich fassungslos über das, was die Stadt Grevenbroich in die überregionalen Medien gebracht hat: Der Hausverwalter des Flüchtlingsheimes im „Alten Finanzamt“ soll jeden Morgen zum Dienstantritt eine Clown-Winke-Puppe mit dem Hitler-Gruß „begrüßt“ haben. Von Gerhard Müller

Ende vergangener Woche gab es erste Hinweise, Dienstag Abend ging die Verwaltung – neben Dezernent Ropertz auch Amtsleiter Roland Knapp und Pressesprecherin Ines Hammelstein – mit dem Vorfall an die Öffentlichkeit.

An den Fakten gibt es kaum Zweifel; ein Video im Internet zeigt den Hausverwalter beim Hitler-Gruß.

Nach den ersten Beschwerden sei er umgehend zum Gespräch einbestellt worden, so Ropertz. Man habe ihm allerdings deutlich gemacht, dass er sich nicht zu den Vorwürfen äußern müsse. Immerhin ist das Ganze strafrechtlich relevant und kann mit bis zu drei Jahren Gefängnis geahndet werden. Inzwischen ermittelt der Staatsschutz.

Am Ende des Gespräches habe arbeitsrechtlich aber „eine endgültige Entscheidung“ gestanden, so Ropertz. Mit anderen Worten: Der Hausverwalter ist seinen Job los.

So sehr Claus Ropertz und seine Kollegen das Verhalten des Hausverwalters auch ablehnen und verurteilen, so sehr sehen sie auch eine gewisse Tragik in dieser unerfreulichen Geschichte: Der Betreffende war seit 20 Jahren als Hausmeister für die Stadt tätig und erst jüngst in dem Flüchtlingsheim zum Verwalter bestellt worden.

Nach seiner Entlassung wird er kaum die Möglichkeit haben, in Grevenbroich einen Job zu finden, befürchtet man im Rathaus. Hinzukommt, dass er aufgrund seines Engagements in diversen Traditionsvereinen und auch als DJ stadtbekannt ist.

Die drei Verwaltungsvertreter zeigten sich einig: Dem ehemaligen Hausverwalter drohen Konsequenzen, die sich derzeit noch nicht absehen lassen.

Dummheit oder beinhart rechtsradikal? Auch wenn Claus Ropertz eher zur ersten Alternative neigt, gibt es auch Stimmen, die davon erzählen, dass der Betreffende in späten Abendstunden als DJ des Öfteren Musik aufgelegt habe, die dem rechten Spektrum zugeordnet wird.

Angeblich soll das oben erwähnte Video allerdings schon aus dem Januar diesen Jahres stammen. Warum es gerade in der Vorwoche im Rathaus aufploppte, ist noch unklar. Der Betroffene sieht sich dem Vernehmen nach jedenfalls gemoppt. Die Stdt wird auch zu klären haben, warum die Kollegen so lange geschwiegen haben ...

(Kurier-Verlag)