| 10.41 Uhr

13.320 Verkehrsunfälle im vergangenen Jahr
Sechs Tote in Grevenbroich und Rommerskirchen

Sechs Tote in Grevenbroich und Rommerskirchen
FOTO: Hanna Loll
Grevenbroich. Zehn Menschen sind im vergangenen Jahr bei Verkehrsunfällen oder an deren Folgen im Rhein-Kreis gestorben. Das sind zehn zu viel, findet Landrat und Polizeichef Hans-Jürgen Petrauschke. Gemeinsam mit Detlef Gernandt, Abteilungsleiter der Polizei, sowie Gerhard Kropp, Leiter der Direktion Verkehr, informierte er jetzt über Präventionsmaßnahmen, Unfallursachen und mehr. Von Hanna Loll

Es sind traurige Zahlen, die die Beamten in ihrem Bericht zur Verkehrsunfallentwicklung 2016 im Rhein-Kreis vorlegen: Bei rund 13.320 Unfällen (Grevenbroich: 637, Rommerskirchen: 118, Jüchen: 168) kamen 1.628 Menschen zu schaden, darunter 137 Kinder und 271 Senioren. Zehn Menschen verloren sogar ihr Leben, einer davon war ein 23 Monate altes Baby, das im April in einen Unfall in Grevenbroich verwickelt war. Ein kleiner Hoffnungsschimmer: Das sind etwas weniger Verletzte als im Vorjahr und die Zahlen liegen deutlich unter dem Landes-Durchschnitt. "Natürlich arbeiten wir weiter daran, die Verkehrssicherheit zu erhöhen", versichert Hans-Jürgen Petrauschke, in seiner Position als Landrat auch Chef der Kreis-Polizeibehörde.

So gibt es beispielsweise das Programm "Crash Kurs", in dem Jugendliche die Gefahren hoher Geschwindigkeiten kennen lernen. Auch die regelmäßige "Aktion Toter Winkel", das Projekt "Junge Fahrer" und weitere Maßnahmen werden jedes Jahr durchgeführt, um Menschen aller Altersklassen und Gesellschaftsschichten für die Aufmerksamkeit im Straßenverkehr zu sensibilisieren. Dennoch kommt es auf den Straßen des Rhein-Kreises immer wieder zu Unfällen. Neben Abbiege- und Wendemanövern sowie Vorfahrtsmissachtung stehen hohe Geschwindigkeiten und die Ablenkung durch Smartphones auf der Liste der Hauptunfallursachen ganz weit oben. Denn wer bei 50 Kilometern pro Stunde nur eine Sekunde auf das Handy schaut, fährt 14 Meter im Blindflug. Gerhard Kropp, Leiter der Direktion Verkehr, weiß: "Wenn wir uns bei einem Unfall nicht erklären können, wie es dazu kommen konnte, ergibt sich in unseren späteren Ermittlungen häufig, dass der Unfallverursacher mit dem Smartphone beschäftigt war." Abteilungsleiter Detlef Gernandt warnt: "Ist der Unfall schwer genug, kontrollieren wir die letzten Handy-nutzungen – das kann schwerwiegende Konsequenzen haben." Um der Gefahr zu begegnen und die Unfallzahlen zu senken, hat die Landespolizei für 2017 eine Kampagne ins Leben gerufen, die mit Comics auf mögliche Konsequenzen durch Ablenkung am Steuer aufmerksam macht.

Besonders auffällig findet Kropp: "Die Zahl der Radunfälle nimmt immer weiter zu. Dabei ist auch die steigende Zahl der Alleinunfälle zu beachten, wie beispielsweise im Juli, als in Holzheim ein 81-Jähriger und seine Frau auf dem Feld mit dem abgestellten Gabelstapler kollidiert sind. Der Mann hat sich so schwere Verletzungen zugezogen, dass er verstorben ist." Insgesamt sind im vergangenen Jahr drei Radfahrer im Rhein-Kreis Neuss tödlich verunglückt. "Sie alle trugen keinen Fahrradhelm", ruft Petrauschke auf, "der hätte vermutlich vieles verhindern können."

Ein weiterer Punkt, der den Beamten wichtig ist: "Verkehrsunfallflucht lohnt sich nicht!" Es gab im vergangenen Jahr 3.158 Verkehrsunfallfluchten – unsere Aufklärungsquote liegt bei über 40 Prozent. Wer sich unerlaubt vom Unfallort entfernt, hat mit teilweise schwerwiegenden Konsequenzen zu rechnen ..."

Damit es gar nicht erst zum Unfall kommt, arbeitet eine Unfallkommission jetzt an der Entschärfung der Verkehrssituation an so genannten "Unfallhäufungsstellen" – in Grevenbroich sind das die L 69, Abschnitt 1, in Wevelinghoven sowie die Kreuzung Alfred-Nobel-Straße / Benzstraße im Industriegebiet-Ost und in Rommerskirchen die B 447, Abschnitt 50.2, in Anstel und die B 59 / L 375 / K 26 in Sinstedten. Petrauschke erklärt: "Die L 69 ist sehr kurvenreich und ist bei einer relativ hohen Geschwindigkeitsbegrenzung sehr eng. Im Industriegebiet, in dem viel Mischverkehr unterwegs ist, liegt es vor allem an der Unaufmerksamkeit vieler Fahrer. Auf der stark befahrenen B 447 werden die Kurven häufig unterschätzt und in Sinsteden, wo im vergangenen April ein 62-Jähriger Motorradfahrer verstorben ist, wird bald eine Ampel installiert. Die Kommission sucht jetzt nach Lösungen für diese Stellen – mit einer Ampel ist es aber nicht immer unbedingt getan. Es ist einfach schwierig, durch Vorschriften für Sicherheit zu sorgen, wenn sich viele Fahrer nicht an diese halten." Die Bilanz der Polizei: Leicht positiv – immerhin gibt es weniger Verletzte ...

Hanna Loll

(Kurier-Verlag)