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Smartphone, Kreditkarte und mehr: Die „Verräter“ in unserer Tasche!

Smartphone, Kreditkarte und mehr: Die „Verräter“ in unserer Tasche!
Mit Unternehmer Donat Brandt sprach Erft-Kurier-Redakteuer Gerhard Müller.
Grevenbroich. „Das Jahr 2018 wird ein Schlüsseljahr für den digitalen Umbruch. Die digitale Entwicklung hält Einzug in alle Bereiche des Endverbrauchers. Sie wird tägliches Geschäft.“ Das sagt ein Mann, der sich auskennt mit moderner Technik und neuster Entwicklung: Donat Brandt, Vater des „Plus-X-Award“, spielt mit seiner Aussage nicht nur aufs „smart home“ ab. Und er betont, dass diese Entwicklung Segen und Fluch zugleich sei. Von Gerhard Müller

Donat Brandt zielt mit seiner Aussage nicht nur auf den „sprechenden Kühlschrank“ ab. „Die digitale Entwicklung zieht sich durch alle Gesellschaftsschichten, alle Lebensbereiche, alle Wirtschaftssektoren“, ist er überzeugt.

„Was ich mag? Wo ich spazierengehe? Welche Freunde ich habe? Was ich hasse? Und welches Essen ich wann liebe? Das Internet weiß das. ,Google’ und ,Amazon’ wissen das. Das ist nicht Science Fiction, sondern Realität“, betont der erfolgreiche Unternehmer. Und erklärt: „Die Agenturen, die diese Daten sammeln, wissen mehr über einen als der eigene Partner. Und wir alle haben zugestimmt. Wir alle haben die Vertragsbedingungen von ,facebook’ und ,google’ mit einem schnellen Klick akzeptiert. Das Smartphone aber liefert alle weiteren Daten.“

Und er nennt Beispiele: Wir alle haben schon erlebt, dass wir nach XY gegoogelt haben. Und beim nächsten Besuch auf „Amazon“ bekommen wir prompt die passenden Produkte angeboten. „Auch Behörden nutzen diese Daten“, erläutert Brandt und verweist auf die Niederlande, wo „TomTom“ seine Navi-Daten der Polizei zur Verfügung gestellt habe: Wer das Tempo-Limit nicht eingehalten hat, bekam ein Knöllchen nach Hause geschickt. Auch wenn danach ein Aufschrei durch das Nachbarland gegangen ist, Brandt ist sich sicher, dass Radarfallen „so was von gestern sind.“

Ob man diese Entwicklung als Segen oder als Fluch ansehe, sei eine individuelle Entscheidung: Der eine finde es toll, wenn er die „perfekten Angebote“ vorgesetzt bekomme. Der Andere würde das eher verteufeln.

Verschließen könne man sich dieser Entwicklung allerdings nicht. Schon alleine deshalb nicht, weil sie die Wirtschaftswelt komplett umkrempeln werde. Und dieser Prozess habe die Banken zum Beispiel schon längst erreicht. „Dort gibt es heute höchsten noch einen Schalter. Und der Mensch dahinter sagt: Ich kann ihnen nicht helfen. Draußen stehen Computer.“ Frage man aber nach größeren Summen zum Abheben, laute die Antwort: „Wir haben keinen Tresor mehr. Gehen Sie an den Automaten.“

Ernst schiebt der überzeugte Grevenbroicher nach: „Das klassische Finanzwesen steht gerade vor dem Zerbröckeln.“ Dazu passe der aktuelle Hype um die „Krypto-Währungen“ (Bitcoin & Co).

Zudem beweise der Automobil-Markt, dass sich ganz neue Geschäftskonzepte abzeichnen: „Demnächst kaufen wir Produkte mit eingeschlossenen Versicherungen, eigenen Krediten und eigener Verrechnung in direkter Beziehung. Ohne Banken und Versicherungen“, malt Brandt die Zukunft aus.

Waren früher in den herstellenden Unternehmen Führungspersonen „mit einem guten Näschen dafür, was der Markt will,“ erforderlich, würden dort heute die Zahlen der Meinungsforscher die Regie führen: Wenn gerade Aprikosen im Müsli und auf dem Kuchen gefragt seien, wenn zudem Aprikosendüfte einem Schönheitsprodukt zum Erfolg verhelfen würden, dann gäbe es halt auch die Vorgabe Schokolade oder Pralinen mit Aprikose auf den Markt zu bringen. „Und dieses Prinzip funktioniert“, weiß Brandt aus den unterschiedlichsten Bereichen und Sektoren.

Folge sei, dass es immer mehr „Manager mit kurzer Halbwertszeit“ gebe, die sich nur darum kümmern würden, „schöne Zahlen für den Aufsichtsrat“ zu bringen. Die Konzerne aber würden immer mehr das Gefühl für ihre Verantwortung verlieren.

„Diese Verantwortung müssen wir Bürger neu einfordern. Nicht von den Politikern, sondern von der Wirtschaft selbst“, ist Brandt überzeugt.

Das gilt in seinen Augen umso mehr, da ein anderer Begriff aus Hollywoods Fantasiewelt längst Realität geworden ist: „Die ,Künstliche Intelligenz’ ist schon da. Und sie kommt jetzt auch langsam in den Mainstream-Bereich. Natürlich aber ist sie immer eine ,Black Box’, wo wir nicht wissen, was am Ende dabei rauskommt“, betont Brandt.

Schon heute würden die I-Phones dazu lernen. Und mit dem Quanten-Computer sei auch die digitale Welt in der Lage, all das zu sehen, was „zwischen 1 und 0“ liegt. Damit aber könnte die „Künstliche Intelligenz“ (KI) selbstständig, also Menschen unabhängig dazu lernen. Und dann wird Donat Brandt philosophisch: „Gott erschuf den Menschen. Der Mensch tötete Gott. Der Mensch erschuf KI. ... und die Geschichte beweist, die Kinder töten immer ihre Eltern!“

Genau hier aber komme die oben beschriebene Verantwortung der Unternehmen (Zitat; „Nur eine Handvoll Konzerne beherrschen die Welt.“) ins Spiel.

Immerhin bringe die Digitalisierung auch viele angenehme Dinge: Dank der modernen Gebäudetechnik könnten Rollstuhlfahrer heutzutage erstmals ohne fremde Hilfe selbstbestimmt leben. Und künftige Pflege-Roboter würden sicherlich gute Dienste leisten: „Vielleicht in Form eines Kuscheltieres, das beim In-den-Arm-nehmen gleich Temperatur und Blutdruck misst. Das an ausreichend Wasser Trinken erinnert und das vielleicht im Zweifelsfall selbsttätig den Arzt ruft“, so der Blick in eine mögliche Zukunft.

Apropos Arzt: Auch der Gesundheitssektor werde immer digitaler: Der Computer, der das CT macht, interpretiert es dann auch präzise und stellt genauso präzise die Medikation zusammen.

Digitalisierung: Segen? Oder Fluch? Jedenfalls eine Aufgabe.

(Kurier-Verlag)