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GPA-Gutachten
Wo zu viel, wo zu wenig gearbeitet wird

GPA-Gutachten: Wo zu viel, wo zu wenig gearbeitet wird
Die GPA hat nachgerechnet, wo ihn Grevenbroich das städtische Geld hingeht. FOTO: Foto: pixelio
Grevenbroich. Am Donnerstag Abend stellte die "Gemeindeprüfungsanstalt" (GPA) im Rechnungsprüfungs-Ausschuss ihr Gutachten über die Stadt Grevenbroich, über deren Verwaltungsabläufe und die damit verbundenen Kosten vor. Die dabei getroffenen Aussagen konnten nicht allen wirklich gefallen ... Von Gerhard Müller

Bei der ersten Aussage in Sachen Rathaus konnte Bürgermeister Klaus Krützen aufatmen: Die Gliederung der Verwaltung sorge in Grevenbroich "für geringe Schnittstellen und eine klare Struktur der Verantwortlichkeiten".

Allerdings sorgen sich die Fachleute der GPA um die Zukunft: Die Zahl der über 50-Jährigen liegt in der Verwaltung bei rund 43 Prozent. Mit anderen Worten: Bis 2025 wird ein Viertel der Beschäftigten in den Ruhestand gehen. Bis 2030 sind es sogar 37 Prozent der heutigen Mitarbeiter.

Dies eröffnet zum einen sicherlich die Möglichkeit – wie von den Politikern gewünscht und wie im Sanierungskonzept für den städtischen Haushalt festgeschrieben –, in den nächsten Jahren Stellen einzusparen, nicht wieder neu zu besetzen, zu streichen.

Der Konsolidierungsplan sieht (derzeit noch) ein Minus von rund 70 Stellen vor.

Auf der anderen Seite mahnt die GPA, auch die "

Wissensbewahrung

" nicht aus den Augen zu verlieren: "Mit ihnen (... die, die in den Ruhestand gehen ... ) geht mehr Wissen und Lebenserfahrung verloren, als den jüngeren Generationen im normalen Arbeitsprozess kurzfristig vermittelt werden kann. Dies gilt umso mehr (...) für Spezialwissen, so genanntes ,Schlüsselwissen' (...)."

Ein Verfahren der "Wissensbewahrung" gebe es im Grevenbroicher Rathaus aber nicht, moniert die GPA.

Doch wie sieht es mit der Arbeitsauslastung in den einzelnen Ämtern aus? Auch hier nennt die GPA beispielhaft wirkende Zahlen.

Je Vollzeitstelle wurden 2015 zum Beispiel im

Einwohnermeldeamt

2.467 Fälle bearbeitet. Das sind über fünf Prozent weniger, als die GPA als Benchmark (als "Soll-Linie") vorsieht. "Die geringe Fallzahl wird durch die Rahmenbedingungen und Arbeitsabläufe in der Stadt Grevenbroich beeinflusst", so die Fachleute.

Und an anderer Stelle heißt es: "Die Öffnungszeiten des

Bürgerbüro

s fallen mit 35 Stunden pro Woche unterdurchschnittlich aus (...). Ein Dienstbetrieb an fünf Tagen in der Woche kann wirtschaftlicher sein. In diesem Zusammenhang ist der Samstag zu überdenken." Der Idee von "Nebenstellen" in den Ortsteilen erteilen die GPA´ler eine klare Absage.

Auch im

Standesamt

wird fallbezogen mehr Personal eingesetzt als in Vergleichskommunen: Die GPA sieht 240 Fälle je Vollzeit-Stelle für machbar (in einer anderen Kommune müssen sogar 325 Fälle abgearbeitet werden). In Grevenbroich werden aber nur 209 von den Mitarbeitern abgefordert.

Ganz anders sieht es dagegen in der Abteilung für

Gewerbe- und Gaststätten-Angelegenheiten

aus: Hier werden je Vollzeit-Stelle 1.242 Fälle bewegt; gefordert werden von der GPA "nur" 1.000.

Klarheiten gibt es in dem mehrteiligen Gutachten auch in Blick auf die geplante Umwandlung der "Wirtschaftsbetriebe" in einer re-kommunalisierte AÖR (wir berichteten am Mittwoch).

Hierzu heißt es bei der GPA: "Die

Wirtschaftsbetriebe

haben in 2014 118 Mitarbeiter im Bereich ,

Grün'

eingesetzt. Diese haben insgesamt 168.716 Produktivstunden geleistet. Demzufolge hat jeder Mitarbeiter im Mittel 1.442 Stunden erbracht. Die KGSt weist diesbezüglich einen Referenzwert von 1.547 Stunden je Mitarbeiter und Jahr aus. Also leisten die Mitarbeiter der WGV im Mittel jährlich 105 Stunden weniger. Bei eingesetzten 118 Mitarbeitern summiert sich dies auf eine Größenordnung von rund 12.400 Stunden jährlich beziehunsgweise acht Vollzeit verrechnete Stellen." In der Tat also viel Raum, um der Stadt Geld zu sparen.

Auch bei der

Pflege von Park- und Gartenanlagen

(Kosten-Benchmark: 1,20 Euro pro Quadratmeter; WGV: 1,87 Euro pro Quadratmeter = 300.000 Euro "zu viel" ausgegeben), bei der

Pflege der Spiel- und Bolzplätze

(auch hier könnten 300.000 Euro locker eingespart werden – ohne, dass die Qualität sinken würde) und auch beim

Straßenbegleitgrün

(GPA: 103.000 Euro Kosten werden gerechtfertigt; abgerechnet werden 2015 aber 512.000 Euro) entdeckten die Fachleute der "Gemeindeprüfungsanstalt" deutliche Einsparmöglichkeiten, bei denen sich in der Gesamtheit schnell Beträge von mehreren Millionen Euro errechnen lassen.

Im Mai soll das Gutachten auch öffentlich im Rat thematisiert werden.

Gerhard Müller

(Kurier-Verlag)