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„Umweltschutz wird hier zu gering gestellt“ NABU Jüchen protestiert gegen Bebauung

„Umweltschutz wird hier zu gering gestellt“ NABU Jüchen protestiert gegen Bebauung
Paul Quack und Rudolf Kuhn vom NABU Jüchen an einer der wenigen Waldflächen in der Gemeinde. FOTO: Foto: Alina Gries
Hochneukirch. „Es gibt in Jüchen nicht so viele wertvolle Flächen, es wäre schade, wenn diese bebaut werden würde“, berichtet Rudolf Kuhn vom NABU bedrückt über die Bebauungspläne an der Peter-Busch-Straße in Hochneukirch. 30 Wohneinheiten in Reihen- und Doppelhausbebauung für Familien mit Kindern sind in der Nähe zum Bahnhof geplant. Von Alina Gries

„Bereits seit Oktober 2009 liegt für das Gebiet ein rechtskräftiger Bebauungsplan vor, der eine Bebauung für das Gebiet vorsieht und festsetzt. Die Fläche steht somit schon seit Jahren für eine Bebauung zur Verfügung“, gibt Norbert Wolf, Pressesprecher der Gemeinde, auf Nachfrage der Redaktion an.

Dennoch versucht der NABU Jüchen jetzt noch eine mögliche Bebauung zu verhindern. „Die Natur hat sich an dieser Stelle den Platz selbst geschaffen“, berichtet Paul Quack vom NABU. Denn an dieser Stelle sei früher noch eine Bahnstrecke entlang verlaufen. Kollege Rudolf Kuhn nickt: „Diese Fläche ist einzigartig, so etwas gibt es nicht so oft in Jüchen.“

Dass Jüchen sich weiter entwickeln müsse, sei beiden klar, aber nicht an dieser Stelle. Für eine Bebauung gebe es sicherlich eine Alternative, hoffen sie. „Da die beabsichtigte Bebauung geringfügig von den Festsitzungen des Bebauungsplanes aus dem Jahr 2009 abweicht, ist die Änderung des Bebauungsplanes erforderlich. Im Rahmen des Verfahrens wurde unter Anderem ein Umweltbericht angefertigt sowie eine Artenschutzvorprüfung, welche im weiteren Verfahren durch Kartierungen konkretisiert wird, durchgeführt“, erklärt Wolf weiter, „die frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung fand in der Zeit vom 28. Dezember 2017 bis einschließlich Montag statt. [...] Die eingegangenen Stellungnahmen fließen in das Bebauungsplanverfahren ein und werden dem Gemeinderat zur Abwägung vorgelegt.“ Eine weitere Öffentlichkeits- und Behördenbeteiligung finde dann voraussichtlich im Spätsommer/ Herbst diesen Jahres statt. Aber nicht nur über die mögliche Bebauung an der Peter-Busch-Straße beschwert sich der NABU, sondern auch darüber, dass „nach dem Tagebau und Abholzungsmaßnahmen des Landschaftsverbandes Rheinland und ,Straßen NRW’ auch die Gemeinde plane sich an diesen negativen Aktionen zu beteiligen“, heißt es im Schreiben des NABU.

„Wir pflanzen schon viele Bäume, aber es werden mehr platt gemacht, als das neue nachwachsen“, schüttelt Quack den Kopf, „warum ist Garzweiler II zum Beispiel verfüllt worden und Garzweiler I noch nicht? Umweltschutz wird hier zu gering gestellt. Nicht einmal eine Baumschutzsatzung gibt es.“

Doch auch hier verteidigt Pressesprecher Norbert Wolf die Abholzungsmaßnahmen: „Im Plangebiet ist eine Kastanie dem Sturm ,Friederike’ zum Opfer gefallen. [Nach Prüfung] ist es erforderlich, dort sechs weitere Bäume zu fällen. [..] Die durch die Fällungen entstehenden Lücken wird die Verwaltung zum Anlass nehmen, die Winterlindenallee bis in Höhe der Einmündung Gartenstraße zu verlängern. Nach einer ersten Einschätzung könnten in diesem Jahr zehn bis zwölf neue Winterlinden gepflanzt werden. Da die Vitalität der Rosskastanien [..] seit Jahren ständig nachlässt, ist absehbar, dass auch die restlichen Bäume nur noch eine kurze Restlebenserwartung haben.“

Alina Gries

(Kurier-Verlag)