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Bürgerwehr soll für mehr Sicherheit sorgen
Auf Verbrecherjagd: Nachts Patrouille laufen

Bürgerwehr soll für mehr Sicherheit sorgen: Auf Verbrecherjagd: Nachts Patrouille laufen
Die Anwohner fühlen sich in Gierath nicht mehr sicher. FOTO: Foto: Alina Gries/Tim Reckmann/pixelio.de
Gierath. "In einer Nacht waren Einbrecher bereits im Hausflur als unser Hund sie bemerkte – in der darauffolgenden Nacht habe ich sie selbst an der Türe beobachtet", berichtet Kevin Hohenberg, "eine Woche später ist uns ein unbekanntes Fahrzeug aufgefallen – zwei Männer hatten mit Hilfe einer Handy-Taschenlampe versucht Haustüren zu manipulieren." Die Anwohner im Doppeldorf fühlen sich nicht mehr sicher. Deshalb hat der 23-Jährige nun über die Plattform "facebook" zu einer "Bürgerwehr" aufgerufen. Von Alina Gries

Nach Angaben der Polizei sind die Einbruchsversuche in der Gemeinde rückläufig. Da die Gesamtstatistik der Wohnungseinbrüche für 2016 aber erst im März veröffentlicht werde, sei die Zahl der Einbrüche in Wohnungen – nach derzeitigem Kenntnisstand – für das Jahr 2016 (im Vergleich zum Vorjahr) leicht rückläufig. Im ersten Halbjahr 2016 habe die Polizei 53 Wohnungseinbrüche in Jüchen verzeichnet – 2015 waren es 61 Taten. Dennoch fühlen sich die Bürger unsicher. "Es werden über den multimedialen Weg Spaziergänge vereinbart, bei denen vermehrt auf das Umfeld und unbeobachtete Ecken im Doppeldorf geachtet wird", berichtet Kevin Hohenberg. Mit dieser Eigeninitiative möchte er die Einbruchsserie in der Ortschaft stoppen. Dabei distanziert er sich jedoch ganz klar von dem missbräuchlichen Nutzen einer "Bürgerwehr". "Es mag sein, dass die Aktion durch die Flüchtlingssituation in Verruf geraten ist, darauf sind wir aber nicht aus", betont der Gierather, "uns geht es nicht um die Herkunft der Einbrecher, sondern hauptsächlich darum, den großen Rentneranteil der Dörfer durch eventuelle Hinweise zu beruhigen." Und auch von Gewaltanwendung, wie dies für die ursprüngliche "Bürgerwehr" angedacht ist, hält Hohenberg nichts. "Wir möchten nur Informationen beziehungsweise verdächtige Fahrzeuge oder versuchte Einbrüche melden, solange diese Person am Ort des Geschehens ist", sagt er. Und obwohl die "Bürgerwehr" erst am Wochenende gegründet wurde, zeigt sie schon Ergebnisse. "Bei der Patrouille wurden zwei Kennzeichen an die Polizei weitergeleitet", so Hohenberg, "sie parkten in Einfahrten und waren dabei Haustüren auszuspionieren." Auf Anfrage der Redaktion gab Polizeisprecherin Daniela Dässel jedoch an, dass sich Hinweise auf Straftaten in diesem konkreten Zusammenhang bisher nicht ergaben. Aktuell besteht die "Bürgerwehr" aus etwa fünf Personen. "Wir betonen immer wieder, dass aufmerksame Nachbarn ein wichtiger Faktor beim Einbruchschutz sind. [...] Insofern begrüßt die Polizei alles, was geeignet ist, das Hinweisaufkommen und damit auch die Sicherheit zu steigern", so Dässel, "die Polizei warnt jedoch davor, den ,Helden zu spielen' oder Selbstjustiz zu üben, wenn man Zeuge einer Straftat wird. Niemand sollte sich selber oder andere in Gefahr bringen [...] Besser ist es, in einem solchen Fall, unverzüglich die Polizei zu verständigen und den Ordnungshütern mit einer guten Beschreibung der Täter oder genutzter Autos eine effektive Fahndung zu ermöglichen. Die Beamten der Polizei sind [...] speziell ausgebildet und ausgerüstet für den Einsatz gegen Wohnungseinbrecher und andere Straftäter. Sie verfügen zudem auch über andere rechtliche Befugnisse."

Alina Gries

(Kurier-Verlag)