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VRR sieht rot
Barrierefrei, modern und sicher - aber nicht in Jüchen

VRR sieht rot: Barrierefrei, modern und sicher - aber nicht in Jüchen
Bilke Krohne pendelt täglich von Grevenbroich nach Hochneukirch. FOTO: Foto: Alina Gries
Jüchen. "Die Unterführung stinkt," meint Bilke Krohne, "und da im Dunklen entlang zu laufen ist auch nicht so toll. Aber ich finde Bahnhöfe generell nicht sicher." Doch daran wird sich derzeit nicht viel ändern – zumindest nicht in der Gemeinde. Und das obwohl die Bahnhöfe bereits zum dritten Mal eine schlechte Bewertung im Stationsbericht des VRR erhalten haben. Während im Rahmen der Bahnhofsmodernisierung "1von150" in Nordrhein-Westfalen für rund eine Milliarde Euro bis 2023 insgesamt 150 Bahnhöfe landesweit renoviert werden, sind weder der Bahnhof in Jüchen noch der in Hochneukirch in dieses Konzept eingebunden. Von Alina Gries

"Mit rund 1.000 Reisenden pro Tag in Hochneukirch beziehungsweise 700 Reisenden pro Tag in Jüchen gehören die beiden genannten Stationen zu den kleineren Bahnhöfen in Nordrhein-Westfalen", so ein Sprecher der Deutschen Bahn, "derzeit können wir daher leider noch keinen Termin für einen barrierefreien Ausbau nennen." So sollen 150 der insgesamt 700 Bahnhöfe in Nordrhein-Westfalen moderner ausgestattet, barrierefrei gebaut und eine höhere Aufenthaltsqualität geschaffen werden. "Die Auswahl der Stationen erfolgt gemeinsam mit den Aufgabenträgern und dem Land beziehungsweise Bund, die diese Maßnahmen mit finanzieren", erklärt der Bahnsprecher weiter, "neben anderen Faktoren ist hierbei die Reisendenzahl eine wichtige Beurteilungsgröße. Denn je stärker eine Station frequentiert ist, desto mehr Reisende und Besucher profitieren von deren barrierefreien Erschließung. Deswegen werden zunächst vor allem größere Stationen ausgebaut." Doch auch im Stationsbericht 2016 des VRR, der im März veröffentlicht wurde, wofür Stationstester etwa vier Mal im Jahr alle Bahnhöfe landesweit befahren und hinsichtlich der Sauberkeit, Funktion und Graffiti beim Zugang und dem Bahnsteig bewerten, schneiden die beiden Bahnhöfe das dritte Mal in Folge in der Gesamtbewertung sehr schlecht ab. Eine Abwertung erfolge dem Bericht zufolge auch durch Graffiti im Zugang. Die Unterhaltungspflicht liege auch bei der Gemeinde Jüchen. Dino Niemann, Pressesprecher des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr, erklärt auf Anfrage der Redaktion: "Wir sehen Bedarf in der Modernisierung, aber es ist kein Programm für die beiden Bahnhöfe geplant. Die Gemeinde kann, wenn sie in kommunaler Trägerschaft ist, Förderanträge stellen. Diese können dann geprüft werden und zu einem Umbau führen." Ein solcher Förderantrag wurde aber bereits vor zwei Jahren gestellt. "Die Gemeinde hatte bereits im Jahre 2015 einen Antrag im Rahmen des Modernisierungsprogramms für kleinere Bahnhöfe im ländlichen Raum für den Bahnhof Hochneukirch gestellt. Der Antrag wurde seinerzeit abgelehnt, da man sich ,im landesweiten Abgleich nicht behaupten konnte'", lautet es seitens der Gemeinde auf Anfrage der Redaktion, "wir werden jedoch erneut Kontakt zum VRR und zur DB AG aufnehmen um Anträge hinsichtlich der beiden Bahnhöfe in Jüchen und Hochneukirch zu stellen." Sebastian Heckhausen, Vorsitzender des CDU Gemeindeverbandes fordert einen Neubau: "Der Bahnhof in Jüchen ist eine absolute Katastrophe. Man kommt gar nicht auf die andere Seite ohne den Tunnel zu benutzen und da muss man grundsätzlich die Luft anhalten."

Alina Gries

(Kurier-Verlag)