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Eine Spenderin für Leni zum Geburtstag
Gieratherin ist seit zwei Wochen zu Hause

Eine Spenderin für Leni zum Geburtstag: Gieratherin ist seit zwei Wochen zu Hause
Leni Jorißen (mitte) strahlt mit ihren beiden Freundinnen Danny Zintl (links) und Silke Voigt um die Wette. FOTO: Foto: privat
Gierath. "Meine Überzeugung ist es, dass ich zu den zehn Prozent gehöre, die als geheilt gelten", lächelt Leni Jorißen, "ich war schon immer optimistisch und ich fühle mich auch so." Seit knapp zwei Wochen ist die 53-Jährige jetzt wieder zu Hause. Zwischenzeitlich hatte sie sich noch einen schweren Infekt zugezogen, ist aber nun auf dem Weg der Besserung. Ob die Stammzellentransplantation eine wirkliche Heilung des Knochenmarkkrebs verspricht, zeige sich aber erst in zehn Jahren. Von Alina Gries

Mit Mundschutz und Filter begrüßt Jorißen jeden Gast an der Türe. Etwas an das sich die 53-Jährige noch nicht wirklich gewöhnt hat. "Ich darf nicht essen oder ins Kino gehen. Die Blumen im Haus mussten entsorgt werden. Urlaub ist verboten. Geschäfte darf ich nur besuchen, wenn sie recht leer sind und gerade was Essen angeht gibt es viele Einschränkungen. Einschränkungen, die Jorißen aber gerne in Kauf nimmt: "Die Transplantation ist jetzt zwar durch, jetzt besteht aber die große Gefahr, dass ich mir einen Infekt wie eine Lungenentzündung zu ziehen kann."

Nachdem weder eine Chemo-, Strahlen- und letztlich eine Eigenstammzelltherapie den Krebs nicht stoppen konnte, war Leni Jorißen auf eine Fremdzellspendentherapie angewiesen. "An meinem Geburtstag kam dann die Neuigkeit: Es wurde eine Spenderin gefunden", erinnert sie sich strahlend. Und dann ging alles ganz schnell. "Fünf Wochen durfte ich ein kleines Zimmer mit einer Reinigungsanlage, die die Luft filtert, mein neues Zuhause nennen", so Jorißen. Geschlossene Fenster, eingeschweißte Bücher und Besuch unter strengen Bedingungen. "Ich durfte nicht barfuß duschen und mich auch nicht bücken. Die Bücher mussten so neu sein, dass ich wirklich die Erste war, die sie anfasst", erzählt sie. Bereits eine Woche nach der Klinikaufnahme wurde schon mit der Stammzellentransplantation begonnen. "Und dann ging es mir schnell schlecht", erinnert sie sich, "die neuen Stammzellen haben meinen Darm angegriffen." Das sei aber normal. "Es werden immer die größten Oberflächen wie Leber, Darm oder die Haut angegriffen", weiß sie, "nach einer Woche hatten wir das Ganze aber gut im Griff." Mit Medikamenten wird das Immunsystem dabei außer Kraft gesetzt, damit sich die neuen Stammzellen schnell ausbreiten können.

"Die neuen haben die Aufgabe meinen Körper zu vereinnahmen, sodass im Knochenmark nur die neuen Stammzellen gebildet werden." Das klappe manchmal, manchmal würden sich die alten Stammzellen aber auch wieder vermehren. 
Nach einem halben Jahr werde die Medikamente, die gegen das Immunsystem arbeite, reduziert. Und erst, wenn nach zehn Jahren keine neuen Krebszellen nachgewiesen werden, sei man aus medizinischer Sicht geheilt. "Das sind etwa zehn Prozent der Menschen mit meiner Erkrankung", so die 53-Jährige.
 Doch sie ist optimistisch: "Ich bin der Spenderin unglaublich dankbar und habe ihr auch einen Brief geschrieben, weil ich gerne mehr über sie erfahren würde, außer, dass sie aus Dresden kommt und 38 Jahre alt ist." Eine Antwort habe sie bisher aber nicht erhalten

(Kurier-Verlag)