| 11.12 Uhr

Peter Herzhoff und Sabine Ladwig engagieren sich bei „JONA“
„In nenne es Lebensbegleitung“

„In nenne es Lebensbegleitung“
FOTO: Alina Gries
Jüchen. "Einmal habe ich einen Herrn begleitet, der eine Hautkrankheit hatte", erinnert sich Peter Herzhoff, "kurz bevor er gestorben ist, war die Schuppenflechte einfach weg. Dadurch hat man richtig gesehen, dass er diesen letzten Schritt akzeptiert hat." Von Alina Gries

Der Jüchener ist seit 15 Jahren Sterbe- und Trauerbegleiter bei der "JONA-Hospizbewegung". "Ich nenne es aber eher eine Lebensbegleitung, sonst klingt das so düster", lächelt er, "es ist die Begleitung in der letzten Phase des Lebens. Dabei ist dieser Kontakt mit dem Menschen schön, weil man andere Aspekte kennenlernt und weniger über Tod und Sterben redet." Herzhoff ist dabei über einen Vortrag im "Haus Katz" an den Verein herangetreten. "Es war reine Neugier, weshalb ich den Vortrag von Marion Berchthold besucht habe, hinterher war ich aber begeistert", erzählt er weiter.

"Wenn ich nach Hause fahre, fühle ich mich beschenkt"

Für Sabine Ladwig kam die Begegnung mit der Hospizbewegung erst einmal aus persönlichen Gründen. "Als meine Mutter im Sterben lag, habe ich ,JONA‘ als Trauerbegleitung angefordert", erinnert sie sich, "ich war über die Unterstützung so beeindruckt, dass ich die Situation als natürlich angesehen habe. Hinterher haben wir uns einfach nur mutig und gestärkt gefühlt."

Bis sich die 60-Jährige dann aktiv als Sterbebegleitung engagiert hat, ist aber noch etwas Zeit verstrichen. "Anfangs habe ich noch gedacht, das kann ich sicher nicht", weiß Ladwig noch genau. Jetzt begleitet die Jüchenerin seit einem Jahr eine 79-jährige demenzkranke Frau. "Sie kann nur noch ihre Augen öffnen, aber in diesem einen Jahr haben wir durch viele Zeichen eine innige Beziehung aufgebaut", erzählt Ladwig, "und, wenn ich nach Hause fahre, fühle ich mich beschenkt. Ich habe das Gefühl immer wieder Licht in ihren letzten Lebensabschnitt zu bringen." Dabei lächelt Sabine Ladwig versonnen.  Und auch Peter Herzhoff bekräftigt die Aussage. "Der Tod ist eine natürliche Sache. Deshalb bin ich eher wehmütig als traurig."

Jede Situation ist völlig unterschiedlich

Ladwig und Herzhoff sind zwei der insgesamt 27 Ehrenamtler bei der "JONA-Hospizbewegung". Ihre Aufgabe: Menschen bis zum Tod zu begleiten. "Wir brauchen Menschen, die bereit sind, Zeit zu verschenken", erklärt Koordinatorin Marion Berchthold, "unser Ziel ist es, Angehörige und Schwerstkranke zu begleiten und auf dem letzten Lebensabschnitt zu unterstützen." Dabei stehe die Begegnung mit dem Menschen im Vordergrund.

Für Sabine Ladwig und Peter Herzhoff eine sehr schöne Erfahrung. "Ich erinnere mich noch an meine erste Begleitung", überlegt Herzhoff nachdenklich, "ich war total nervös." Selbst heute, 15 Jahre später, ist die Begleitung für ihn keinesfalls zur Routine geworden. "Jede Situation ist völlig unterschiedlich. Wir sind einfach nur für die Menschen da und lassen uns von ihnen führen", erklärt er. Dabei stehe immer das Leben im Fokus, nicht das Sterben. "Ich empfehle jeden einmal reinzuschnuppern", so der 63-Jährige.

Dabei bietet die Hospizbewegung erst einmal ein Grundseminar an, das sich an unterschiedlichen Terminen erstreckt. "Im ersten Teil geht es erst einmal um die vielschichtige Umgehensweise, was mich persönlich angeht", weiß Ladwig, "der zweite Teil beschäftigt sich dann eher mit Fachthemen wie dem Umgang mit Trauer,. Menschen mit Demenz, Essen und Trinken am Ende…"

Wenn die Chemie stimmt...

Danach gibt Koordinatorin Berchthold dann noch eine Rückmeldung, ob sie der Ansicht ist, man sei für diese Aufgabe geschaffen. "Dann melden sich Menschen bei uns, die eine Trauerbegleitung anfordern wollen. Dabei setzt sich die Koordinatorin erst einmal selbst ins Bild und verschafft sich einen Überblick über die Situation. Danach überlegt sie, welcher Ehrenamtler dafür geeignet wäre und stellt diesen vor. Danach können wir selbst auch eine Rückmeldung geben, ob die Chemie stimmt", erklärt Ladwig. Bisher sei Gegenteiliges aber noch nicht vorgekommen. Dazu gibt es einmal die Woche die Möglichkeit an einem Gruppentreffen teilzunehmen. Die Sterbebegleitung sei aber in jedem Fall anonym. Für die beiden eine sehr schöne Angelegenheit.