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„Der Meisenweiher darf nicht so einfach verschwinden!“

„Der Meisenweiher darf nicht so einfach verschwinden!“
Nur wenn man genau hinschaut kann durch alles Gewuchere den Meisenweiher noch entdecken. Oben: Angelika Schmidt spricht für viele Anwohner der Schulstraße. FOTO: Fotos: -gpm.
Sinsteden. Der "Meisenweiher" war früher so etwas wie ein Kleinod für die Sinstedener Bürger, die außer einer Bundesstraße und einem Landwirtschaftsmuseum nicht viel haben. Der Erft-Verband hat ihn zuwuchern lassen und mit der im Bau befindlichen Umgehungsstraße könnte dieser jahrhundertealte Weiher für immer verschwinden. Von Gerhard Müller

"Jetzt wehren wir uns", verspricht Angelika Schmidt, die für viele Anwohner der Schulstraße in Sinsteden spricht.

Der Meisenweiher ist schon in frühen historischen Karten zu finden und trägt seinen Namen nach einem Anwesen, das im Bereich des Endes der Schulstraße einst gestanden hat: Der "Meisenhof" wurde irgendwann abgerissen, doch der Weiher blieb und hielt die Erinnerung hoch.

Und der Meisenweiher war ein Kleinod. Es gibt eine kleine Insel, auf der ganz alte Bäume stehen. Das kleine Gewässer bot vielen Tieren einen Lebensraum. Angelika Schmidt schwärmt noch heute von den wunderschönen Libellen, die rund um den Meisenweiher durch die Luft gaukelten. "Eine Mückenplage hatten wir hier nie", betont sie. Und nimmt dies als Beweis dafür, wie gesund der Teich stets gewesen sei.

Viele Jahre wurde er von der Gemeinde Rommerskirchen als Biotop gepflegt, bis er dann an den Erft-Verband übergeben wurde. Danach übernahmen Brennnesseln und Disteln die Macht rund um den Weiher, der am Ufer und auch im Teich selbst komplett zuwucherte. Das Unkraut wuchs so stark, dass Anlieger in den eigenen Gärten Probleme haben, ihm Herr zu werden.

Beschwerden beim Erft-Verband seien mit dem Kommentar "Den würden wir am liebsten zuschütten" abgetan worden. Für den Verband war er eben nur als Regenrückhaltebecken von Interesse.

Im Zuge der neuen Umgehungsstraße werden nun neue Rückhaltenbecken gebaut; der Meisenweiher ist für den Erft-Verband uninteressant geworden. Deshalb gibt er ihn an den Rhein-Kreis weiter. Der habe aber kein Geld, um in ihn wieder in ein Biotop zu verwandeln, heißt es.

Eine Aussage, die Angelika Schmidt und ihre Mitstreiter nicht hinnehmen wollen. Und sie haben sich auch schon überlegt, wie ein Meisenweiher-Biotop mit Wasser gespeist werden könnte. "Wir könnten die Regenwasser-Entwässerung in den Weiher einleiten", erklärt Schmidt. Große Gärtnerei-Hallen würden ausreichend Regenwasser bieten.

"Vielleicht gibt es einen kurzen und unkomplizierten Weg, uns zu helfen, damit dieses Biotop nicht endgültig zerstört wird, sondern wieder ein kommunikativer Erholungsplatz mit einer kleinen Bank zum Ausruhen für die Sinstedener entsteht. Die natürliche Pflege könnten auch zwei oder drei Damwildtiere übernehmen", so Schmidt.

Letzteres sagt sie durchaus traurig, hatte sie doch gemeinsam mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann ein kleines Damwildgehege jenseits des Meisenweihers betrieben. Das musste sie aber für die Umgehungsstraße aufgeben, das Gelände verkaufen. Nur ein Hirsch konnte in Niedersachsen eine neue Heimat finden. Alle anderen Tiere gingen an einen Schlachter aus dem Sauerland.

Mit entsprechenden Schreiben haben sich die Anlieger der Schulstraße jetzt an die Gemeinde und an den Kreis gewandt. Über Reaktionen werden wir weiter berichten.

Gerhard Müller

(Kurier-Verlag)