| 11.19 Uhr

Markenzeichen: graue Zöpfe
Die Künstlerin in der Provinz

Markenzeichen: graue Zöpfe: Die Künstlerin in der Provinz
FOTO: privat
Rommerskirchen.  Wer als Kunstinteressierter noch nicht erkannt hat, wie viele künstlerische  Schätze und welche kreativen Köpfe in der Provinz zu finden sind, ist noch nicht viel unterwegs gewesen. So gibt es etwa einen Ort, ein kleines Dorf, in dem seit 21 Jahren regelmäßig ein  "Kultursommer" stattfindet. Eine Veranstaltungsreihe als Treffpunkt für Bildende Kunst, Theater und Musik. Der Ort ist "Reiters Scheune" in. Die Hausherrin, inzwischen stolze 81 Jahre alt, ist Martha Reiter. Von Robert Jordan

Die frühere Architektin lebt seit 1987 in ihrem Anwesen. Seit den 90erJahren befasst sie sich mit Malerei und Grafik. Martha Reiter ist Mitglied im Kunstverein "Galerie-Werkstatt Bayer Dormagen" und war dort zeitweise im Vorstand tätig. Sie gehörte zu den Mitbegründern des "KuKuK", dem "Kunst- und Kulturkreis Rommerskirchen",  und wurde von der Gemeinde in 2004 mit dem "Romaricus-Preis" und in 2015 mit dem "Deutschen Bürgerpreis" der Sparkassenstiftung für ihr kulturelles Engagement ausgezeichnet.

Der umfangreiche Fundus der Künstlerin Martha Reiter umfasst Skizzen und Zeichnungen, Architekturales und Grafisches, natürliche und abstrakte Malerei. Kirchen-Grundrisse zeugen von ihrer Profession als Architektin. Labyrinthe hat sie in Serien produziert. Liebevolle in realistischem Stil gemalte Landschaften zeugen von ihrer Liebe zur Wahlheimat Rommerskirchen.  Mit Acryl portraitiert sie weite Felder, an deren Hintergrund die gewaltigen Kraftwerkstürme aufstehen. Von ihren Reisen bringt sie Erinnerungen etwa an Häusergruppierungen in Kappadokien auf die Leinwand. Sie liebt die Darstellung der Natur in Form von Tieren und Pflanzen, oft vielfarbig wiedergegeben, mal realistisch mal abstrahiert. In einer Phase ihres Schaffens entstanden zahlreiche Aktbilder, gezeichnet oder als Gemälde.

Wer die Künstlerin in ihrem schönen alten Hof besucht, kann sich in das Atelier führen lassen und das dort beheimatete private Archiv begutachten.

Vor wenigen Wochen präsentierte sie in ihrer Scheune eine umfassende Übersicht ihres künstlerischen Lebens, um sich von zahlreichen Bildern zu trennen. Viele Bekannte kamen und kauften.  Im Frühjahr diesen Jahres hatte Martha  Reiter trotz all ihrer Aktivitäten in der Kunstszene – und auch zum Erstaunen des Autors dieser Zeilen – tatsächlich ihre erste externe Einzelausstellung: eine Retrospektive im Kloster Langwaden. Viele Menschen kamen zur Vernissage und bezeugten somit ihr Interesse an Martha Reiters Kunst.

Es gehört zu Marthas Persönlichkeit, dass sie sich durchzusetzen in der Lage ist. Und dass sie unentwegt beschäftigt ist. Nicht nur auf ihrem Anwesen mit Haus, Hof, Scheune und Garten. Auch in der örtlichen Theatergruppe und im Chor wirkt sie aktiv mit. Sie bindet sich in ihr soziales Umfeld ein und liebt den Besuch bei "Zum Schmitze Sofie", der ihrem Haus gegenüberliegenden Gaststätte.

Ihr äußerliches Markenzeichen sind die langen Zöpfe ihres grauen Haares, welche sie sorgsam hegt. Martha Reiter blickt mit Recht stolz auf ihr bisheriges Leben zurück, welches auch bei ihr von Höhen und Tiefen gekennzeichnet war. Sie ist lebenslustig und voller Energie. Hin und wieder noch begibt sie sich in ihr Atelier und nimmt Stift oder Pinsel zur Hand und realisiert eine Idee, die sich in ihrem Kopf eingenistet hat. Sie akzeptiert ihr Alter, aber sie ist nicht zu alt für all das, was das Leben ihr auch oder gerade in der Provinz bietet.