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Horst Lichter
„Rommerskirchen hat mich härter gemacht“

Horst Lichter: „Rommerskirchen hat mich härter gemacht“
FOTO: privat
Rommerskirchen. Die große Abend-Show zur Primetime: Horst Lichter hat mit "Bares für Rares" eine Sprosse auf seiner Karriereleiter erklommen. Und das fernab aller Kochtöpfe und Butternäpfchen. Der derzeit wohl berühmteste Sohn der Gillbach-Gemeinde sprach mit "Mein Rommerskirchen" über Vergangenes und Zukünftiges, über Freundschaften und  Enttäuschungen ­– über das Leben eben. Von Gerhard Müller

"Es macht mir einen unfassbaren Spaß. Aber ich glaube, das kann man auch auf dem Bildschirm sehen. Gerade an dem Schloss mit diesem Publikum dabei und dieser ganzen Atmosphäre … Es war für mich wunderbar. Es war ein großer, großer Wunsch, der in Erfüllung ging." Horst Lichter gerät ins Schwärmen, wenn er über seinen TV-Erfolg "Bares für Rares" spricht.

Kein Wunder, wurde ihm, dem bekannten Sammler aller Besonderheiten zwischen Kitsch und Kunst, auf den Leib geschneidert. Und er sagte zu, "weil zwei große Leidenschaften mit dabei waren:  einmal Menschen – Ich habe schon immer Menschen geliebt und hab über sie erzählt und gemacht und getan – und  das andere … Ja, das ganze alter Zeug, ich liebe Antiquitäten, Kitsch-Kunst, Trödel und all diese Dinge. Das zusammen mit der Spannung: kaufen die Händler, kaufen die Händler nicht … sensationell."

Und wie ehrlich sind die Kaufangebote der Händler vor laufender Kamera? "Sehr ehrlich, weil die müssen tatsächlich an ihr eigenes Portemonnaie", lacht Lichter. Es gebe niemanden und nichts, der da irgendwie etwas zutue.  Die Händler würden sehr genau überwacht, damit sie vorher oder nachher nicht mit den Verkäufern in Kontakt treten können. Und damit sie auch nicht wissen, was es gibt.

"Die wollen die Stücke mit Gewinn verkaufen. Das tun sie tatsächlich, nicht bei allem, aber bei den meisten Dingen ja, weil sie sind halt echte Händler", grinst Lichter, der auch noch ein anderes Projekt im Köcher hat: "Am ersten Weihnachtsfeiertag läuft ein sehr schöner Film von mir, der auch ein großer Herzenswunsch war. Ich, ein guter Kumpel, fremdes Land, zwei Motorräder."

Der "gute Kumpel" ist Jencke von Wilmersdorf, der wirklich "eine Sensation als Mensch" sei, ganz anders, als man vielleicht glauben mag, wenn man seine Sendungen kenne. "Aber der ist sowas von feinfühlig und echt ein super Typ. Mit dem bin ich einmal 2.000 Kilometer quer durch Norwegen gefahren. Ein wirklich ganz, ganz toller Film." Und dann gibt's noch ein anderes Projekt: Sein Buch  "Keine Zeit für Arschlöcher" wird verfilmt.

Wird Horst Lichter aber irgendwann wieder selber den Kochlöffel im TV schwingen? "Also, da bin ich ganz ehrlich. Ich glaube momentan, dass ich nicht mehr im Fernsehen kochen werde. Es sei denn, und das ist die einzige Ausnahme, es kommt wieder jemand mit einem Konzept, was in zwei Sätzen erklärt ist und was mich begeistert."  Gefühlt werde nach wie vor auf jedem Sender gekocht, auf dem einen oder anderen mit großem Erfolg, die eine oder andere Sendung mit sehr viel Sympathie. "Ich gönne es jedem, aber für mich ist das wirklich erst mal vorbei.

Hat Horst Lichter denn Zeit und Muße im Schwarzwälder Exil Gutes mit Sahne und Butter zu verfeinern? "Sehr schöne Fragestellung!  Zu Hause kocht mein Schatz. Das macht sie sensationell, aber ich bin immer wieder gerne mal, wenn wir frei haben, auch bei Freunden, die ein wunderschönes kleines Lokal haben. Da springe ich in die Küche, aber nie zum Helfen, sondern mehr zum Gucken."

Inzwischen fühlt er sich im Schwarzwald sehr zu Hause. "Das ist ein schönes Gefühl. Zu Hause heißt: Ich hab Menschen, die ich sehr mag. Die Menschen geben mir das Gefühl, dass sie mich sehr mögen. Die Landschaft ist eine Sensation. Mir gefällt natürlich das Klima da, wir sind in der südlichsten Stadt von ganz Deutschland. Im Winter liegt tatsächlich mal Schnee. Ich liebe den Wald, wunderschön zum Motorrad fahren. Also ich bin rund um glücklich, ganz ehrlich."

Vermisst er Rommerskirchen? "Die Landschaft in Rommerskirchen und im Umfeld ist die Landschaft, die ich 48 Jahre in meinem Leben gelebt habe. Die ist schon in Ordnung und da gibt's auch wunderschöne Flecken. Aber der Schwarzwald ist halt ein riesen Fleck, der schön ist, deswegen kann ich die Landschaft weniger vermissen. Die Menschen, Freunde vermisse ich. Aber, und das ist das Spannende, die Menschen und Freunde, die ich vermisse, sehe und höre ich häufiger, als damals, wo ich noch da gelebt habe. Ich glaube, das ist immer so, dass wenn man weit auseinander ist, häufiger Kontakt und intensiver Kontakt hat, als wenn man um die Ecke ist."

Allerdings ist Horst Lichter sehr oft in unserer Ecke: 170 Drehtage in Köln, da liegt Rommerskirchen nunmal direkt vor der Türe. "… und da fahr ich immer wieder hin. Warum? Mein Bruder lebt da, meine Kinder leben im Umfeld, meine Freunde leben da und somit habe ich nie das Gefühl gehabt, wirklich weggegangen zu sein."

Dann aber wird der TV-Star ernst: "Was ich Rommerskirchen zu verdanken habe, ist klar. 48 Jahre lang Schule für den Rest meines Lebens. Ich hab gemerkt, was es heißt, wenn man echte Freunde hat. Ich habe gemerkt, was es heißt, wenn man Unterstützung hat und starken Gegenwind. Auch das gehört zu Rommerskirchen. Weil jeder kennt die Menschen und so sind sie nun mal. Aber das hat einen härter gemacht, verständnisvoller gemacht und ich bin sehr dankbar, dass ich da geboren  und aufgewachsen bin."

Und hat auch Rommerskirchen ihm was zu verdanken? "Das maße ich mir nicht an zu sagen, dass sie mir irgendetwas zu verdanken haben. Aber zumindest war fast 25 Jahre lang die ,Oldiethek‘ da, mit allen Auf und Abs. Und dadurch ist Rommerskirchen schon im Gedächtnis der Menschen."  Damit schließt sich der Kreis: Schon in seiner "Oldiethek" hatte Horst Lichter viel "Rares" und so manches Stück, das in seiner Fernsehsendung den Händler angeboten wird, hätte gut in seine damalige Sammlung gepasst …