1. Jüchen

Politiker geben Jüchener Schülern Einblick in ihr Tagesgeschäft.

Ausstellungseröffnung : Wie Politik geht und warum der Bahnhof im schlechten Zustand ist

Politik ist spannend. Das kann jetzt auch in einer Wanderausstellung über den Bundestag in der Gesamtschule auf 21 Schautafeln, einem Multi-Touchtisch und einem Computerterminal entdeckt werden. Doch wer kann besser näher bringen, wie die Politik wirklich ist? Klar, echte Politiker. Und so sorgten Bürgermeister Harald Zillikens, Landrat Hans-Jürgen Petrauschek und Bundestags-Abgeordneter Ansgar Heveling bei der Aussstellungseröffnung für einen Einblick in ihren politischen Alltag.

„Wir haben eines der offensten Parlamente auf der Welt und das ist auch gut. Der Bundestag ist ein Ort des Austausches, wir entscheiden, es wird um politische Positionen gestritten und manchmal geht es dabei auch etwas rustikal zu“, erklärt Ansgar Heveling, Mitglied des Deutschen Bundestages.

Zusätzlich gab er den Jugendlichen einen Eindruck, wie es in Berlin abläuft. Was hat es zum Beispiel mit dem „Hammelsprung“ als Entscheidung auf sich? Wie war es, als vor dem Bundestag gegen die Covid19- Schutzmaßnahmen diskutiert wurde? Und wie ist es mit einer Partei wie der AfD gemeinsam in einem Ausschuss zu sitzen?

Hier positionierte sich der Politiker klar und distanzierte sich von den Machenschaften der umstrittenen Partei. So sei es ein Unding, dass die AfD ständig für Unruhe sorge, indem jede Tagesordnung erst einmal diskutiert werden müsse. Zudem sei die Wortwahl persönlicher und verletzender geworden.

Auch bei der Ehrung von Polizisten, die für Deeskalation bei den Corona-Demos sorgten, hatten alle Politiker der guten Polizeiarbeit mit Applaus Tribut gezollt – bis eben auf die AfD. „Da denke ich einfach oft: Wir sind hier doch keine überflüssige Quasselbude.“

Die beiden Stufensprecher der Q1 führten als Moderatoren durch den Vormittag. Die Ausstellung ist bis zum 25. September in der Gesamtschule zu sehen. Foto: Kurier Verlag GmbH/J. Schäfer

Im Anschluss an die Ausführungen des Bundestags-Abgeordneten hatten die Schüler die Gelegenheit ihre Fragen zur Lokalpolitik zu stellen. So erklärte Landrat Hans-Jürgen Petrauschke die Herausforderungen, die der Strukturwandel mit sich bringt und wie sehr auf die neue Wasserstofftechnologie in Zukunft gesetzt werden müsse, um Energie zu gewinnen.

„Das ist die Zukunft. Ihr müsst das mit umsetzen“, appellierte er an die Oberstufenschüler. Zudem müssen die Fachkräfte von RWE auf dem Arbeitsmarkt weiter integriert werden, wenn der Ausstieg aus dem Braunkohleabbau vollzogen wurde.

Dass der Jüchener Bahnhof sowie einige Fahrradwege im Stadtgebiet in einem weitaus besseren Zustand sein könnten, gaben Petrauschke und Zillikens ebenfalls zu: „Das muss alles schneller gehen. Vieles können wir aber auch nicht einfach entscheiden.“

Im Bezug auf die Radwege sei denkbar, vermehrt auf Wirtschaftswege als Fahrradwege zu setzen: „Damit wir nicht noch mehr Natur asphaltieren als nötig.“

Bürgermeister Harald Zillikens verwies am Ende darauf, dass der Dialog in der Politik enorm wichtig sei. „Ich fahre auch schon mal an Ecken vorbei, an denen sich Jugendliche treffen, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Es gibt zum Beispiel einen Park. Es wird ständig vorgeworfen, dass Jugendliche sich dort nicht benehmen können. Deshalb spreche ich mit ihnen. Wir müssen einfach generell ein Forum finden, in denen sich Schüler mit der Politik offen austauschen können“, brachte der frisch wieder gewählte Bürgermeister seine Position auf den Punkt.