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Blues braucht Kontakt zum Publikum, dann ist er wie in Marmor gemeißelt

Blues braucht Kontakt zum Publikum, dann ist er wie in Marmor gemeißelt
Willie Goergens (Gitarre, Gesang), Stefan Effenberger (Drums), Raimund Stamm (Bass) und Karl Gerner (Harp) sind „They play the blues“. FOTO: Foto: JeGoe
Grevenbroich. „They play the blues“ wurde vor knapp vier Jahren gegründet. Anfangs als Nachfolge des Anarcho-Blues-Kollektivs „Dötzdorf Allstars“ eher belächelt schafften es die vier Musiker, sich einen respektablen Ruf in der Blues-Szene zu erarbeiten. Von Gerhard Müller

Verwunderlich war dies derweil nicht: Alle Beteiligten waren immer an vorderster Front in der hiesigen Musikszene zu finden und können auf langjährige Erfahrung zurückgreifen.

Raimund Stamm (Bass), Stefan Effenberger (Drums), Karl Gerner (Harp) und Willie Goergens (Gitarre, Gesang) hielten sich dabei anfangs streng an ihre Vorbilder Howlin´Wolf, Muddy Waters, Bo Diddley oder Little Walter.

Und hatten irgendwann mal genug!

Vor zwei Jahren beschloss die Band, sich von der reinen Reproduktion alter Vorbilder zu lösen. Drei Monate ging es in Klausur, um eigene Songs zu schreiben und einzuproben.

Im Februar 2016 startete man den ersten Live-Versuch mit ausschließlich eigenem Material und war doch recht überrascht vom Feedback.

Motiviert dadurch wurde im Sommer 2016 die erste Platte produziert und auf vielen

Auftritten präsentiert. Da die Band ihre Gigs immer mitschneidet, war klar was man in Zukunft nicht mehr machen sollte: Ins Studio gehen.

„Live hast du eine ganze andere Situation. Blues lebt von der Interaktion zwischen Band und Publikum, der Location, der Tagesform, der eigenen Befindlichkeit. Wenn du live einspielst, ist das wie festgemeißelt. Da kannst du auch nichts ändern. Das bleibt so“, so der Sprecher der Band. „Ein wesentlicher Grundbestand des Blues ist die Improvisation, es ist fast ausgeschlossen, dass dasselbe Stück von Auftritt zu Auftritt gleich klingt. Und das macht die Sache so interessant für uns.“

Man konnte man auch beobachten, wie die Band sich weiterentwickelte.

„Nachdem sich die selbst geschriebenen Songs verfestigt hatten, fingen wir an zu variieren, streuten hier und da mal Zitate alter Blues-Klassiker mit hinein oder machten aus einem Boogie vom Freitag am Samstag einen Swing. Uns war einfach danach, es so zu machen“, so der Musiker begeistert weiter.

Nach all diesen positiven Erfahrungen stand der Entschluss schnell fest, einen Auftritt unter professionellen Bedingungen mitzuschneiden.

„Da wir in der Regel um die 2,5 bis drei Stunden spielen, wird wohl brauchbares Material herauskommen, das eine CD füllt. Ansonsten haben wir den Kram mal in guter Tonqualität. Hat auch was.“

Danach geht die Band wieder zur Tagesordnung über; bis Ende des Jahres ist man fast im Wochentakt unterwegs.

„Auch ein Indiz dafür, dass es der richtige Schritt war, eigenes Material zu schreiben. Die Download-Zahlen nach Gigs zeigten uns, dass wir damit sehr gut gefahren sind. Da wird man zwar nicht reich von, aber es bestätigt die Richtung.“

Am 5. Mai ist es nun soweit: Im „Café Kultus“ am Ostwall wird die Band ein Konzert spielen, das festgehalten wird. Einlass ist um 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei, Hutspenden sind willkommen.

Als Gäste haben „They play the blues“ die Formation „Rockwell 58“ eingeladen, die das Publikum schon etwas aufwärmen sollen.

(Kurier-Verlag)