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Heinz Strathmann aus Elsen: „Auf Mokkassins zum Nordpol“
Der mit dem Wolf schmust …

Heinz Strathmann aus Elsen: „Auf Mokkassins zum Nordpol“: Der mit dem Wolf schmust …
FOTO: privat
Grevenbroich. Er ist unter den drei Kastanienbäumen auf dem Kirmesplatz an der Deutsch-Ritter-Allee in Elsen geboren worden. Jetzt lebt Heinz Strathmann bereits seit 42 Jahren zwischen endlosen Schneelandschaften mitten in Norwegen. Reporterin Alina Gries sprach mit dem 62-Jährigen über Bärenangriffe, angefrorene Füße, abgebrannte Zelte und die Abenteuer-Expeditionen nach Sibirien oder der Mongolei. Von Alina Gries

 

FOTO: privat

Warum sind Sie vor einiger Zeit nach Norwegen ausgewandert?

Normalerweise sage ich dann immer: Wegen der schönen Mädchen. Das war bestimmt ein Grund, aber es war wohl vor allem die Abenteuerlust.

 

Was fasziniert sie an dem Land?

Wie viel Platz zum Schreiben habe ich? (lacht) Die Menschen. Das Land. Die Möglichkeiten. Bevor ich nach Norwegen kam, war ich auf der Suche nach "meinem Land". Ich hatte gedacht Kanada wäre es – und das hätte es leicht sein können, aber in Norwegen haben mich die Menschen, die Kultur, die Geschichte und die Möglichkeiten dann noch mehr fasziniert. Die UN hat vor einigen Wochen Norwegen zum "glücklichsten Land der Welt" gewählt. Das sagt eigentlich alles. Hier wohnen fünf Millionen Menschen auf der gleichen Fläche wie Deutschland. Das bedeutet, man hat Platz und unverbrauchte Natur. Die Natur ist einfach unglaublich. Nach über 40 Jahren im Land bin ich auch weiterhin immer wieder fasziniert, wie schön es hier ist ­­ - wie anders.

 

Was sind für Sie die denn grundlegenden Unterschiede zu Deutschland beziehungsweise zu Grevenbroich?

Das ist keine leichte Frage! Ich mag Deutschland und Grevenbroich. Aber hier kann ich auf unendlichem Areal Skilaufen gehen, segeln, jagen, Lachse angeln oder Kajak fahren.

 

Skilaufen können Sie ja auch in der Skihalle. Was vermissen Sie denn vielleicht an Ihrer Heimat?

Das was ich am meisten vermisse ist, das gute deutsche, vor allem rheinische Essen und ein Alt-Bier. Und vielleicht einmal auf die Kirmes oder zum Klompenfest in Elsen zu gehen.

 

Was genau machen Sie in Norwegen?

Ich habe hier zwei Unternehmen: Zum einen arrangieren wir durch das Unternehmen "Pan Norway" Expeditionen, aber auch Events oder Produktpräsentationen für Unternehmen aus der ganzen Welt. Zum anderen betreibe ich den nördlichsten Tierpark der Welt. Wir haben die nordischen Raubtiere und Hirschtiere auf einem Gelände, das 110 Fußballfeldern entspricht. Bekannt sind wir besonders für unsere sozialisierten Wölfe. Wir nehmen Gäste mit in das Gehege der Wölfe. Dort können sie einen "Wolf-Kuss" bekommen. Wir sind die Einzigen in der Welt, die so etwas machen. Weiterhin haben wir ein Haus im Wolfsgelände, wo Gäste übernachten können, vielleicht mit einem Wolf, der seine Nase auf das Schlafzimmerfenster drückt – das ist gar nicht mal so günstig.  

 

Erzählen Sie mehr über die sozialisierten Wölfe. Das ist für uns eher schwer vorstellbar. Wie funktioniert so etwas und haben Sie dabei etwas Negatives erleben müssen?

 

Absolut nichts Negatives. Der Sozialisierungsprozess ist einfach der, dass man über sieben Monate mit den Wölfen Tag und Nacht zusammen ist. Dabei die Wölfe Wölfe sein lässt, sie also nicht wie einen Hund erzieht. Und sie sich bei dem Prozess an Menschen im Umgangskreis gewöhnen.

 

Gab es schon einmal einen Prominenten, der diesen exklusiven "Wolfs-Kuss" schon einmal erleben durfte?

Wir haben hier oft Prominente, die einmal dieses in der Welt einmalige Erlebnis haben wollen – Prinz Harry zum Beispiel. Sie erfahren bei uns absolute Diskretion während des Aufenthalts und sind durch große Gehege und Wölfe von allen Zuschauern sowie der Presse "geschützt". Mit dem Geld der "Wolf-Lodge", einer komfortable Hütte im Wolfsgehege, finanzieren wir den "Polar Park".

 

Wo genau leben Sie denn in Norwegen?

Ich habe ein Haus mitten im Park und lege mich mit Wolfsgeheul schlafen und stehe zu Wolfsgeheul auf. In der Gemeinde Bardu, circa eine Stunde nördlich von Narvik und zwei Stunden südlich von Tromsø. Ich habe auch eine Wohnung in Drammen, direkt am Fluss und nicht weit zum Oslofjord. Drammen ist eine Stadt in der Größe von Grevenbroich. Hier wohnt auch meine Freundin Bitten. In Drammen bin ich "urban", gehe Sushi essen und an Samstagen in eine von vier Bars in der Stadt. Dort höre ich mir meistens live Blues oder Jazz an oder besuche eines der besten Konzertlokale Norwegens, in der Top Bands aus der ganzen Welt spielen.

 

Was ist das faszinierendste und gleichzeitig auch gefährlichste an dem Ort an dem Sie jetzt leben?

Hier im Park sind Wölfe, Bären, Luchse, Vielfraße, Hirsche, Rentiere und Elche – und ich wohne mittendrin. Tja, und das einzige Mal, bei dem ich bisher angegriffen wurde, war von einer Elchkuh (lacht).

 

Ehe Sie jedoch im Alter von 20 Jahren in Norwegen ansässig geworden sind, haben Sie einige Expeditionen unternommen. Wo sind Sie bisher gewesen?

Da kann ich Ihnen nur ein Auszug nennen: Mit Hundeschlitten quer durch Alaska, teilweise auch Kanada, mit Pferden süd-nord durch den Yukon, zu Fuß in der Mongolei, auf Skiern durch Kamchatka, Nordsibirien, Grönland, natürlich Spitzbergen, Nordpol und der Versuch einiger Bergbesteigungen im Himalaya. Da bin ich aber immer Höhenkrank geworden.

 

Für mich persönlich sind eher warme Länder Ziele meiner Reisen. Was hat sie denn besonders an Ländern wie Grönland, Sibirien und Ähnliches interessiert?

Die Weite, die Schönheit der Landschaft, der Tiere, Natur, das Abenteuer, das Unverbrauchte, das Unentdeckte, das Nordische und die Herausforderung, es zu schaffen.

 

Was war das Schönste oder Schlimmste, dass Sie auf Ihren Reisen erlebt haben?

Eigentlich sind das im Nachhinein nur gute Erfahrungen (grinst).  Zehen angefroren, Bärenangriff, tja und was dazu gehört. Nichts Schlimmes; man ist ja ausrüstungsmäßig und mental darauf vorbereitet.

 

Im Jahre 2000 sind Sie einer der wenigen Menschen gewesen, die von Sibirien nach Norwegen gelaufen sind. Dazu haben Sie auch ein Buch geschrieben. Warum haben Sie sich für diese Expedition entschieden?

Das ist so die schwierigste Expedition überhaupt. Wesentlich mehr waren auf dem Mount Everest als am Nordpol (das heißt ohne Hilfe von außen). Wie genau das abgelaufen ist, kann man in meinem Buch "Auf Mokkassins zum Nordpol" lesen.  

 

Warum galt diese Expedition denn als so "ungewöhnlich"?

Nur wenige haben es gemacht oder geschafft. Bis 1994 ist niemand ohne Hilfe durch Flugzeuge, Maschinen oder Supportmannschaften am Nordpol gewesen. Es ist anstrengend und gefährlich.

 

Und welche Gefahrenstellen "lauern" dort?

Ein zugefrorener Ozean ist vielleicht so das Unwirtlichste, was wir uns auf dieser Erde denken können. Da sind zum Beispiel Eisbären zu Anfang, wenn man nur wenige 100 Kilometer vom Land entfernt ist. Oder "Leads" – das sind die Risse – alles von wenigen Zentimetern bis zu vielen 100 Metern zwischen den Eisplatten, die überquert werden müssen. Dann die Kälte oder die Ausrüstung hält nicht oder geht verloren. Risse im Eis während des Zeltens, nicht genug Ausdauer, nicht genug zum Essen, das Zelt mit der Ausrüstung brennt ab ….

 

Das hört sich in der Tat sehr spannend an! Und dennoch hatten Sie eine Expedition mit Ihrem  damals 16 Jahre alten  Sohn durch Grönland unternommen. Damit gilt er als jüngster Mensch, der Grönland überquert hat. Wie ist es dazu gekommen und wie ist das in dem Alter überhaupt möglich?

 

Mein Sohn und ich haben alleine zusammen gewohnt; er ist mit "Expeditionen" aufgewachsen – und wollte natürlich gerne früh auch dabei sein. Bjørn Egil ist viel größer und stärker als ich, vielleicht auch schon als 16-Jähriger. Und er ist natürlich im Schnee aufgewachsen. Als er zwei Jahre alt war, hat er in Zimbabwe gelebt. Seit er zwölf ist, sind wir beide zusammen. Er liebt die Kälte, frische Luft, die Wildnis und Freiheit. Bjørn wohnt auf Spitzbergen, wo er vor allem Hundeschlitten fährt, Expeditionen plant, vorbereitet und durchführt und eben auch unsere Events.

Wer jetzt Lust hat die schneeweiten Landschaften Norwegens zu erkunden und die freiheitsliebenden Tiere zu entdecken, kann an einer echten Polar-Expedition teilnehmen. Bjørn Egil und Heinz Strathmann bieten mit ihrem Unternehmen, "Pan Norway", einen außergewöhnlichen Erfahrungswert an, an den man sich sein Leben lang noch erinnern wird. Vom 22. bis zum 27. März sowie vom 30. März bis zum 3. April wird eine Expedition für 25.950 norwegische Kronen pro Person angeboten. Dabei sind inbegriffen: Abendessen, Miete der Ausrüstung. Schlafen in Sechs-Mann Zelten. Transport von Longyearbyen bis Start/Ankunftspunkt der Skiexpedition, Frühstück, Abendessen und Snacks während der Expedition, SAR Versicherung (Suche und Hilfe Versicherung). Die Flüge dorthin müssen rechtzeitig und selbstständig gebucht werden. Weitere Informationen zu der Expedition sowie Buchungen nimmt Heinz Strathmann unter heinz@pannorway.com entgegen.