| 13.46 Uhr

Grevenbroich Magazin: Torten-Talk
Die Jugend braucht eine laute Stimme

Die Jugend braucht eine laute Stimme
FOTO: Screenshot
Grevenbroich. Zwei, die ganz klar ein Herz für die Grevenbroicher Jugend haben, haben wir im Rahmen des ersten "Torten-Talks" zusammengeführt: Ex-Jugend-Bürgermeister und heutiger Jugendferienwerker Philipp Bolz fühlte für uns Heike Troles auf den Zahn. Sie ist Vorsitzende des Jugendhilfe-Ausschusses. Bei einem Stückchen "Grevenbroich-Torte" (vor knapp zwei Jahren in
Zusammenarbeit zwischen Jürgen Schall ("Café Breiden") und Erft-Kurier-Macher Gerhard Müller entwickelt) ergab sich ein ganz munteres Gespräch.

Philipp Bolz: Ich wollte die Attraktivität der Innenstadt ansprechen. Ich habe mich im Vorfeld bei Jugendlichen umgehört. Was auf jeden Fall bei ihnen schon mal gut ankommt ist, dass die Innenstadt mittlerweile flächendeckend mit "Free WiFi" abgedeckt ist. Trotzdem bezweifle ich, ob die City wirklich jugendgeeignet ist. Jetzt ist auch noch das"Hansa" zu. Außerdem sind Klamottengeschäfte nicht wirklich vielfältig vorhanden.

Heike Troles: Wir haben uns da schon viele Gedanken gemacht. Ich habe Unterlagen aus dem Jahr 2008 gefunden und dort stand drin, dass wir die Attraktivität der Innenstadt steigern wollen – gerade speziell für Jugendliche. Ich denke, gerade die Jugend muss noch viel mehr eine Stimme in Grevenbroich bekommen. Wir haben im Stadtrat aber auch angesprochen, dass Jugendliche
freie Flächen draußen auf Wiesen und auch Feuerstellen zum Grillen brauchen. Jetzt freuen wir uns, zusammen mit dem Grünflächenamt und dem Jugendamt auszutarieren, wo man etwas machen kann, zum Beispiel Calisthenics-Anlagen auf der Waldwiese. Also insgesamt haben
wir ganz viele Ideen und die werden wir im Jugendrat, oh Entschuldigung im Jugendhilfeausschuss. (lacht) …

Philipp Bolz: Vielleicht ist es etwas zu hoch gedacht, aber könnte die Stadt selbst nicht ein Jugend-Café eröffnen oder Läden anmieten, um jungen Start-ups, die wir in Grevenbroich ja auch haben, eine Möglichkeit zu bieten, in der Stadt ein Geschäft zu öffnen? 

Heike Troles: Könnte ich mir sehr gut vorstellen. Die Idee finde ich toll. Sollten wir einfach mitnehmen. Als eine Idee vom Jugendrat gemeinsam mit anderen Fraktionen Partei übergreifend. Die Idee hört sich auf jeden Fall sehr machbar an.

Philipp Bolz: Ich komme ja selber aus Allrath, da weiß ich, dass es jeden Freitagabend einen Jugendtreff gibt, der auch immer gut angenommen wird. Aber in anderen Stadtteilen zum Beispiel Wevelinghoven fehlen diese Treff punkte. Wevelinghoven wird ja auch noch weiter wachsen durch die 300 neuen Häuser. Daher ist meine Frage: Wie kann man einen Jugendtreff dort ermöglichen?

Heike Troles: Ich denke, die Nähe zur Innenstadt ist dort natürlich gegeben. Auf der anderen Seite ist man natürlich auch an die freien Träger gebunden. Man müsste mit der Kirche sprechen, inwieweit die vielleicht bereit ist, da einen Jugendtreff zu machen. In Wevelinghoven könnte man auch mit dem Bürger-Schützen-Verein sprechen.

Philipp Bolz: Im Zuge der Vorbereitung auf das heutige Gespräch konnte ich auf der
Homepage der Stadt eigentlich nur das "GOT" und das "Kultus" erblicken. Ich weiß aber, weil ich im Vorfeld schon mit anderen Leuten gesprochen habe, dass wir gar nicht so schlecht aufgestellt sind mit den Jugendtreffs. Ich denke, es wäre vielleicht gar nicht schlecht, die bestehenden Angebote mal ein bisschen mehr publik zu machen. Auf der Internetseite könnte die Stadt
meiner Meinung nach noch ein bisschen besser informieren.

Heike Troles: Jetzt komme ich noch mal auf einen Antrag aus dem Jahr 2016 zurück- Wir haben einen Jugendkompass in Form einer Broschüre gefordert. Dort stehen alle Freizeiteinrichtungen,
ob kommerziell oder in freier Trägerschaft sowie aus allen Stadtteilen, aufgelistet.

Philipp Bolz: Ich komme gar nicht mehr zum Kuchen essen (lacht). Dann wollte ich noch
mal auf die Jugendverbände eingehen, die eine hervorragende Arbeit machen und die damit für ein vielfältiges Angebot für die Kinder und Jugendlichen sorgen. Wie kann Politik diese Arbeit noch weiter unterstützen? Also ich weiß ja, dass die finanzielle Unterstützung eine freiwillige Leistung der Stadt ist …

Heike Troles: Genau. 

Philipp Bolz: Die ist ja gerade auf das Mindeste reduziert. Es ist aber schon so, dass viele Verbände, die sich da in besonderer Weise ins Zeug legen, auf eine Unterstützung angewiesen sind. Diese gibt es allerdings im Moment nicht oder nicht mehr. Gibt es noch Hoffnung auf Aufhebung dieser Kürzung?

Heike Troles: Hoffnung auf jeden Fall. Spätestens nach der Landtagswahl. Da hoffe ich  ja, dass die jetzige Regierung abgelöst wird. Und ein erster Schritt, für den ich auf jeden Fall kämpfen werde, ist, dass Kommunen finanziell entlastet werden und damit natürlich wieder mehr Geld speziell für die Jugendarbeit da ist.

Philipp Bolz: Ich kenne das selbst, auch wenn ich nur aus der Sicht des Jugendferienwerkes:
Das wenig Geld rein kommt und es komplizierter wird, Sponsoren zu bekommen. Förderung ist sehr wichtig, um die Verbände erhalten zu können. Das nächste Thema betrifft zwar nur eine kleine Gruppe, wurde aber auch schon hin und wieder mal besprochen, nämlich die Beschaffung von Proberäumen, da wir in Grevenbroich ja auch einige Jugendbands haben, die auch auf vielen Festen unsere Stadt bereichern. Daher glaube ich, sollte man diese Bands auch weiter unterstützen. Gibt es jetzt mehr Proberäume und ist der Bedarf da jetzt gedeckt?

Heike Troles: Nein, der Bedarf ist noch überhaupt nicht gedeckt. Unser Zwischenstand von der jüngsten Jugendhilfe-Ausschusssitzung war, dass die Verwaltung schaut, was da machbar ist. Wir haben schon eine Idee - nämlich den alten Standort der ehemaligen Realschule Bergheimer
Straße. Es wäre eventuell eine Möglichkeit, im Kellerbereich etwas zu machen. Allerdings steht da noch ein ganz dickes Fragezeichen dahinter.

Philipp Bolz: Aber ein Raum, den sich dann viele Bands teilen könnten, wäre schon super. Und zumindest ist das Thema nicht in einer Schublade verschwunden. Zum Schluss komme ich noch zu einem größeren Projekt. Dabei geht es im Grunde um den Jugend-Förder-Plan der derzeit aufgestellt wird. Soweit ich weiß, legt er grundlegende Dinge für die Jugendarbeit fest?

Heike Troles: Der Jugendförderplan wird immer für fünf Jahre festgelegt. Was im Förderplan steht, ist sozusagen in Stein gemeißelt. Dies bedeutet: Im Jugendförderplan sollten möglichst viele Ziele stehen, die wir gemeinsam auch mit dem Jugendrat ausarbeiten.

Philipp Bolz: Was wären denn die wichtigsten Ziele die in diesem Plan drin stehen? 

Heike Troles: Für mich wäre das, eine bessere finanzielle Ausstattung für Jugendverbände.
Dazu kommt für mich auch noch die Festlegung, welche Plätze für Jugendliche umgewandelt
werden können. Ich denke da vielleicht auch an eine Verlagerung der Skater-Anlage vom Kirmesplatz. Ich denke an eine Verlagerung zum Parkplatz vor der "Spielspinne", damit dort ein "Jugendfreizeitpark" entstehen kann. Vielleicht kann man dort dann auch das Basketballfeld
erneuern. Solche Dinge sollten da festgehalten werden.

Philipp Bolz: Dann jetzt schon mal vielen Dank. Aber jetzt zum großen Abschluss habe ich noch einige Sätze mitgebracht, welche sie dann ergänzen sollen. Der erste Satz ist: Ich wünsche mir für
Grevenbroich... Aber jetzt zum großen Abschluss habe ich noch einige Sätze mitgebracht, welche sie dann ergänzen sollen. Der erste Satz ist: Ich wünsche mir für Grevenbroich... 

Heike Troles: ... eine Attraktivitätssteigerung, eine Auslastung aller Geschäfte in der Fußgängerzone und mehr Cafés für Jugendliche. 

Philipp Bolz: Also diese Wünsche können, glaube ich, schon mal viele teilen. Der nächste Satz: 2017...

Heike Troles: ... ist ein spannendes Jahr mit zwei Wahlen und ich bin sehr optimistisch das wir (CDU) und ich als Landtagskandidatin die Wahl gewinnen werden.

Philipp Bolz: Als hätte ich es geahnt, zielt meine letzte Frage auf den Fall, dass sie in den Landtag einziehen: Wenn ich in den Landtag komme...

Heike Troles: ... setze ich mich dafür ein, dass die Kommunen gerade auch in meinem Wahlkreis entlastet werden und wir dadurch mehr Finanzmittel für die Jugendarbeit haben.