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Die Wevelinghovener Spielleute werden im Sommer „obdachlos“ Trotzdem soll 90-Jahre-Jubiläum mit großem Festkommers gefeiert werden

Die Wevelinghovener Spielleute werden im Sommer „obdachlos“ Trotzdem soll 90-Jahre-Jubiläum mit großem Festkommers gefeiert werden
Günter Piel, Walter Danke, Christoph Mattheisen und Rainer Effertz, vor dem Vereinsheim des Tambour-Corps, das in diesem Sommer geräumt werden muss. FOTO: Foto: -gpm.
Wevelinghoven. Eigentlich hätte es für das Tambour-Corps der Gartenstadt Wevelinghoven ein tolles Jahr werden sollen. Mit einem schönen Fest am 30. April. Doch über den Feierlichkeiten zum 90-jährigen Bestehen schwebt ein Damokles-Schwert: Bis Ende Juni müssen die Spielleute ihr Vereinsheim geräumt haben. Das wird dann nämlich abgerissen. Doch wo einen neuen Proberaum finden? Von Gerhard Müller

Das Vereinsheim direkt an der Erft ist ein Bau mit Tradition. „Das steht seit mindesten 1900“, weiß Walter Danke, seines Zeichens die amtierende „Majestät“ des örtlichen Bürger-Schützen-Vereins. Anfangs wohnt dort der Vikar, dann war es kirchliches Jugendheim. Später war die örtliche Pfarrbücherei untergebracht. Seit Oktober 1983 war dort schließlich das Tambour-Corps „Frisch voran“ Wevelinghoven zuhause.

Die Kirche als Eigentümerin will es nun genauso abreißen lassen wie den Nebenbau. In dem Bereich sind eine Erweiterung des Seniorenwohnheimes, ein Pfarrzentrum und eine Tiefgarage geplant. BSV-Chef Günter Piel: „Ich habe die Pläne gesehen; das sieht alles sehr schön aus.“

Eben nur nicht für die Spielmänner, die nun nach vielen Jahrzehnten, in denen sie das Haus erweitert und immer wieder saniert haben, ihr Domizil verlassen müssen. Mit noch nicht absehbaren Folgen für das Corps.

Zum einen geht es um die Proberäume. „Wenn wir gute Musik auf die Straße bringen wollen, müssen wir proben“, bringt es Vorsitzender Rainer Effertz auf den Punkt. Im Vereinshaus gab es hierfür eine großen Saal, aber auch kleinere Nebenräume, so dass man sich aufteilen konnte: „Die Flötisten konnten in der ersten Etage üben, die Lyras im Vorraum und die Trommler im Saal“, erläutert Effertz. Und auch der Nachwuchs konnte geschult werden. „Sonst müssten die Jungs zuhause üben.“

Zum anderen fanden natürlich Vereins-Termine des TC – von den Versammlungen bis zur Krönung des Zugkönigs – dort statt. Aber auch Kommunion-, Geburtstags- und andere Feiern, sogar der Beerdigungskaffee konnten dort von den Mitgliedern auch abgehalten werden.

Schließlich mahnt Vize-Vorsitzender Christoph Mattheisen: „Die Jugendarbeit ist in Gefahr.“ Denn auch für den Nachwuchs war das weiße Haus an der Erft bei allen Veranstaltungen Anlaufpunkt.

„Seit einem Jahr sind wir nun schon auf der Suche nach einem Ersatzquartier“, so Effertz. Ohne Erfolg. Und Mattheisen ergänzt: „Wir haben sämtliche lokale Stellen angesprochen, mit benachbarten Vereinen Kontakt aufgenommen, bei Kneipen nachgefragt.“ Aber: „Für die meisten sind unsere Märsche an Schützenfest schöne Musik, den Rest des Jahres aber Lärm.“

Übrigens: Die Nachbarn des derzeitigen Vereinsheimes haben – so die Spielleute – auch die Probenabende genossen. „Die haben zum Teil extra die Fenster aufgemacht“, so der Vize-Vorsitzende.

Jetzt hoffen die Spielleute auf mehr Resonanz durch einen Aufruf im Erft-Kurier: Gesucht werden rund 100 Quadratmeter (gerne auch auf mehrere Räume aufgeteilt) zu bezahlbaren Kosten. Wer was anzubieten oder Ideen hat, kann sich gerne an den Erft-Kurier (

redaktion@erft-kurier.de

) wenden.

Am 30. April soll aber auf jeden Fall gefeiert werden. Im Festzelt auf dem Wevelinghovener Marktplatz soll um 15 Uhr ein Festkommers beginnen, zu dem neun Tambour-Corps, die Kapellener „Fanfaren“ und die Bundes-Musik-Kapelle aus Mönchengladbach sowie Abordnungen der Vereine erwartet werden, bei denen die Gartenstädter aufspielen.

Der Eintritt ist frei. Und bis 18 Uhr kann gefeiert werden. Dann schließt sich der „Tanz in den Mai“ an, der vom örtlichen Jäger-Corps ausgerichtet werden wird. Schirmherrin ist übrigens Schützenkönigin Britta Müller-Bludau.

Als Ehrengast wird Vize-Bürgermeister Edmund Feuster aus Kapellen erwartet.

Gerhard Müller

(Kurier-Verlag)