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Grevenbroich Magazin
Erasmus-Schülerin bringt das RWE auf Trapp

Neuenhausen. Bunte Schmetterlinge, duftende Blühstreifen, summende Bienen soweit das Auge reicht – für das Gebiet rund um den Tagebau eigentlich kein typischer Anblick. Doch genau das ist die Rekultivierung an der Königshovener Höhe in Gustorf. Von Alina Gries

Während die Jugendgeneration von heute mit viereckigen Augen wild tippend mit dem neustens Smartphone umher dackeln, verbringt Julia Rümens ihre Freizeit gerne in der Natur. "Dieses Gebiet um die ehemalige Ortschaft Königshoven, die dem Tagebau weichen musste, wird seit den frühen 90ern von RWE rekultiviert", beschreibt sie.

Die 18-jährige Abiturientin hat sich im Rahmen ihrer Facharbeit auf den Schwerpunkt Erdkunde spezialisiert. "Ich gehe immer viel mit meiner Familie in Neuenhausen spazieren", erzählt die Erasmus-Schülerin, "als wir an der Königshovener Höhe waren, sind mir die starke Erosion auf einigen Feldern und die daraus entstandenen verstopften Entwässerungsrohre aufgefallen." Um die Entwässerung zu verbessern, entwickelte sie ein Modell, damit es erst gar nicht zu einer Verstopfung der Abflussrohre komme. "Die Nähe zu dem Naherholungsort ist so nah. Daher finde ich es erschreckend wie wenig er genutzt wird", meint sie. 

Ein großes Problem stelle zudem die Blühstreifen, die Randbereiche der Ackerflächen, dar. Diese würden bei der Übergabe de landwirtschaftlichen Flächen von RWE an die Landwirte mit sechs Metern bemessen werden. Häufig würde diese Breite allerdings zugunsten der Anbaufläche im Laufe der Zeit reduziert werden. "Diese Blühstreifen werden dann zu früh abgemäht", weiß Rümens, "die Landwirte wollen dadurch vermeiden, dass ihre Felder durch zu viel ,Unkraut‘ belastet werden." Das hätte allerdings zur Folge, dass die ansässigen Pflanzen ihre Samen nicht rechtzeitig ausbilden können und so einjährige Kräuter langfristig verschwinden. "Sowohl die frühe Schnittzeit als auch die Verkleinerung der Blühstreifen führen zu einer verringerten Pflanzenvielfalt und damit auch zu einem reduzierten Nahrungsangebot für Insekten und einer Gefährdung der Bodenbrüter", meint die Erasmus-Schülerin. Und davon hat sie selbst genügend gesehen. Aber auch Rehe, Eulen und Orchideen haben im Naherholungsort ihr königliches Nest gefunden.

Doch bei einer Facharbeit ist Rümens nicht geblieben. "Am Anfang war es reines Interesse, doch es deckten sich immer mehr Probleme auf", berichtet die Neuenhausenerin. Nachdem es bei der "Haribo-Stiftung" nicht geklappt hatte, baute die 18-Jährige ihr Konzept noch weiter aus und bewarb sich bei "Jugend forscht". "Um dabei den praktischen Teil abzudecken, habe ich einen 13 Kilometer langen Fahrradweg entwickelt, der an den Sehenswürdigkeiten des Naherholungsgebietes vorbeiführen sollte", erklärt sie, "zum Beispiel an der Petruskapelle, dem ,Wald der Zukunft', einem Gewürzfeld und einem Feuchtbiotop." Diesen würde sie gerne zusammen mit RWE weiter entwickeln und hoffentlich auch einmal umsetzten. 

Dabei verschaffte ihr das überlegte Konzept zwei Sonderpreise: " Natur am Niederrhein" und "Landschaftsforschung für Untersuchung zur Optimierung der Rekultivierung Königshovener Höhe". "Ich habe das erste Mal bei dem Regionalwettbewerb mitgemacht", freut sich die Abiturientin über ihren Erfolg. 

Und der nächste Schritt? "ist in Planung", berichtet Rümens, "ich soll Vorträge in Elsdorf an der RWE-Forschungsstelle halten." Und den Fahrradweg sei sie schon selbst abgefahren. "Der lässt sich gut fahren", nickt die Erasmus-Schülerin, "da muss ich jetzt abwarten, was kommt." Doch den Geldpreis von "Jugend forscht" wolle sie gegebenenfalls dafür investieren. "Wir haben hier schon viele Naturflächen, doch werden sie zu wenig genutzt", meint sie.