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Statt des befürchteten Knöllchens gab es hohe Ehrung durch Kraft
Gisela Stecher (73) ist dem Sport über all die Jahre immer treu geblieben

Statt des befürchteten Knöllchens gab es hohe Ehrung durch Kraft: Gisela Stecher (73) ist dem Sport über all die Jahre immer treu geblieben
Stationen einer Sportlerinnen-Karriere: Gisela Stecher aus Allrath kam als junge Frau zur Leichtathlethik. Und dort tummelt sie sich auch heute noch. Allerdings als Funktionärin. FOTO: Repros: -agr.
Allrath. Drei Mal Gold, zwei Mal Silber und fünf Mal Bronze bei 18 Europa-Meisterschaften – Ein Mal Gold, drei Mal Silber und ein Mal Bronze bei acht Senioren-Meisterschaften im Kugelstoßen und Diskuswerfen und nun wurde ihr auch noch die Sportplakette des Landes Nordrhein-Westfalen verliehen: Gisela Stecher – das Leichtathletik-Wunder der Allrather. Von Alina Gries

"Ich habe schon fast die ganze Welt gesehen", schwärmt Stecher. Und ihre Kugel auch. Die hat die 73-Jährige nämlich immer mitgenommen.

"Als ich elf Jahre alt war, habe ich die Wilhelm-Unger-Spiele besucht und im Drei-Kampf direkt gegen 40 andere Kinder gewonnen", erinnert sich Allratherin, "von da an hat mich die Leichtathletik gepackt."

Im Winter dribbelte sie den Basketball, im Sommer widmete sie sich der Leichtathletik. Ihren ersten Titel erhielt Gisela Stecher 1958 als deutsche Jugendmeisterin im Basketball. Dann widmete sie sich schließlich nur noch der Leichtathletik.

"Für Olympia war ich leider nie gut genug", gibt die 73-Jährige zu. Dennoch habe sie ihrer Meinung nach sportlich alles erreicht.

Bis vor fünf Jahren hat Stecher auch noch bei Wettkämpfen mitgemacht, jetzt unterstützt sie die Sportler als Wettkampfbeauftragte.

"2008 wurde ich zur Senioren-Wettkampfwartin im Landesverband der Seniorenathletik", berichtet sie, "seit drei Jahren bin ich Beauftragte für Wettkampforganisation im Bundesausschuss der Senioren im Deutschen Leichtathletik Verbund."

Und in diesen Bereichen hat sie allerhand zu tun. "So musste ich den Sport aber nie ganz aufgeben und treffe meine Sportskollegen immer noch wieder", sagt Stecher.

Anfang Februar wurde ihr gemeinsam mit zehn anderen wegen des sportlichen Ehrenamtes in Nordrhein-Westfalen die Sportplakette verliehen. "Ich hatte einen Brief von der Staatskanzlei in Düsseldorf im Briefkasten", lacht Stecher, "erst dachte ich, ich hätte ein Knöllchen bekommen und dachte mir ,oh Gott, was hab ich getan'."

Doch dann überdeckte großer Stolz ihre Panik.

"Hannelore Kraft sagt, wir sollte de Plakette auch anstecken und nicht vergessen zu tragen", so Gisela Stecher.

Und genau das hat sie auch vor. "Wenn ich zu Sportveranstaltungen gehe, dann trage ich die Brosche," sagt sie nicht ohne Stolz.

Und ab jetzt wird Stecher regelmäßig zu der Ehrung geladen – nur wird sie bei der nächsten Veranstaltungen nicht selber geehrte, sondern in den Stuhlreihen der bisher Geehrten sitzen.

Dabei blickt die 73-Jährige auf viele Erinnerungen in ihrer Sportskarriere zurück. "Als Jugendliche trug ich mit meiner Mannschaft immer schwarze Trikots", meint sie, "dann wurde immer gesagt: ,Achtung, dakommen die schwarzen Teufel', weil wir so gut waren."

Wenn Stecher noch etwas Zeit findet, widmet sie diese gerne der klassischen Musik. "Mit der Musik bin ich genau so eng verbunden wie mit dem Sport", so die 73-Jährige.

Denn sowohl die Leichtathletik, als auch die Musik lagen schon in der Familie.

Alina Gries

(Kurier-Verlag)