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Eher missglückter Zwischenstopp des Kanzler-Kandidaten im Thiel-Wahlkreis
Martin Schulz ... und weg war er!

Eher missglückter Zwischenstopp des Kanzler-Kandidaten im Thiel-Wahlkreis: Martin Schulz ... und weg war er!
Martin Schulz trat in Gindorf weniger als Wahlkämpfer sondern mehr mit der Attitüde des EU-Granden auf. Da wird er sich noch umgewöhnen müssen. FOTO: Fotos: -gpm.
Gindorf. Mitte der Wahl-Vorwoche ein Anruf von SPD-Kandidat Rainer Thiel. Im freudigen Überraschungston kündigt er – halb flüsternd – an: "Martin Schulz kommt im Endspurt des Wahlkampfes nach Grevenbroich." Von Gerhard Müller

Kurz darauf ist SPD-Kreis-Chef und Bundestags-Kandidat Daniel Rinkert an der Strippe: Schulz kommt nach "Humintech"; die Details regelt die Bundes-Partei. Wiederum ein wenig später kommt von SPD-Kreis-Geschäftsführer die "persönliche Einladung" mit den Details.

Freitag morgen um 9 Uhr findet man sich also am "Pösenberg" auf dem Betriebsgelände von "Humintech" ein. Pünktlich um 9.15 kommt sie dann auch, die Vorhut. Und die Info, dass Schulz schon von der Autobahn runter sei.

Zwei Nobelkarossen fahren vor, halten mitten auf der Lkw-Waage. Der SPD-Bundes-Vorsitzende und Kanzlerkandidat entsteigt, begrüßt den Unternehmensvertreter, der den hohen Gast durch die Werkshallen führt. Etwa zehn Minuten lang. Martin Schulz interessiert sich besonders für den Raum, an dem Dampf und unendlich heiße Luft hergestellt wird – für den weiteren Produktionsprozess.

Dann verschwinden Unternehmensvertreter und die SPD-Granden aller Ebenen hinter verschlossenen Türen. Schon einmal hatten die Sozialdemokraten im Wahlkampf hohen Besuch nach Gindorf geführt. Damals kam Landes-Wirtschaftsminister Gerald Duin – und die Presse saß während des Gespräches mit am großen Tisch.

Diesmal durfte sie sich eine Dreiviertel Stunde lang die Beine in den Bauch stehen. Dann öffneten sich Türen.

Martin Schulz eilte (mit einem kurzen Umweg über die Betriebstoilette) zielstrebig auf das einzige Mikrofon zu, das ihm entgegen gehalten wurde und gab ein "Statement" ab: Drei Allgemeinplätze (im echten "Politikersprech") und das Versprechen wiederzukommen, wenn er Zeit habe, all die Fragen zu stellen, die ihn noch interessieren würden ...

Noch ein Foto mit den drei Landtags-Kandidaten aus dem Rhein-Kreis. Dann das Sacko aus und ab in das Auto. Und weg war er.

Martin Mertens, Bürgermeister aus Rommerskirchen, bestätigte, dass auch er längere Zeit darüber diskutiert hätte, was so eine Stipp-Visite für den lokalen Wahlkampf überhaupt bringen solle ...

Daniel Rinkert versuchte noch, Martin Schulz zu einem kurzen Gespräch mit den beiden lokalen Journalisten zu bewegen. Doch der winkte ab und verwies (wohl noch von den Brüsseler Verhältnissen ausgehend) trocken auf sein Schluss-Statement.

"Herr Schulz hat in der internen Runde ein paar ganz wichtige Sätze gesagt", versuchte Rinkert zu besänftigen. Mag sein.

Schade eigentlich nur, dass niemand diese "wichtigen Sätze hinter verschlossener Tür" je lesen wird ...

Gerhard Müller

(Kurier-Verlag)