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Unterstützung für „Mama Mutig“: Der harte Kampf der Kenia-Frauen

Unterstützung für „Mama Mutig“: Der harte Kampf der Kenia-Frauen
Waltraud Sarna gründete mit ihrer Freundin Ise Stockums den Verein „Freundeskreis Umoja-Friends of Umoja“.
Südstadt. „Wir möchten den Leuten in ihrem Heimatland ein einträgliches Leben ermöglichen“, erzählt Waltraud Sarna. Sie gründete mit ihrer Freundin Ise Stockums im Juli den gemeinnützigen Verein „Freundeskreis Umoja-Friends of Umoja“ für das Frauendorf Umoja in Kenia. Mit ihrem Verein – übrigens dem bisher einzigen für Umoja in ganz Europa – unterstützen sie das von Rebecca Lolosoli gegründete erste Frauendorf in Afrika. Von Gerhard Müller

„Mit unserer Hilfe wollen wir dem Dorf und der Samburu-Bevölkerung in Kenia eine gesicherte Zukunftsperspektive in ihrer Heimat geben und somit Migration vorbeugen“, erläutert Waltraud Sarna glasklar.

Die beiden Grevenbroicherinnen lernten Rebecca Lolosoli über das Kinderhilfswerk „Plan“ kennen. Die beiden sind Mitglied in der Aktionsgruppe Mönchengladbach. Die Aktionsgruppe hatte 2013 Lolosoli zu einer Lesereise ins Rheinland eingeladen. Sie sollte ihr Buch „Mama Mutig“, das sie zusammen mit der Journalistin Birgit Virnich geschrieben hatte, vorstellen.

Um die Reisekosten niedrig zu halten, bot Ise Stockums das Gästezimmer in ihrer Wohnung an. „So hatten wir Rebecca vier Tage als Gast in unserem Hause und begleiteten sie zu einigen Veranstaltungen. Diese Frau hat uns tief beeindruckt. Mit welchem Mut sie für ein besseres Leben der Frauen und Kinder in Afrika kämpft, ist wirklich bewundernswert und verdient unsere Hilfe“, bekräftigt auch Ise Stockums.

Auf der ganzen Welt ist man mittlerweile auf Rebecca Lolosoli aufmerksam geworden. Hillary Clinton überreichte ihr 2010 so zum Beispiel den „Vital Voices Fern Award“, eine Auszeichnung für außergewöhnliche Frauen.

Geboren wurde Lolosoli 1962 als Tochter eines Clan-Chefs der Samburu, einer Volksgruppe in Kenia. Körperliche und seelische Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist bei den Samburus trauriger Alltag. Auch die Genitalbeschneidung bei Mädchen ist noch üblich. In dieser traditionellen Männergesellschaft erdulden die Frauen ihr Schicksal klaglos.

Rebecca Lolosoli hat das Glück, einen fortschrittlichen Vater zu haben, der sie in die Schule schickte und zu einem selbst bewussten Mädchen erzog. Als sie heiratete, bekam sie sehr viel Ärger mit ihrem Schwiegervater, der sie mit dem Stock verprügelte und über sie bestimmen wollte. Sie zieht mit ihrem Mann in ein eigenes Haus und eröffnet auf der Veranda einen kleinen Gemischtwarenladen. Schnell entwickelt er sich zur Anlaufstelle für Frauen in Not. In Nagusi, einer Frau, die nach einer Vergewaltigung von ihrem Mann verbannt wurde, findet Rebecca eine Seelenverwandte. Beide beschließen 1990, ein Dorf unter dem Namen „Umoja“ (zusammen) nur für Frauen zu gründen. Für das Land müssen sie 1.000 Euro zahlen, Geld, das sie mühsam durch den Verkauf von Schmuck an Touristen verdienen.

Das Dorf wächst schnell. Immer mehr junge Mädchen flüchten vor Zwangsehe und Beschneidung in das Dorf und auch verheiratete Frauen fliehen vor häuslicher Gewalt mit ihren Kindern nach „Umoja“. Die Frauen leben nach den Regeln, die sie sich selbst erarbeitet haben.

Die Kinder lernen, dass Frauen und Mädchen gleichberechtigt sind. Eine bescheidene wirtschaftliche Basis entsteht. Die Frauen produzieren und verkaufen Schmuck und bewirtschaften einen kleinen Campingplatz.

2014 konnte endlich die ersehnte dorfeigene Grundschule eröffnet werden. Spenden aus Deutschland halfen bei der Finanzierung.

Der Weg dorthin war allerdings sehr steinig. Erboste Ehemänner der Dorffrauen schlugen Lolosoli brutal zusammen. Ihr Ehemann half ihr nicht, im Gegenteil, er bedrohte sie mit einem Gewehr, weil er das Land, auf dem das Dorf steht, an sich bringen wollte. Frauen stehe Landbesitz nicht zu.

Rebecca Lolosoli versteckte sich monatelang, dann ging sie vor Gericht. Nach endlosen Gerichtsverhandlungen gelang es ihr, als erster Samburu-Frau, offiziell geschieden zu werden. 2013 gewannen die Frauen auch den Prozess um den Landbesitz. Es gehört jetzt ihnen.

Mittlerweile wird Rebecca Lolosoli auf internationale Konferenzen eingeladen und wirbt dort für „Umoja“ und sie macht anderen Frauen in ähnlicher Lage Mut, ein selbst bestimmtes Leben zu führen.

Im nächsten Jahr werden einige Frauen aus dem Grevenbroicher Freundeskreis nach „Umoja“ reisen, um sich selber über die Verwendung der Spenden zu informieren.

(Kurier-Verlag)