| 10.21 Uhr

Gesamtschule: Waldorf macht nicht alle froh Eltern skeptisch gegenüber neuem Schul-Konzept

Gesamtschule: Waldorf macht nicht alle froh Eltern skeptisch gegenüber neuem Schul-Konzept
Susanne Schumacher wird ab März der alleinige Posten der Schulleitung zugeteilt. FOTO: Foto: Alina Gries
Jüchen. Erst Realschule, dann Sekundarschule und seit August nun Gesamtschule. Dabei soll ein besonderes pädagogisches Konzept künftig für mehr Anmeldungen sorgen. Die Grunddevise: Keiner bleibt Sitzen – ähnlich wie bei der Waldorfpädagogik. Von Alina Gries

Während das Gymnasium nebenan damit wirbt, eine Schule sein zu wollen, in der ein vertrauensvolles, offenes Klima herrscht – und neben dem Leistungsgedanken auch die Chancengerechtigkeit vornean stehe, widmet sich die Gesamtschule nun einem anderen pädagogischen Konzept. „Die Eltern haben sich eine Schule mit Perspektive gewünscht, an der die Möglichkeit besteht das Abitur zu machen ohne noch einmal die Schule wechseln zu müssen“, erzählt Susanne Schumacher, kommissarische Leiterin der Gesamtschule, „es soll eine Schule des längeren gemeinsamen Lernens werden.“ Die 56-Jährige tritt offiziell im März den alleinigen Posten der Schulleitung an, da der eigentliche Direktor aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand versetzt wird.

Schumacher möchte künftig eine enge Zusammenarbeit mit der Sporthochschule in Köln fördern und somit ihren Schülern in der Oberstufe auch einen Sport Leistungskurs anbieten zu können. „Der sportliche Aspekt soll in das Konzept verankert werden“, so die Rommerskirchenerin. Die Ansätze dieses „speziellen Konzeptes“, wovon Schumacher redet, erinnern an die Waldorfpädagogik. „Der Grundgedanke setzt sich aus vielen pädagogischen Ansätzen zusammen. Sowohl Waldorf, als auch Montessori und Reformpädagogik“, erklärt Susanne Schumacher, „aber es ist kein Konzept, dass wir uns ausgedacht haben oder ausprobieren wollen – wir orientieren uns daran, weil es bereits zu den besten Ergebnissen führt.“ Zwar steht Eurythmie nicht auf dem Stundenplan, jedoch ein entwicklungsorientierter Lehrplan. Dadurch soll den Schülern eine Chancengleichheit geboten werden, indem sie nicht sitzen bleiben können. „Wir möchten den Kindern mehr Zeit geben, sich zu entwickeln“, so Schumacher, „wenn ein Kind beispielsweise ein absolutes Tief in der Pubertätsphase hat oder wegen einer langen Krankheit nicht die erforderlichen Leistungen erbringt, wird es trotzdem mitgezogen.“ Dabei setzt Schumacher auch auf das neue Bausteinsystem mit integriertem Projektlernen. „Die Kinder werden angeleitet selbstständig zu lernen“, sagt sie, „dadurch sollen sie ihr Potenzial entfalten.“ Innerhalb eines Klassenverbandes lernen die Schüler dann themenorientiert und erarbeiten dies in einer Ausstellung, einem Vortrag oder einem Theaterstück aus. Dabei ist der Unterricht auch auf die Standorte ausgerichtet. So befinden sich in den ehemaligen Räumlichkeiten der Hauptschule in Hochneukirch die fünfte bis siebte Klasse und in der ehemaligen Sekundarschule in Jüchen die Schuljahre ab Klasse acht. „Die Schüler der Klassen fünf, sechs und sieben sitzen dann gemischt zusammen und erarbeiten neue Bausteine und wiederholen diese, um die Nachhaltigkeit zu stärken“, sagt Schumacher. Das neue Konzept der Gesamtschule zeigt Erfolg – zumindest in Aachen. Die Jüchener Eltern sind allerdings noch nicht ganz überzeugt, wie uns vermehrt mitgeteilt wurde. Im Februar beginnt die Anmeldephase, ob sie wegen des neuen Konzepts dann steigen wird, wird sich zeigen.

Alina Gries

(Kurier-Verlag)