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Lenkait zum ersten Mal in Jüchen
"Ich bin schockiert"

Jüchen. Am 14. Mai ist Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen. Die Kandidaten, die sich für die Gemeinde Jüchen einsetzen, vertreten auch gleichzeitig den Wahlkreis in Meerbusch, Kaarst und Korschenbroich. In unserer heutigen Ausgabe hat sich Reporterin Alina Gries mit Linken-Kandidat Johann Albrecht Lenkait getroffen. Dem letzten Kandidaten der Serie. Er ist im Gegensatz zu den anderen Landtagskandidaten das erste Mal in seinem Wahlkreis. Von Alina Gries

Herr Lenkait, wie ist Ihr erster Eindruck von Jüchen?

Fürchterlich. Ich bin mit der Bahn gekommen und der Bahnhof ist in einem katastrophalen Zustand. Das ist ja wie im früheren Osten.

Warum sind Sie bisher noch nicht in Jüchen, Teil Ihres Wahlkreises, gewesen?

Dafür gibt es keinen Grund, es hat sich bisher einfach nicht ergeben.

Die landesweite Kampagne der Linken umfasst zehn Ziele. Was möchten Sie konkret für die Gemeinde tun, wenn Sie in den Landtag einziehen sollten?

Zum einen ist es mir ein Anliegen, dass die Schulklassen verkleinert werden, und zum anderen muss der Ausstieg aus der Braunkohle intensiv geplant werden.

Wenn die landesweiten Themen lokal herunter gebrochen werden. Welche drei Themen würden Sie sich aussuchen, um damit Jüchen zu fördern?

Bildung beispielsweise. Wir sind gegen das Turbo-Abitur und möchten G9 an allen Schulen wieder einführen. Die Linken sind generell für ein Einheitssystem, alle Kinder sollen zusammen individuell gefördert werden. Daher möchten wir alle Schulen in eine Gesamtschule umwandeln, aber nur wenn genügend Lehrer vorhanden sind. Die Schulklassen sollen dann auf mindestens zwölf Kinder pro Klasse reduziert werden.

Das heißt, sie wollen das Gymnasium schließen und in eine Gesamtschule umwandeln?

Ja, genau.

Eine Reduzierung auf zwölf Schüler pro Klasse ist aber von der Kapazität her gar nicht so einfach. Wie stellen Sie sich das hier in Jüchen vor?

Mit Sicherheit brauchen wir dazu mehr Lehrer und wahrscheinlich wird man mehr Klassenräume schaffen müssen, indem neue Gebäude gebaut werden, also Investitionen sind hier nötig, die auch Arbeitsplätze bringen.

Welchem Punkt möchten Sie sich noch für Jüchen widmen?

Dem Ausstieg aus dem Braunkohletagebau.

Wenn Sie noch nicht in Jüchen gewesen sind, haben Sie das "Loch" überhaupt schon einmal in seiner gesamten Fläche betrachten können?

Ja, vom Flugzeug aus.

Was würden Sie nach dem Ausstieg damit machen?

Ich bin kein Landschaftsspezialist. Dazu müssen Fachleute konsultiert werden. Auf jeden Fall ist mir wichtiger zu überlegen, was mit den Menschen geschieht, deren angestammter Arbeitsplatz dann wegfällt, denn es darf keine soziale Not geben.

Neben Bildung und Tagebau – welches dritte Thema sehen Sie für die Gemeinde als wichtig an?

Den nachhaltigen Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs. Wir sollten uns dazu Berlin als Vorbild nehmen und das gesamte Ruhrgebiet und Rheinland so vernetzen, dass Züge im Drei-, Fünf- und Zehn-Minuten-Takt fahren und nicht länger im Stunden oder Halbstunden-Takt. Dabei sollten auch bessere Bahnverbindungen zu den Niederlanden endlich realisiert werden.

(Kurier-Verlag)