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Zu Besuch an der „Grube“ mit Grünen-Kandidat Oliver Keymis

Zu Besuch an der „Grube“ mit Grünen-Kandidat Oliver Keymis
Reporterin Alina Gries traf Grünen-Kandidat Oliver Keymis vor der „Grube“ – Keymis war FOTO: begeistert
Am 14. Mai 2017 ist Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen. Die Kandidaten, die sich für die Gemeinde Jüchen einsetzen, sind im gleichen Wahlkreis auch für Meerbusch, Kaarst und Korschenbroich zuständig. In jeder Woche stellt der Top-Kurier einen Kandidaten vor und fragt direkt nach: Was wollen Sie für Jüchen tun? In unserer heutigen Ausgabe hat sich Reporterin Alina Gries mit Grünen-Kandidat Oliver Keymis, Vizepräsident des Landtags, getroffen. Von Alina Gries

Die landesweite Kampagne der Grünen umfasst elf Ziele. Was möchten Sie konkret für die Gemeinde Jüchen tun, wenn Sie wieder in den Landtag einziehen sollten?

Bei Jüchen gibt es ein verdammt großes Loch, das wieder zugemacht oder neu genutzt werden muss. Ab 2037, also in etwa 20 Jahren, wollen wir Grüne komplett auf die Energieproduktion auf Braunkohlebasis verzichten. Das betrifft auch konkret Jüchen: Wir alle wollen weiterhin bezahlbaren Strom; verlässliche Infrastrukturen und auch Arbeitsplätze hängen von dieser Entwicklung ab. Es muss frühzeitig ein Plan entwickelt werden und damit ein tragfähiges Konzept für die Region. Nur künstliche Seen reichen nicht und so etwas soll es ja auch in Jüchen nicht geben. Wir müssen auf erneuerbare Energien umstellen, auch um die Klimaschutzziele der Bundesregierung zu erreichen. – Und für die nahe Zukunft ist auch der „NRW-Tarif“ für die Jüchener interessant: für zwei Euro pro Tag durch ganz Nordrhein-Westfalen mit Bus und Bahn. Das sind konkrete Pläne, die echte Verbesserungen bringen. Auch Themen wie „bezahlbare Mieten“, oder „selbstbestimmt leben im Alter“ oder „mehr Polizei vor Ort“ sind sicher auch für die Jüchener Bürger wichtig.

Wenn die landesweiten Themen lokal herunter gebrochen werden. Welche drei Themen würden Sie sich aussuchen, um damit Jüchen zu fördern?

Zum Beispiel: Sicherheit: Das bedeutet mehr Polizei vor Ort, um das Sicherheitsgefühl zu stärken. Oder: Gesundes Essen – aus der Region für die Region. Bessere Infrastruktur: Wichtig ist auch das Modernisierungsprogramm des Landes für die Bahnhöfe. Und wir sollten weniger Geld in den Neubau von Straßen stecken, sondern in den Erhalt der Straßen. Jüchen kann sicher auch mehr Radwege brauchen. Oft kann so etwas eine Gemeinde nicht allein stemmen und braucht dann auch Zuschüsse vom Land.

Die Grünen haben den Ausstieg der Braunkohle gefordert. Wenn Sie jetzt hier stehen und auf das gigantische Loch herabschauen – was für Ideen kommen Ihnen?

Das Loch ist furchtbar und riesig. Ich habe jetzt auch keine schnelle Lösung für die Zukunft parat. Aber dass wir für die ‚Zeit nach der Braunkohle‘ kluge und ökonomisch tragfähige Konzepte für die Menschen in der Region brauchen, das sagen wir Grünen schon lange. Von neuen Windkraftanlagen dort und einer nachhaltigen Rekultivierung ist ja schon länger die Rede. Auch ein Verkehrs-erschließungs-Konzept wird man erarbeiten müssen. 1996, nach dem Großbrand am Flughafen Düsseldorf, gab es ja sogar einmal die Idee, in das riesige Garzweiler-Loch einen neuen Flughafen zu bauen. Aber davon redet heute niemand mehr.

Was denken Sie denn über den Beschluss der Gemeinde hinsichtlich der Atomkraftwerke in Belgien?

Den Beschluss finde ich sehr gut! Vor allem Tihange bei Lüttich ist ein totaler „Bröckel-Reaktor“ und muss sofort abgeschaltet werden. Und auch die Uralt-Kernkraftwerke in Doel bei Antwerpen müssen vom Netz. Umweltminister Johannes Remmel hat den Belgiern vorgeschlagen, ihnen Strom aus Deutschland anzubieten, als Ersatz. Entsprechende Hochspannungsleitungen sind zum Teil bereits im Bau.

(Kurier-Verlag)