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Der TV Jüchen hat eine Kooperation mit dem Gymnasium geschlossen
„Ich liebe das Tauchen und Springen“: Flüchtlingskinder lernen schwimmen

Der TV Jüchen hat eine Kooperation mit dem Gymnasium geschlossen: „Ich liebe das Tauchen und Springen“: Flüchtlingskinder lernen schwimmen
Am Anfang noch schüchtern, planschen die Kinder der Internationalen Klasse des Gymnasiums nun im Becken. Auch mit Burkini geht es. FOTO: Foto: TV Jüchen
Jüchen. Das Wasser spritzt in alle Richtungen. Fünf Kinder planschen und quieken, während sie auf ihrem Schwimmbrett durch das Becken gleiten. Die anderen sechs sitzen auf der Bank und schauen misstrauisch zu. "Ich bin mit Wasser noch nie in Berührung gekommen und habe etwas Angst davor", meinte Meran Samin noch vor ein paar Wochen, "ich wollte mir das erst einmal anschauen. Aber nächste Woche werde ich es auch versuchen." Jetzt ist das Misstrauen des 14-Jährigen verschwunden und er tobt mit seinen Mitschülern im Wasser umher. Von Alina Gries

"Bei den einen müssen wir bei Adam und Eva anfangen und sie an das Wasser gewöhnen, andere sind schon gute Schwimmer", beschrieb Bernd Lohr, Vorsitzender des TV Jüchen, noch die erste Schwimmstunde der internationalen Schulklasse des Gymnasiums. Vor allem die Badekleidung sei bei zwei Mädchen aus religiösem und kulturellem Hintergrund etwas problematisch. "Wir überlegen aber in Absprache mit den Eltern, ob wir vielleicht Burkinis anschaffen, damit die Mädchen trotzdem am Schwimmunterricht teilnehmen können", meinte Anne Ellerbrock, stellvertretende Klassenlehrerin der internationalen Klasse. Dabei handelt es sich um eine zweiteilige Badebekleidung, die aus demselben elastischen Stoff wie herkömmliche Badeanzüge besteht. "Wenn das der Schlüssel dafür ist, dass wir den Schwimmunterricht auch für diese Mädchen anbieten können, sind wir da sehr offen eingestellt", so Lohr. Elf Kinder im Alter zwischen elf und 17 Jahren besuchen die internationale Klasse am Gymnasium. Seit ein paar Wochen erhalten sie einmal pro Woche Schwimmunterricht vom TV Jüchen. "Ich habe hier in Deutschland bei einem Schwimmkurs für Flüchtlinge das Schwimmen gelernt", berichtet die zehnjährige Sindi Bushi, "ich liebe es zu tauchen und ins Wasser zu springen." Bereits im vergangenen Jahr, habe der Verein mit der Schule überlegt die Zusammenarbeit zu erweitern. "Die Schule möchte künftig gerne eine Sportklasse und auch ein Sportabitur anbieten", verrät Lohr. Deswegen werde es ab dem neuen Schuljahr auch AGs im Tanzen, Einradfahren, Turnen, Badminton und der Selbstverteidigung geben. Dies sei eine Überlegung, die durch die Schließung des Kooperationsvertrages entstanden sei. "Dasselbe ist auch mit der Gesamtschule im Gespräch", so Lohr weiter, "die AGs starten da nach den Sommerferien im gleichen Umfang. Da sich die ersten drei Schuljahre am Standort in Hochneukirch befinden, werden schon gewisse Grundlagen geschaffen werden, sodass wir dann eine Schwimm-AG anbieten werden." Einzel-Unterricht sei der TV Jüchen gegenüber aber auch offen. "Wir als Verein sind schließlich dafür da, Menschen an den Sport zu bringen", erklärt er. Der Schwimm-unterricht für die internationale Klasse werde jetzt erst einmal jeden Mittwoch in der ersten Schulstunde bis zu den Sommerferien angeboten.

Dann, so hoffe Lohr, seien die Kinder soweit sicher im Schwimmen und würden eventuell danach das Vereinsleben bereichern.

"Für mich erfüllt dieser Kurs zwei ganz wesentliche Aspekte: Zum einen kann und darf es in der heutigen Zeit einfach nicht mehr sein, dass es noch Nichtschwimmer gibt und Menschen bei Badeunfällen sterben. Zum anderen haben wir im Sport und den Vereinen eine ganz klare Aufgabe im Bereich der Integration. Gemeinsamer Sport ist ein wichtiger Teil der Integration und wir geben den Schülern im Schwimmen gerade den Schlüssel sportlich etwas mit anderen zusammen zu tun. Da sind wir jederzeit als TV Jüchen gerne dabei", verspricht Bernd Lohr.

Alina Gries

(Kurier-Verlag)