Im Juni hatte sich jüngst ein Bürgerprotest formiert, da einige Orkener die massiven Baukörper mit den bisher geplanten, teils drei bis sechs Vollgeschossen inklusive Staffelgeschossen, nicht befürworten. Außerdem befürchten die Nachbarn an der am Neubaugebiet angrenzenden Henzen- und Richard-Wagner-Straße, dass sich die ohnehin schon angespannte Parkplatz-Situation durch den Zuwachs an neuen Mitbürgern (geplant sind rund 100 Wohneinheiten) noch weiter verschärfen könnte.
Zwar plant der Bauherr für das „Gartenquartier Orken“ eine großzügige Tiefgarage, die selbst für Besucher Stellplätze zur Verfügung stellen soll, aber ob dort die Mehrheit der neuen Mieter auch parken wird, steht auf einem anderen Blatt. „Schon jetzt ist es beispielsweise auf der Henzenstraße durch die geparkten Autos so eng, dass die Müllabfuhr nur rückwärts in unsere Straße hineinfährt“, sagt uns Anwohner Horst Weiner im Gespräch. Andere Hauseigentümer haben Sorge, dass ihr Grundstück durch den massiven Bau voll verschattet werden könnte. Bisher war für Horst Weiner und seine Mitstreiter die Kommunikation seitens der Stadtverwaltung nach außen mit Blick auf das Neubauprojekt eher unbefriedigend. „Wir haben als Bürger in der Vergangenheit den Eindruck bekommen, dass wir auf unsere Fragen entweder nur sehr schleppend oder gar keine Antwort erhielten. Wir müssen vieles selbst erfragen.“ Doch nun könnte vielleicht Bewegung in die Sache kommen.
„Ein Anwohner hat in einem Gespräch mit dem Projektleiter des geplanten Neubaus unter anderem erfahren, dass die Zufahrt zur Tiefgarage ausschließlich von der Richard-Wagner-Straße erfolgen und die Anzahl der Geschosse auf maximal vier, also drei Geschosse plus ein Staffelgeschoss, begrenzt werden soll“, berichtet Horst Weiner. „Damit wären unsere Primärziele - keine Zufahrt über die Henzenstraße und maximal vier Geschosse - berücksichtigt beziehungsweise erreicht.“ Nun hoffen Horst Weiner und die restlichen Anwohner, dass der Bauherr und die Stadtverwaltung diese Aussagen auch von offizieller Seite her bestätigen.
Der Erft-Kurier hat Florian Herpel, Planungsdezernent bei der Stadt Grevenbroich, zu den Punkten befragt und folgende Auskunft erhalten: „Wir sind mit dem Bauherren im steten Austausch. Nach unserem aktuellen Wissensstand sind mehrere Prüfanträge zu unterschiedlichen Themen in Bearbeitung“, so Florian Herpel. Zum einen werde unter anderem derzeit ein Gutachten erstellt, in dem geprüft wird, wie man die Verkehrssituation durch den Zuwachs an weiteren Fahrzeugen für alle Anwohner verträglich gestalten kann. „Dass es bei 100 Wohneinheiten mehr natürlich zu einem erhöhten Verkehrsvolumen kommen wird, bestreitet keiner und wir und der Bauherr nehmen die Sorgen der Bürger im Quartier sehr ernst.“ Dass die Zufahrt zur Tiefgarage ausschließlich über die Richard-Wagner-Straße erfolgen soll, kann Florian Herpel zum jetzigen Zeitpunkt nicht bestätigen, da das Gutachten noch nicht final vorliegt.
Ein weiterer Punkt, der geprüft wird, ist der Lärmschutz im Rahmen von Festivitäten auf dem angrenzenden Kirmesplatz. „Auch hier wird an einem Gutachten gearbeitet und die Ergebnisse werden neben einer Berücksichtigung in den behördlichen Ausnahmegenehmigungen für die Veranstaltungen auch in den baulichen Lärmschutz einfließen können.“ Laut Florian Herpel ist für Grevenbroichs Bürgermeister Klaus Krützen die Wohnungsbauentwicklung an dieser Stelle begrüßenswert, aber sie werde nicht die bisherige Nutzung des Kirmesplatzes einschränken. „Auch der Bauherr nimmt die Anregungen aus der Bürgerschaft ernst und verfolgt intensiv die aktuelle Diskussion.“
Dass die Geschosszahl nun, wie eingangs erwähnt, doch geringer ausfallen soll, kann Florian Herpel indes nicht bestätigen. „Nach unserem Kenntnisstand hält der Investor an der bisher geplanten Geschossanzahl fest.“
Nachdem die erste Runde der Bürgerbeteiligung im Frühjahr stattgefunden hat, soll die zweite Runde voraussichtlich im Herbst/Winter stattfinden, wenn es neue Erkenntnisse durch die aktuell in Arbeit befindlichen Gutachten gibt. „Einen konkreten Termin werden wir frühzeitig der Bürgerschaft mitteilen“, so Herpel. Also heißt es für die Orkener erst einmal weiter abwarten. Horst Weiner sichert jedoch zu: „Sollte es zu der Situation kommen, dass der Bebauungsplan weiterhin sechs Geschosse, also fünf Geschosse plus ein Staffelgeschoss, beinhalten, würden wir als Anwohner dagegen vorgehen.“
Nicole Palmieri