Sarah Zimonczyk (41) stammt aus Orken, wuchs an der Richard-Wagner-Straße heran. Schon damals war das „Leben“ nicht unkompliziert: Im Säuglingsalter wurde ein Herzfehler diagnostiziert. Sie wurde am Herzen operiert und „viele Jahre ging alles gut“.
Viel später – sie war der Liebe wegen nach Mönchengladbach verzogen – muss sie zwei Fehlgeburten hinnehmen. „Das war damals noch ein Tabu-Thema“, erinnert sich Sarah Zimonczyk bitter. Man sprach nicht darüber. Und wenn doch, erntete man höchstens Kommentare wie „Man kann auch anders glücklich werden ...“.
Erst nach der zweiten Fehlgeburt fand sich der Grund: Zimonczyk leidet an einer Blutgerinnungsstörung, so dass die Ungeborenen im Leib der Mutter quasi verhungerten.
Dabei lässt sich die Störung behandeln. Und inzwischen konnten sich die Zimonczyks ihren Kinderwunsch erfüllen: Zwei Töchter (12 und 10) sowie ein kleiner Bub (fast 2) füllen das Haus mit Leben.
Allerdings fiel die letzte Schwangerschaft wieder problematisch aus: Viele Nebenwirkungen machten immer wieder ärztliche Betreuung notwendig. Nach der Geburt des Kleinen wurde ihr angeraten, zu einem Kardiologen zu gehen.
Und der schlug Alarm: Eine Herzklappe war kaputt und musste ausgetauscht werden. „Ich dachte zuerst, dass ich noch ein paar Wochen Zeit hätte“, erinnert sich Sarah Zimonczyk. Dem war allerdings nicht so: Der Kardiologe setzte ein „sofort“ auf die Anordnung.
Aufgrund ihrer Blutgerinnungsstörung kam eine künstliche Klappe nicht in Anfrage. Sie brauchte eine Transplantation. „Drei Monate war ich in der Klinik. Erst in Dortmund, dann in Mönchengladbach.“
Während der ganzen Zeit brummte verständlicherweise der Kopf: Kann ich die Familie so lange allein lassen? Schaffe ich die OP überhaupt? Und den Weg zurück?
Die geplante Reha musste nach fünf Tagen abgebrochen werden, weil Sarah Zimonczyk sich eine Lungenentzündung fing. Überhaupt war sie in den Wochen und Monaten nach der OP im Sommer 2025 bis in dieses Jahr hinein anfällig für alle möglichen Rückschläge.
„Durch das Schreiben des Buches habe ich mich selbst therapiert“, betont sie im Interview mit dem Erft-Kurier. „Jetzt geht es mir seelisch besser. Deshalb will ich mit dem Buch andere Betroffene begleiten. Ihnen Mut machen.“
Inzwischen sei sie „so weit auf dem Damm, dass ich meine Familie wieder genießen kann. Und ich habe mehr Lebensqualität als vor der OP“. Ohne eine Haushaltshilfe geht es allerdings nicht. Die Kinder sind (nicht nur jetzt in den Osterferien) oft bei der Oma in Orken.
Und Sarah Zimonczyk fügt grundehrlich an: „Ich weiß nicht, wie es ohne die Kinder gewesen wäre. Sie und mein Mann waren mit ein großer Halt. Ich wusste: Dafür lohnt es sich zu kämpfen, auch wenn man morgens aufsteht und gar nicht weiß: Wo soll ich nur die Kraft herholen?“.
Zimonczyk will auch wieder arbeiten. „Ich wollte eigentlich nach der Elternzeit in die Pflege gehen“. Das kommt jetzt aber nicht mehr in Frage. Also überlegt sie, als „Social-Media-Managerin“ zu arbeiten.
Das Buch „Vom Kinderwunsch zur Herzklappe“ wurde über „Book on demand“ verlegt und hat die ISBN-Nummer 978-3-6951-0057-6. Gerhard P. Müller