Dieses Projekt ging sie etappenweise an und fuhr schon vor einigen Jahren von Donaueschingen bis Passau und danach von Passau bis Bratislava. In diesem Jahr stand die Strecke von Bratislava nach Budapest an. Die An- und Abreise für die Tour erfolgte mit der Bahn.
Da sie auf Abgase und Lärm keine Lust hatte, modifizierte sie ihre Tour im Vorfeld, so dass sie Hauptverkehrsstraßen weitgehend vermeiden konnte. Die Navigation erfolgte über das Handy, einen Radwegeführer mit Landkarten hatte sie dabei. Petra Karbach-Parr besitzt kein E-Bike und so fuhr sie ausschließlich mit Muskelkraft.
„Am ersten Tag war ich mit dem Zug gegen 11 Uhr in Bratislava angekommen und startete von dort aus. Der Weg führte zunächst auf Radwegen aus der Stadt heraus und dann auf einem Damm durch die Donauauen und über die kleine Schüttinsel. Es war ziemlich heiß und bei meiner ersten Pause in Dunakiliti, einem Ort mit etwa 2.000 Einwohnern, war ich positiv überrascht im Zentrum bei der Kirche unter hohen Bäumen einen schattigen Rastplatz mit sauberen Tischen und Bänken zu finden“, berichtet sie. Doch zu ihrer Überraschung gab es vor Ort noch andere Methoden, wie die Einheimischen mit den hohen Sommer-Temperaturen umgingen: „Außerdem fand ich in diesem absolut nicht touristisch geprägten Dorf neben dem Rastplatz eine Abkühlstation. Dafür hatte man an den Hydranten einen Schlauch angeschlossen, der auf ein großes Metallrohr führte, in das Wasserzerstäubungsdüsen eingeschraubt waren. Dadurch entstand ein ganz feiner Wassernebel, der angenehm erfrischend war. Auf meinem weiteren Weg fand ich diese Abkühlstationen wirklich in jeder Stadt und in jedem noch so kleinen Dorf.“ Außerdem gab es an der Strecke viele Rastplätze, Trinkwasserspender, an denen man seine Wasserflaschen nachfüllen konnte, und Lebensmittelläden, in denen sie sich mit Proviant versorgte. Und dann kam die Hitzewelle. Die Temperaturen stiegen auf über 40 Grad Celsius. Petra Karbach-Parr fuhr morgens möglichst früh los, um nicht in die Nachmittagshitze zu kommen. Das führte leider dazu, dass sie Dinge, die sie gerne gemacht hätte, zum Beispiel an einem der vielen schönen Sandstrände in der Donau zu baden, nicht gemacht habe, um keine Zeit zu verlieren.
„Während meiner Tour habe ich mir einige Gedanken gemacht, wie man mit dem Klimawandel umgehen kann und was auf Dauer auf uns zukommt.“ Und was sie unterwegs erlebte, inspirierte die Radlerin. „Mit den Abkühlstationen und Trinkwasserbrunnen erleichtern sowohl die Ungarn wie die Slowaken den Bürgern die Hitze erheblich“, berichtet sie. Am zweiten Tag ihrer Tour bekam sie einen Sonnenbrand. Aber nicht auf unbedeckter Haut, die hatte sie regelmäßig mit Sonnenschutz eingecremt, sondern an Stellen, die von Kleidung bedeckt waren. Offensichtlich hatte der Stoff ihrer Kleidung keinen ausreichenden UV-Schutz.
Von da an trug sie konsequent ihre UV-Schutz-Kleidung, die sie zum Glück dabeihatte. „UV-Schutzkleidung bekommt man in Outdoorläden. Im Zuge des Klimawandels hoffe ich, dass man sie in absehbarer Zeit auch in normalen Bekleidungsgeschäften kaufen kann“, so Karbach-Parr, „Alle Hotels auf der Strecke hatten eine Klimaanlage, was sehr angenehm war. In Deutschland höre ich oft, dass Klimaanlagen den Klimawandel beschleunigen, weil sie Strom brauchen. Ich sehe das nicht so, denn die Klimaanlagen brauchen ja genau dann den Strom, wenn im Netz auch ein Übermaß an Solarstrom vorhanden ist.“