Anwohner der Neuenhovener ärgern sich über Raser „Die brettern alle hier rum, das ist schlimm“

Gierath · „Die meisten Anlieger äußern ihren Unmut, weil insbesondere Gierath mittlerweile zu einer Biker- und Trucker-Strecke avanciert, der von unseren Bewohnern nur noch mit Kopfschütteln begegnet wird.“ Mit diesen Worten wendete sich Norbert Brünell an den Top-Kurier und sprach damit vielen Anwohnern der Neuenhovener Straße aus der Seele. Man ist sich einig: So kann es nicht weitergehen!

Haben genug von der Raserei auf der Neuenhovener Straße (von links): Norbert Brünell, Ursula und Heiko Heinrichs, Marianne Rademachers und Marlies Karuhn.

Foto: Kurier Verlag GmbH/Daniela Furth

Wie vorbildlich gefahren wird, wenn eine Gruppe Menschen am Straßenrand steht, ließ Marlies Karuhn staunen. „Warum geht das nicht immer so?“, ärgert sie sich. Karuhn, Norbert Brünell, Marianne Rademachers sowie Ursula und Heiko Heinrichs sind langjährige Anwohner der Neuenhovener Straße und haben viel über die Verkehrssituation zu berichten.

Brünell, jahrelang selbst Motorradfahrer, regt sich besonders über die Biker auf: „Viele lieben es, die Dezibel ihrer Motoren in die Höhe zu treiben. Neben der Geräuschkulisse kommt die Geschwindigkeit, die bis zum Ortsende 50 km/h beträgt, die aber oft nicht eingehalten wird.“ Es sei nur ein kleiner Teil Motorradfahrer, der sich daneben benehme und die Straße als Rennstrecke nutze, doch das verschlechtere den Ruf aller, schließt sich Ursula Heinrichs an. Sie und ihre Familie haben auch schon die eine oder andere Erfahrung mit zweirädrigen Verkehrsrowdys gemacht, da sie ihre Pferde auf dem Oehmenhof an der Neuenhovener Straße Richtung Ortseingang/-ausgang stehen haben. „Es ist die Hölle, dort mit dem Pferd rauszugehen, keiner nimmt Rücksicht. Ganz schlimm sind die Motorräder, die noch einmal extra den Gashahn aufdrehen oder bewusst ein Wheelie machen und die Pferde aufschrecken“, erklärt sie.

Doch nicht nur mancher Biker sorgt für Unmut. Durch zu schnell fahrende Pkw komme es ebenfalls immer wieder zu brenzligen Situationen, wie die Anwohner berichten. So erzählt Marlies Karuhn beispielsweise von Problemen beim Ausfahren aus ihrer Garage: „Die brettern alle hier rum, das ist schlimm.“ Und Heiko Heinrichs ergänzt, dass er und seine Frau sogar schon angehupt und beschimpft worden seien, als sie zu Fuß in Richtung Oehmenhof unterwegs waren: „Der Gehweg endet vorher, da muss man zwangsläufig die Fahrbahn nutzen.“ Zu gefährlichen Situationen könne es durch die unangepasste Geschwindigkeit auch für die Schulkinder kommen. Zwar sei ein „Schulkinderüberweg“ installiert worden, so Norbert Brünell, damit die Kinder die Neuenhovener Straße in Höhe des Friedhofs sicherer überqueren können, doch es werde weder durch einen Zebrastreifen noch baulich signalisiert, dass dort Vorsicht gewahrt werden solle.

Anwohner der Neuenhovener Straße berichten, dass dort regelmäßig zu schnell von verschiedenen Verkehrsteilnehmern gefahren werde. Das führe zu brenzligen Situationen, beispielsweise für Reiter vom Oehmenhof oder für die Grundschüler auf ihrem Schulweg.

Foto: Norbert Brünell

Ein Dorn im Auge sind vielen Anwohnern außerdem die zahlreichen Lkw. „Die Neuenhovener Straße ist mittlerweile eine Schlaglochstrecke. Kein Wunder bei den Lasten, die dort befahren werden“, berichtet Norbert Brünell. Die Lkw würden die Häuser im Vorbeifahren erzittern lassen, was schon für wackelnde Gläser in den Schränken gesorgt und sogar zu Setzrissen am Gebäude geführt habe.

Da sie die Verkehrssituation nicht mehr hinnehmen wollen, haben Anwohner der Neuenhovener Straße bereits im vergangenen Jahr den Kontakt zu Stadt und Kreispolizei gesucht. Da bei einem Termin vor Ort nichts Auffälliges festgestellt worden sei und die Neuenhovener Straße in der Statistik nicht als Unfallschwerpunkt gelistet werde, verlief dieser Ansatz erst einmal ergebnislos, erklärt Ursula Heinrichs. Auch eine zugesagte Verkehrsmessung, bei der dokumentiert werden sollte, welche und wie viele Verkehrsteilnehmer die Straße mit welcher Geschwindigkeit befahren, habe nicht stattgefunden.

Doch nun kommt Bewegung in die Sache. Denn wie die Stadt auf Nachfrage bestätigt, wird die Zone 30 auf der Neuenhovener Straße eingerichtet: „Die Schilder sind bestellt und der Auftrag an den Baubetriebshof zur Aufstellung der Schilder ist erteilt.“ Ein genauer Zeitraum dafür wurde nicht genannt.

Was den Lkw-Verkehr betrifft, müssen sich die Anwohner aber wohl weiterhin damit abfinden. Denn vonseiten der Stadt heißt es, dass ein Verbot für Schwerlastverkehr leider nicht möglich sei. Bleibt für die Anwohner zu hoffen, dass mit der Geschwindigkeitsbegrenzung zumindest etwas Ruhe einkehrt. Und sie appellieren noch einmal an alle: „Bitte fahrt rücksichtsvoll und haltet euch an die Geschwindigkeitsbegrenzung!“