Mit dem Vorhaben „Drei Projekte – ein Konzept“ hat der Rat der Stadt Bedburg dem Vorschlag der auf Gebäuderevitalisierung spezialisierten Görtz GmbH mit Sitz in Pulheim zugestimmt. Ziel ist es, das historische Rathaus denkmalgerecht zu sanieren, seinen ortsprägenden Charakter zu erhalten und es gleichzeitig als lebendigen, offenen und möglichst barrierefreien Ort für die Stadtgesellschaft weiterzuentwickeln.
Im Mittelpunkt der Planungen steht der respektvolle Umgang mit der historischen Bausubstanz. Vorgesehen ist eine denkmalkonforme Kernsanierung, bei der prägende Elemente wie das alte Fachwerk, die historische Treppe am Eingang sowie Teile des Mauerwerks freigelegt und erhalten bleiben. Auch die Fassade soll behutsam aufgewertet werden, ohne den Charakter des Gebäudes zu verändern. Das Rathaus soll weiterhin als identitätsstiftendes Wahrzeichen im Stadtbild erkennbar bleiben – nun jedoch mit neuen Nutzungsmöglichkeiten.
„Das historische Rathaus ist ein zentraler Bestandteil unserer
Stadtgeschichte und Identität“, betont Bürgermeister Sascha Solbach. „Es ist unser Anspruch, dieses Gebäude nicht nur zu erhalten, sondern es für die Bürgerinnen und Bürger neu zu öffnen. Das vorliegende Konzept verbindet Denkmalschutz, Aufenthaltsqualität und soziale Nutzung auf überzeugende Weise. So entsteht ein Ort, der Tradition und Zukunft miteinander verbindet.“
Ein Ort der Begegnung im Herzen der Stadt
Das Erdgeschoss des historischen Rathauses soll künftig öffentlich zugänglich sein und als neues Bindeglied zwischen Marktplatz und Schloss Bedburg fungieren. Dort könnten beispielsweise ein Café oder Restaurant mit Außenterrasse und Blick auf die Erft sowie das Schloss entstehen. Ergänzt wird dies durch eine Büroeinheit, die unter anderem von der Stadt Bedburg genutzt werden kann. Ein besonderer Fokus liegt auf der Schaffung einer Begegnungsstätte für die Nachfahren der jüdischen Familie Franken, der bis kurz nach der Reichspogromnacht 1938 das Gebäude auf der Friedrich-Wilhelm-Straße 43 gehörte. Die Begegnungsstätte soll möglichst barrierefrei und kinderfreundlich gestaltet werden, sodass diese für alle Generationen zugänglich ist.
Historisches Wohnen mit besonderem Charakter
Darüber hinaus ist ein neuer öffentlicher Weg geplant, der vom Marktplatz direkt zum Schloss führt. Ein neuer Durchgang neben dem historischen Rathaus sowie eine neue Brücke über die Erft, die bereits im Rahmen der Städtebauförderung geplant wurde, sollen diese neue Verbindung ermöglichen. Einheitliche Gestaltungselemente wie Pflasterung und Beleuchtung sorgen für eine optische und funktionale Verzahnung der Bereiche. In den Obergeschossen des Rathauses entstehen hochwertige Wohneinheiten mit außergewöhnlichem Charme. Historische Fachwerke und tragende Elemente bleiben sichtbar und werden mit modernen Grundrissen kombiniert. Insgesamt sind mehrere Wohneinheiten vorgesehen, darunter Wohnungen mit Blick auf das Schloss Bedburg und die Erft.
Geschichte bewahren – Verantwortung übernehmen
Das Gebäude am Marktplatz wurde 1760 als repräsentativer Prachtbau von der Familie Oeppen errichtet. Um 1880 ging es in den Besitz des jüdischen Kaufmanns Hermann Franken über, dessen Familie während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft enteignet und vertrieben wurde. 1939 erwarb die Stadt Bedburg das Gebäude, das fortan als Rathaus der Stadt fungierte und bis 2020 von der Verwaltung genutzt wurde. Auch die
Nachfahren der Familie Franken besuchten in den Jahren 2019 und 2022 ihre ehemalige Heimat. Diese Geschichte ist Teil des Hauses und wird bei der geplanten Revitalisierung bewusst mitgedacht.
Weitere Projekte in Lipp schaffen zusätzlichen Wohnraum
Ergänzt wird das Vorhaben zum einen durch einen Neubau auf dem Grundstück der ehemaligen Schule im Ortsteil Lipp. In drei Gebäuden sollen dort insgesamt 16 barrierefreie Wohneinheiten entstehen. Eine Tiefgarage mit E-Ladevorrichtungen und zusätzliche Stellplätze sind ebenfalls Bestandteil der Planung. Zum anderen ist eine Neugestaltung des Grundstücks der Neuapostolischen Kirche in Lipp vorgesehen. Geplant ist ein Neubau mit
zehn Wohneinheiten sowie einer Tiefgarage und öffentlich zugänglichen Parkmöglichkeiten. Damit soll zudem die Parksituation vor Ort nachhaltig entlastet werden.
Dank des Vorhabens „Drei Projekte – ein Konzept“ entstehen rund 30 neue Wohneinheiten in gefragten Größen, verteilt auf drei Standorte. Torsten Stamm, technischer Dezernent, fasst zusammen: „Für die Stadt Bedburg bedeutet dies die Wiederbelebung ortsprägender Gebäude, eine neue attraktive Verbindung zwischen Marktplatz und Schloss, eine gemeinsame Planung mit einem zentralen Ansprechpartner sowie den Wegfall langfristiger Bestandspflege.“