Eine „unsägliche“ Umfrage? Braunkohle wird akzeptiert!

Eine „unsägliche“ Umfrage? Braunkohle wird akzeptiert!

„71 Prozent der Bürger fordern raschen Braunkohle-Ausstieg“ titelten die Zeitungen mit Blick auf eine „Forsa“-Umfrage im Auftrage von Landes-Umweltminister Johannes Remmel. „Einfach unsäglich“, lautete der Kommentar des hiesigen Landtags-Abgeordneten Rainer Thiel (SPD).

Esist eben so eine Sache mit Umfragen und Statistiken. Da können geschickt gestellte Fragen dafür sorgen, dass die Antworten schnell in die eine oder andere Richtung gehen.

Wer wird schon auf die Frage, ob die Landesregierung sich um die Reinhaltung von Wasser und Luft kümmern soll, mit einem „Nein“ antworten? Ähnlich ist es mit der Braunkohle: Welche „Handlungsfelder zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele in Sachen Klimaschutz“ seien wichtig, wollten die Meinungsforscher von „Forsa“ für die Remmel-Umfrage wissen.

Der Ausbau der erneuerbaren Energien wurde von 90 Prozent der Befragten angekreuzt. Energie-Einsparung nannten 91 Prozent. Klimaverträgliche Fortbewegung kreuzten 76 Prozent an. Und den „schnellen Ausstieg aus der Braunkohle-Förderung“ nannten die besagten 71 Prozent. (Natürlich waren mehrfach Nennungen möglich.)

Einmal abgesehen davon, dass ein Begriff wie „schneller Ausstieg“ mehr als schwammig ist, hatten die Befragten nicht die Möglichkeit, sich gegen den „schnellen“ Ausstieg auszusprechen. Alternative zu „wichtig“ und „sehr wichtig“ war in der Umfrage nämlich nur ein „weniger bis unwichtig“. Und das haben immerhin auch 25 Prozent der Befragten angegeben.

Zum anderen wurde das Ergebnis „Forsa“-Umfrage sehr einseitig in Richtung Anti-Braunkohle interpretiert. „Forsa“-Chef Professor Manfred Güllner: „Weder fordert eine Mehrheit der Bürger in Nordrhein-Westfalen den raschen Ausstieg aus der Braunkohle, noch wächst der ,Widerstand gegen Abbau und Verstromung von Braunkohle’.“

Er verweist vielmehr auf eine bundesweite „Forsa“-Studie vom Juli 2015. Dort habe man es schwarz auf weiß: Die Akzeptanz der Braunkohle ist nachhaltig gut, auch als wichtiger Wirtschaftsfaktor. „Sie wird zwar nicht geliebt, jedoch akzeptiert. Denn 75 Prozent aller Bundesbürger sind sich im Klaren, dass neben Sonne und Wind auch weiterhin die herkömmlichen Energiearten genutzt werden müssen.“

-gpm.

(Kurier-Verlag)
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