Was seit November geforscht wurde Auf Spurensuche im (fast) vergessenen Landrats-Bunker

Grevenbroich · Bei Sanierungsarbeiten in der Grünanlage vor dem „Ständehaus“ ist eine bislang unbekannte Bunkeranlage aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt worden. Die Stadt informierte im Spätherbst 2025 die Außenstelle Overath des „Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland“ (LVR-ABR) über den Fund.

Blick in den ehemaligen Zugang zur Bunkeranlage mit Abbruchmaterial des Abgangs.

Foto: LVR.

Am 3. November des vergangenen Jahres erfolgte eine erste Begehung der Anlage durch Fachleute des Dr. Ivonne Weiler-Rahnfeld, Hauke Evert Peters sowie Dr. Ilona Dudzinski (alle LVR-ABR). Eine weitere Begehung fand gemeinsam mit Stefan Rosellen und Jörn Esposito vom Verein „Luftschutzanlagen Rhein-Kreis Neuss“ statt. Erst jetzt darf darüber berichtet werden.

Bereits bei der ersten Untersuchung zeigte sich, dass es sich um eine zweiphasige Anlage handelt. Sie besteht aus einem so genannten „Deckungsgraben“ des Typs „Rheinhausen“ sowie einem später angebauten Rundbunker des Typs „Moerser Topf“. Im Inneren haben sich zahlreiche Details erhalten, darunter Schutzraumtüren, Reste der Elektroinstallation, Wandbemalungen sowie Einbauten wie Betten und Sitzbänke.

Besonders bemerkenswert sind persönliche Gegenstände der ehemaligen Nutzer der Schutzräume. Dazu zählen unter anderem eine Haarklammer, eine Pillendose aus Bakelit, ein gläserner Kerzenhalter mit Kerze sowie ein Löffel. Sie geben einen seltenen Einblick in den Alltag der Menschen, die während der Luftangriffe hier Schutz suchten.

Nach Kriegsende wurde der Bunker weitgehend geräumt. Der ursprüngliche Zugang zur Anlage wurde abgebrochen, der dabei entstandene Bauschutt verblieb vor Ort.

Der Schutzraum des „Rheinhausener Deckungsgraben“ mit Resten der ehemaligen Möblierung.

Foto: LVR.

Das LVR-ABR dokumentierte die Anlage Ende 2025 archäologisch und barg mehrere Funde. Die Ergebnisse der Untersuchungen werden gemeinsam mit dem Verein „Luftschutzanlagen Rhein-Kreis“ im Jahr 2027 auf der Tagung „Archäologie im Rheinland“ im LVR-Landes-Museum Bonn vorgestellt. Ein Teil der geborgenen Funde soll dort ebenfalls präsentiert werden.

Eine ausführliche Momentaufnahme von der Erstbegehung im vergangenen November finden Sie unter Grevenbroich: Der „Landrats-Bunker“ als eine spannende Zeitkapsel.