Vor dem Sprung ins kühle Nass, gibt es einiges zu beachten Jedes Jahr ertrinken Menschen - DLRG Grevenbroich erklärt die größten Risiken

Jedes Jahr ertrinken Menschen in Seen oder Flüssen. Vor allem in den Sommermonaten liest und hört man regelmäßig von solchen Nachrichten und der eine oder andere mag sich fragen: Was sind die Gründe, warum so etwas überhaupt passiert? Wir haben bei der DLRG Grevenbroich nachgefragt.

Die Rettungsschwimmer der DLRG Grevenbroich im Einsatz.

Foto: DLRG Grevenbroich

„Die Gründe sind vielfältig“, sagt uns Alica Hammelstein, stellvertretende Ortsgruppenleiterin bei der DLRG in Grevenbroich und Pressesprecherin. „Manche Menschen springen ins Wasser, obwohl sie nicht oder zumindest nicht ausreichend gut schwimmen können, andere unterschätzen die Gefahr, die ein See oder ein Fluss in sich birgt, und wieder andere überschätzen schlichtweg ihre eigenen Fähigkeiten.“ In vielen Fällen ist es auch eine Mischung aus allem. „Ein See beispielsweise mag von außen betrachtet harmlos wirken, aber das täuscht. Die Gefahr liegt unter der Wasseroberfläche“, sagt Alica Hammelstein. „Hier gibt es abrupte Tiefenunterschiede sowie sogenannte Sprungschichten mit unterschiedlichen Wassertemperaturen.“ Wer sich aufgeheizt von der Sonne ins Wasser stürzt, riskiert einen Kälteschock, der zu Atemnot, Herzrhythmusstörungen oder einem Kollaps führen kann.

Feierliche Einweihung des neuen Vereinsheims der DLRG Grevenbroich.

Foto: DLRG Grevenbroich

Außerdem können Strömung, Unterwasserpflanzen, Unrat oder große Fische dafür sorgen, dass man in eine akute Gefahrensituation gerät. Dann gibt es noch das Thema „Fehleinschätzung der Distanz zum nächstgelegenen Ufer“. „Schwimmer verausgaben sich im Wasser und schaffen es dann aus eigener Kraft nicht mehr an Land. Manche erleiden noch im Wasser einen Muskelkrampf und geraten dann unter Umständen in Panik.“ Gerade junge Männer, oftmals noch in Kombination mit Alkohol, sind risikobereiter und unterschätzen die Gefahren beziehungsweise überschätzen ihre eigenen Fähigkeiten.

Alica Hammelstein rät deshalb dazu, nur in überwachten Badeseen schwimmen zu gehen und sich innerhalb der markierten Badezonen aufzuhalten. Freibäder sind natürlich auch eine sichere Variante. „In beiden Fällen sind ausgebildete Rettungsschwimmer vor Ort, die im Notfall eingreifen können.“ Zusätzlich sollten natürlich Eltern ihren Nachwuchs stets im Blick haben. An unbewachten Badestellen ist das Risiko sehr hoch, dass keiner mitbekommt, wenn man im Wasser in Not gerät. Womit wir auch gleich beim nächsten wichtigen Punkt sind. Was mache ich, wenn ich beobachte, dass jemand droht zu ertrinken? „Auf keinen Fall direkt kopflos hinterherspringen. Der Eigenschutz geht immer vor. Ganz wichtig: sofort die 112 wählen und den Anweisungen des Disponenten folgen.“ Währenddessen sollte man die Person im Wasser stets im Blick behalten, damit man den Rettungskräften den genauen Punkt auf dem Wasser benennen beziehungsweise der in Not geratenen Person signalisieren kann, dass Hilfe naht.

Die DLRG in Grevenbroich sorgt in drei Bereichen für mehr Sicherheit. Der erste Bereich ist die Wasserrettung. Die Rettungsschwimmer besetzen an mehreren Wochenenden im Jahr die Rheinwache in Uedesheim und helfen befreundeten Gliederungen bei der Bewachung ihrer Badeseen aus. Daneben fahren einige der Wasserretter im Sommer regelmäßig an die Küsten der Nord- und Ostsee, um dort für die Sicherheit an und auf dem Wasser zu sorgen.

Der zweite Bereich ist der sogenannte Katastrophenschutz. Hier ist die Ortsgruppe Grevenbroich mit ihren ausgebildeten Katastrophenschutzhelfern, Boots-, Trupp- und Gruppenführern als Bootstrupp im Landesverband der DLRG Nordrhein aktiv, um auch mit anderen Ortsgruppen gemeinsam auszurücken. Während des verheerenden Hochwassers 2021 im Ahrtal waren beispielsweise auch Rettungskräfte der DLRG aus Grevenbroich im Einsatz.

Der dritte Bereich ist die Ausbildung. „Wir bieten im Schlossbad montags von 17 bis 21 Uhr und mittwochs von 18 bis 21 Uhr Schwimmkurse für Kinder und Jugendliche an“, so Alica Hammelstein. Natürlich gibt es auch Ausbildungskurse zum Junior-Retter und Rettungsschwimmer - auch für Externe. „Die Kurse sind gut frequentiert und es gibt Wartelisten. Wer immer auf dem neuesten Stand sein und die Starttermine der neuen Schwimmkurse nicht verpassen möchte, dem empfehle ich die Anmeldung für unseren Newsletter über unsere Webseite.“ Ausgebildet wird ab dem fünften Lebensjahr.

Im vergangenen Jahr konnte die DLRG Grevenbroich übrigens ihr neues Vereinsheim im ehemaligen Gerätehaus der Feuerwehr an der Josef-Lützenkirchen-Straße in Frimmersdorf beziehen. Das alte Domizil in einem ehemaligen Hausmeisterhaus an der Diedrich-Uhlhorn-Realschule in Wevelinghoven wurde im Zuge des Schulbaus abgerissen. „In unserer neuen Heimat haben wir zwei große Hallen und damit nun ausreichend Platz, um unser Equipment, unseren VW-Bus und unser Hochwasserboot unterzubringen. Außerdem dient das Gebäude als Geschäftsstelle, verfügt über Seminarräume und Sanitäranlagen. Im Rahmen des 70-jährigen Bestehens der Ortsgruppe Grevenbroich wurde das neue Vereinsheim vor wenigen Wochen feierlich mit zahlreichen Gästen, Mitgliedern und Unterstützern offiziell eingeweiht. Das Vereinsheim steht künftig nicht nur als Ort für Ausbildung, Einsätze und Organisation zur Verfügung, sondern vor allem als Treffpunkt für Gemeinschaft, Kameradschaft und die Förderung der Kinder und Jugendlichen.

Aktuell zählt die DLRG Grevenbroich 420 Mitglieder, von denen etwa 15 im aktiven Dienst tätig sind, die im Ernstfall bei Bedarf durch die Leitstelle alarmiert werden und ausrücken. Zuletzt war das im April der Fall, als ein 16-jähriges Mädchen in Folge eines Unfalls in der Erft bei Wevelinghoven ertrunken war sowie wenige Tage später bei einem Einsatz, als Passanten ein herrenloses Schlauchboot auf der Erft entdeckten.

Wer einmal das Team der DLRG Grevenbroich hautnah erleben möchte, hat beispielsweise am 12. September bei der „Blaulicht-Meile“ in Grevenbroich die Möglichkeit dazu. Ab 10 Uhr kann man auf dem Platz der Republik in Stadtmitte nicht nur die DLRG, sondern alle Mitglieder der Blaulicht-Familie kennenlernen und sich informieren. „Neue Gesichter, die bei uns mitmachen möchten, sind bei uns immer willkommen“, sagt Alica Hammelstein. „Ohne das Ehrenamt würde in unserer Gesellschaft vieles nicht laufen. Bei uns wird das Ehrenamt noch mit viel Herzblut gelebt, neue Freundschaften untereinander können entstehen und wir leisten einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Leben unserer Stadt.“

Weitere Informationen zur DLRG Grevenbroich gibt es online unter www.grevenbroich.dlrg.de.

Nicole Palmieri