1. Grevenbroich

Grevenbroich: 370 Kita-Plätze zu wenig – Die Auswirkungen

Junge Mutter verweifelt : 370 Kita-Plätze zu wenig – Welche Auswirkungen das hat

Dass in der Stadt Grevenbroich Kita-Plätze fehlen, ist kein Geheimnis. 393 U3-Plätze und 1.815 Ü3-Plätze decken den Bedarf nicht ab. Es fehlen derzeit circa 370 Betreuungsplätze, so die Stadt. Was das heißt, hat eine junge Kapellener Mutter nun am eigenen Leib erfahren müssen.

Als Lisa M. (Name von der Redaktion geändert) mit ihrem heute dreieinhalbjährigen Sohn aufgrund einer Trennung zurück zu ihren Eltern ziehen musste, bemühte sie sich sofort um einen Kita-Platz im Stadtgebiet. Denn die Alleinerziehende befindet sich im ersten Jahr ihrer Ausbildung zur Pflegefachkraft. Bei ihrer Vollzeitstelle ist eine 45 Stunden-Betreuung für sie unerlässlich, da auch die Großeltern berufstätig sind und daher nicht aushelfen können. „Mir wurden dann irgendwann 20 Stunden angeboten, aber ich habe den Zuständigen erklären müssen, dass ich so meine Ausbildung nicht fortsetzen kann“, erklärt die 26-Jährige sichtlich emotional, „ich habe in ganz Grevenbroich gesucht, sogar in Neuss. Aber da wurde mir erklärt, dass ich für einen Platz dort in Neuss wohnen müsste.“

Nachdem die Kitas keine geeignete Lösung boten, erfuhr die Familie durch Zufall, dass in Holzheim eine neue Tagesmutter mit dem entsprechenden Stundenumfang zur Verfügung stehe. Endlich war eine Lösung gefunden. Ein kurz darauf eingehendes Angebot über einen Kita-Platz á 35 Stunden lehnte die Kapellenerin daher ab: „Wir hatten da bereits die Zusage der Tagesmutter und auch 35 Stunden wären zu knapp gewesen. Doch hätte ich vorher gewusst, was passieren würde, hätte ich den Platz angenommen...“

Denn vor Kurzem flatterte die Kündigung der Tagesmutter ins Haus. Begründung: Der Dreijährige passe nicht in die Gruppe, die sonst nur aus Einjährigen bestehe. Ein Schock für die junge Mutter, die ohne Betreuungsplatz nun keine andere Möglichkeit sieht, als ihre Ausbildung vorerst abzubrechen. „Ich habe alles versucht, einen Kitaplatz zu bekommen. Mittlerweile wird dann gesagt, dass ich ja die Chance auf einen hatte. Aber ein 20 oder 35 Stunden Platz bringt mir nichts, wenn ich 45 brauche. In der Schichtarbeit ist das ja sowieso schon schwer, erst recht als Alleinerziehende. Und dann werden einem so viele Steine in den Weg gelegt“, sagt sie den Tränen nahe.

Gespräche mit einem Anwalt, ein Brief an den Bürgermeister, Telefonate mit dem Jugendamt, Kontakt zur Frauenhilfe und ständiger Austausch mit dem Jobcenter – bislang blieb alles ohne Erfolg. „Es wird immer nur auf den Kita-Navigator verwiesen“, ärgern sich Mutter und Tochter, „einer schiebt dem anderen die Verantwortung zu und es passiert einfach nichts.“ Und ihre Mutter ergänzt: „Das ist ja alles nicht böse gemeint, aber auf der einen Seite suchen sie Krankenschwestern und auf der anderen wird da überhaupt nichts unternommen. Warum bekommt eine Alleinerziehende Mutter, die arbeiten will, hier keine Unterstützung? Sie ist ja nicht die Einzige in dieser Situation.“

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Doch wie werden die Betreuungsplätze überhaupt vergeben? Jede Einrichtung verfügt über ein bestimmtes Kontingent an Plätzen jeder Buchungszeit für Kinder über und gegebenenfalls unter drei Jahren, heißt es von Seiten der Stadt. Der geringste Anteil der drei Buchungszeitenmodelle entfalle auf den Bereich der 25-Stunden-Plätze. An diesem Kontingent errechnet sich der für jede Einrichtung zu ermittelnde Personalbedarf für das jeweilige Kindergartenjahr. Die Vergabe der Plätze erfolgt dann anhand von trägereigenen Aufnahmekriterien. Wenn alle Plätze einer Buchungszeit belegt sind, könne demnach – selbst wenn diese Stunden benötigt werden – nicht jeder Betreuungswunsch berücksichtigt werden.

Die Stadt weist indes daraufhin, dass mit Hochdruck an einer Lösung gearbeitet werde, um ausreichend Betreuungsplätze zur Verfügung zu stellen: „2022 werden an den Tagesstätten ,Pusteblume’ in Kapellen und ,Villa Kunterbunt’ in Gustorf zusätzliche Raummodule eröffnen. Für 1,5 Mio. Euro werden so insgesamt 90 zusätzliche Plätze geschaffen. Weiter hoffen wir, dass im nächsten Jahr mit dem Kita-Bau in der Coens-Galerie gestartet werden kann. Als weitere Kita-Projekte sind unter anderem die Merkatorstraße, Wupperstraße sowie Neuenhausen in der Nähe des neuen Supermarkts zu nennen. Zudem gibt es Pläne der Versorgungskasse der evangelischen Kirche, anstelle des heutigen Fachmarktzentrums am Hammerwerk, unter anderem eine Kita zu errichten.“ Für Lisa M. kommen diese Lösungen aber womöglich zu spät.