Detlef Bley, Präsident des Bürgerschützenvereins Grevenbroich spricht Klartext „Ich habe den Eindruck, dass die Stimmung allgemein sehr gut ist!“

Grevenbroich · Wenn Detlef Bley, Präsident des Bürgerschützenvereins 1849 Grevenbroich, im Jahr 2026 auf sein Regiment blickt, dann tut er dies voller Stolz und mit absoluter Zufriedenheit. Der Verein ist bestens aufgestellt, das Regiment ist stark und die Vorbereitungen zum Schützenfest laufen auf Hochtouren.

Detlef Bley, Präsident des Bürgerschützenvereins 1849 Grevenbroich .

Foto: privat

Nach den wichtigen Terminen im Vorfeld, wie dem Fackelbaurichtfest, der Jahrbuchvorstellung und dem Biwak blickt Bley zuversichtlich auf die kommenden Tage: „Ich habe den Eindruck, dass die Stimmung bei uns untereinander sehr gut ist – im Vorstand und auch im ganzen Regiment. Ich glaube, alle freuen sich!“

Dennoch gibt es ernste Themen, die den BSV herausfordern. „Da sind natürlich die hohen behördlichen Auflagen“, berichtet Bley, „aber die beschäftigen nicht nur uns, sondern alle Vereine. Es sind deutlich mehr als in den Vorjahren. Ich wohne in Wevelinghoven, da hatten wir kürzlich Schützenfest. Da saßen wir mit dem Vorstandskönig Alex Klömkes, dem Wevelinghovener Präsident Marcus Odenthal und dem Neusser Oberst Bernd Herten zusammen. Wir haben uns darüber unterhalten, dass in diesem Jahr zum ersten Mal die Erwartungshaltung an den BSV Wevelinghoven herangetragen wurde, die Verkehrslenkung selbst zu übernehmen. Das ist uns in Grevenbroich zum Glück noch nicht passiert. Da sind wir also ganz entspannt.“

Das muss aber nicht so bleiben, denn Bley führt weiter aus: „Wenn wir als Verein auch noch die Verkehrslenkung und die Sicherheit gewährleisten sollen, müssen wir die Beiträge erhöhen, das kann dann irgendwann kein Mensch mehr bezahlen.“

Er betont dabei insbesondere die wichtige soziale Funktion der Schützen: „Als ehrenamtlicher Verein haben wir es uns auf die Fahnen geschrieben, das Brauchtum zu erhalten, das dabei hilft, Kinder und junge Leute in seine Reihen einzubinden und sie an Regeln zu gewöhnen. Ich habe den Verantwortlichen gesagt: `Wenn ihr wollt, dass Vereine, die das Zusammenleben und die soziale Gemeinschaft pflegen, alle ihre Kosten selber tragen müssen, während ihr gleichzeitig kommerziell betriebenen Fußballvereinen – hier ganz in unserer Nähe – die Polizei-Hundertschaften bezahlt, die verhindern, dass sich deren Fans gegenseitig massiv auf die Nase hauen, dann passt das für mich nicht zusammen!“

Und er legt nach: „Man hat in den Verwaltungen oft Leute sitzen, die das Brauchtum organisieren sollen, aber persönlich damit gar nichts am Hut haben. Die haben weder ein großes Interesse an Grevenbroich noch an dem, was wir hier machen. Wir versuchen, das hinzukriegen, wir erfahren dabei viel Unterstützung, aber es ist eben auch ein hartes Stück Arbeit.“

Auch an anderer Stelle schweben dunkle Wolken über den Schützenvereinen: „Die Kosten allgemein, aber insbesondere die Musikkosten sind in den vergangenen Jahren immens gewachsen. Das hat auch mit den Musikvereinen selbst zu tun, und man muss da mit ein wenig Fingerspitzengefühl herangehen. Alles muss im Rahmen bleiben. Mein Gehalt erhöht sich auch nicht Jahr für Jahr um 40 Prozent. Da müssen sich die Musiker mal die Frage gefallen lassen: `Wie kommt ihr auf dieses schmale Brett?´ Was glauben die? Wir legen doch nicht unser Portmonee auf den Tisch und sagen: Bedient Euch! Da trommle ich doch lieber selber...“

Ein Fest ohne Musik ist allerdings auch undenkbar, deshalb bleibt der BSV am Ball. Bley: „Es bedeutet einen großen Aufwand für unseren Musikbeauftragten, wenn er versuchen muss, Ersatz zu finden. Aber wenn wir uns immer alles gefallen lassen, werden wir das Ganze irgendwann nicht mehr bezahlen können. Wir haben momentan am Samstagabend 20 Musikkörper auf der Straße. Wenn da mal einer ausfällt, dann bekommen wir das schon geregelt. Zur Not machen wir die Marschblöcke größer, dann haben wir eben zwei Kapellen weniger dabei. Zum Vergleich: In Neuss sind es 300 Schützen pro Marschblock, bei uns 150. Da ist noch ein bisschen Platz zum Puffern...“

Wer Tradition dauerhaft bewahren möchte, muss bereit sein, sie immer wieder behutsam an die Zeit anzupassen. Genau darin liegt eine der großen Aufgaben, vor denen der Bürgerschützenverein heute steht. Bewährtes soll erhalten bleiben, gleichzeitig gilt es, den aktuellen Zeitgeist und die unterschiedlichen Interessen der Generationen mit den gewachsenen Strukturen des Vereins zu verbinden.

Einen wichtigen Schritt in diese Richtung hat der Bürgerschützenverein bereits im vergangenen Jahr gemacht. Im Gesamtvorstand wurde die Arbeitsgemeinschaft „Events im Gesamtvorstand“ gegründet. Ihr Ziel ist es, das gesamte Schützenjahr in den Blick zu nehmen und gemeinsam zu prüfen, wie Veranstaltungen und insbesondere das Schützenfest auch in Zukunft attraktiv, lebendig und für möglichst viele Menschen ansprechend gestaltet werden können.

Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, Bewährtes infrage zu stellen. Vielmehr soll untersucht werden, an welchen Stellen Veränderungen sinnvoll sein können, damit die traditionsreichen Veranstaltungen des Vereins auch für kommende Generationen ihre Bedeutung und Anziehungskraft behalten.

Erste Ergebnisse dieser Arbeit werden bereits beim Schützenfest 2026 sichtbar. Die entsprechenden Überlegungen wurden den Mitgliedern vorgestellt und gemeinsam auf der vergangenen Mitgliederversammlung beraten und beschlossen.

Eine Neuerung betrifft bereits den Auftakt des Schützenfestes. Künftig wird das Schützenfest schon am Freitagabend – und damit im Vorfeld der Kirmesplatzeröffnung – an der Villa Erckens feierlich angekündigt.

Mit insgesamt 21 Salutschüssen wird dort der offizielle Auftakt des Schützenfestwochenendes hör- und sichtbar gemacht. Damit rücken Kirmes und Schützenfest wieder enger zusammen. Beide traditionsreichen Bestandteile des Grevenbroicher Festwochenendes können auf diese Weise harmonisch miteinander verbunden werden. Der neue Auftakt schafft zugleich einen würdigen Rahmen, um die besondere Atmosphäre des Schützenfestes bereits am Freitagabend spürbar werden zu lassen.

Auch beim Schützengottesdienst gibt es in diesem Jahr eine Veränderung. Statt wie bisher am Sonntagmorgen wird der Gottesdienst künftig am frühen Samstagabend gefeiert. Damit entfällt die Eucharistiefeier, was den Weg frei macht für einen ökumenischen Gottesdienst.

Mit dieser Änderung sollen vor allem die Abläufe am Sonntag entzerrt werden.

Der Sonntag ist traditionell von zahlreichen Veranstaltungen und Verpflichtungen geprägt. Durch die Verlegung des Gottesdienstes entsteht hier mehr zeitlicher Spielraum.

Gleichzeitig eröffnet der neue Termin auch der katholischen und evangelischen Geistlichkeit neue Möglichkeiten, den Schützengottesdienst zeitgemäß zu gestalten. Der religiöse Teil des Schützenfestes bleibt damit ein wichtiger Bestandteil der Festtage, erhält aber einen neuen zeitlichen Rahmen, der den heutigen Gegebenheiten besser Rechnung trägt.

Trotz dieser Neuerungen bleibt das Schützenfest 2026 in seinen wesentlichen Grundzügen unverändert. Die übrigen vertrauten Abläufe des Schützenfestes werden von den strukturellen Überlegungen der Arbeitsgemeinschaft und den entsprechenden Beschlüssen der Schützen in diesem Jahr nicht berührt.

Einen weiteren wichtigen Schritt für die Zukunft hat der Bürgerschützenverein mit der Anmietung einer eigenen Fackelbau- und Veranstaltungshalle in Noithausen gemacht. Die Räumlichkeiten liegen unweit des Bahnhofs und bieten damit nicht nur eine gute Erreichbarkeit, sondern vor allem langfristige Planungssicherheit für den Fackelbau.

Damit ist der Fackelbau für die kommenden Jahre auf eine feste Grundlage gestellt. Die Schützen verfügen nun über Räumlichkeiten, in denen die aufwendige und kreative Arbeit an den Fackeln unter geeigneten Bedingungen stattfinden kann.

Die neue Halle schafft Raum für die Jugend- und Schützenarbeit und bietet damit Möglichkeiten, die Vereinsgemeinschaft auch außerhalb der Festtage weiterzuentwickeln. Thomas Broich