Die Fackelbaugemeinschaft der Jägerzüge „Rösige Boschte“ und „Mer stonn zesamme“ hat für das diesjährige Schützenfest des BSV Grevenbroich einer bekannte Zeichentrickfigur mittels Drähten und Transparentpapier Leben eingehaucht: Wickie heißt der fast sechs Meter große Held der gleichnamigen Zeichentrickserie, der bereits in den 70er Jahren in zahlreiche Flimmerkisten mit seinem Abenteuern für staunende Kinderaugen sorgte. Und das wird er dieses Jahr beim großen Fackelumzug am Samstag, 5. September, 20.30 Uhr, garantiert auch wieder tun. Es ist die bereits 42. Fackel des Jägerzuges „Rösige Boschte“ und die 18. Fackel der Fackelbaugemeinschaft. Rund 50 Quadratmeter Transparentpapier kam bisher für den Bau der Wikinger-Fackel zum Einsatz. „Damit diese an Stabilität gewinnt, wurde sie außerdem mit ordentlich Kleister eingepinselt“, verrät uns Willy Helfenstein, erster Fackelbaubeauftragter beim Bürger-Schützen-Verein Grevenbroich. Mittels Seilzügen und Kontergewichten ist sie sogar über eine manuelle Steuerung voll dreh- und schwenkbar und wird in jedem Fall ein echter Hingucker beim Fackelumzug sein.
Die nächste Station bei der diesjährigen Fackelbau-Begehung ist die Halle Reuter in Wevelinghoven. Hier ist der Jägerzug „Waldeslust“ fleißig im Einsatz und hat König Wolfgang I. Brocker und seiner Königin Meggi Leicht zu Ehren eine ebenfalls bekannte Zeichentrickfigur mittels Drähten, LED’s und Bewegungssteuerung zum Leuchten gebracht. Frei nach seinem bekannten Motto „Können wir das schaffen? - „Yo, wir schaffen das!“ erstrahlt kein geringer als ein weiterer Kinderheld - nämlich „Bob - der Baumeister“ vom Wagen. „In diesem Jahr steuern wir die Fackel sogar komplett CO2-frei dank einem leistungsstarken Akku-Aggregat“, verrät Christoph Oberbach, der in diesem Jahr 50 Jahre Mitgliedschaft beim BSV Grevenbroich feiert. Auch der Leitspruch steht schon fest: „Mit Schüppe, Sand und Tradition, König Wolle auf dem Thron“ - eine Anspielung auf Wolfgang Brockers Beruf als Polier und natürlich auf seine langjährige Liebe zum Schützenbrauchtum. Bob - der Baumeister trägt deshalb auch in seiner linken Hand ein Zepter, in der rechten Hand die Schüppe und natürlich auch die Königskette um den Hals. Diesmal ist die Figur erstmalig auf einem Ein-Achser installiert, um die Fackel besser durch die Grevenbroicher Innenstadt zu manövrieren. Die Männer des Jägerzuges „Waldeslust“ waren in diesem Jahr so konzentriert beim Fackelbau tätig, dass tatsächlich kaum Zeit für den geselligen Teil blieb. „Das meiste von unserem eingekauften Bier war am Ende der Arbeiten abgelaufen“, so Christoph Oberbach mit einem Augenzwinkern. Das nennen wir mal echten Einsatz.
Weiter geht’s zur letzten Station an diesem Abend - der Fackelbauhalle in Noithausen. Hier werden gleich fünf beeindruckende Fackeln präsentiert. Den Anfang macht die Fackel des Vorstandes des BSV Grevenbroich - die außerhalb der Wertung beim Fackelumzug mitfährt. Mit einer sogenannten „Renn-Schnecke“ in einem stilvollen VW-Käfer-Cabrio soll auf die in Teilen von der allgemeinen Bevölkerung nicht immer für sinnvoll erachteten 30er-Zonen, die in vielen Städten fast schon wie Pilze aus dem Boden schießen, aufmerksam gemacht werden. „Dazu passend haben wir uns das Motto ‚Rasen gibt’s nur noch im Garten‘ überlegt“, sagt uns Heinz Laumann (SKS Fackelbau).
Fans der Film-Trilogie „Zurück in die Zukunft“ werden bei der Fackel des Jägerzuges „St. Florian“ garantiert große Augen bekommen. Aktuell tüfteln noch Christian Cremer, Thomas Markwart, Achim Willkomm, Thomas Fährmann, Stefan Hassel, Jürgen Mosemann und Yannick Midders (v.l.) an der Fackel.
Foto: nicDie Edelknaben und Jugendschützen scheinen derweil im Minions-Fieber zu sein und haben ein kunterbuntes Riesenrad inklusive liebevoll gestalteten Gondeln, in denen die fröhlichen gelben Zeichentrick-Figuren sitzen, gestaltet. Unter dem allgemeinen Motto „Früh übt sich“ wird dem Nachwuchs hier die Angst vor dem Fackelbau genommen. Schrittweise und durch „learning by doing“ bekommen sie hier erste praktische Erfahrungen im Konstruieren und Schweißen einer Fackel. „Außerdem wird das Zusammengehörigkeitsgefühl gegenüber den erwachsenen Schützen gefördert“, sagt uns Axel Holzhausen, Noch-Jugendbetreuer beim BSV Grevenbroich, der aber den Staffelstab nun sukzessive an das neue Team mit Christopher Krüppel und Alicja Molendowska übergibt.
Zum ersten Mal mit einer eigenen Fackel mit dabei ist der Jägerzug „Fidele Jonge“. Sie haben sich in puncto Fackelbau das „Anfängermodell“ - die Tigerente - ausgesucht und diese hat schon gut Form angenommen. Lediglich ein Teil der Papierhülle und Farbe fehlt dem guten Stück noch, aber dann kann es auch schon auf den Fackelumzug gehen. „Wir hoffen, dass unsere Tigerente bei den Kindern gut ankommt“, sagt Lars Freiberg, der an diesem Abend gemeinsam mit seinem Freund Niklas Clemens den Vertretern der lokalen Presse Rede und Antwort steht.
Fans der Kultfilm-Trilogie „Zurück in die Zukunft“ dürfte der Atem stehen bleiben, wenn sie den DeLorean DMC-12 von Dr. Emmett Brown und Marty McFly erblicken. In liebevoller Detailarbeit hat der Jägerzug „St. Florian“ quasi fast ein originalgetreues Duplikat der Zeitmaschine erschaffen - inklusive Fluxkompensator - das fiktive Kernstück der Zeitmaschine, die Doc Brown erfunden hat und eine Leistung von 1,21 Gigawatt benötigt, um Zeitreisen zu ermöglichen. Auch Flügeltüren hat das heiße Gefährt. Gesteuert wird die Zeitmaschine rein pneumatisch - also mit Luftdruck - mittels eines Touchscreens. Das nennt man dann Fackelbau 2.0, denn sogar die Reifen lassen sich - wie im Film - umklappen, damit der DeLorean wie in Teil 2 der Trilogie abheben kann. „Wir haben auch eine Nebelmaschine mit an Bord“, verraten uns Stefan Hassel und Jürgen Mosemann.
Ebenfalls imposant ist die Fackel des Jägerzuges „Hubertus“ anzuschauen. Hier ist Wasser-Pokémon Schiggy zu sehen und nimmt Bezug auf den Strukturwandel und die im Bau befindliche Rheinwasser-Transportleitung, die zur Unterstützung der Seebefüllung der Tagebaue Garzweiler und Hambach nach dem dortigen Abbaustop dienen soll. Es ist die 74. Fackel des Jägerzuges „Hubertus“, an der auch „Fackelbau-Urgestein“ Wolfgang Klein mitgewirkt hat. Um die Zeichentrick-Figur so originalgetreu wie möglich darzustellen, wurde im Vorfeld ein 3D-Modell entworfen. „Wir mussten, damit die Fackel nicht zu hoch wird, am Ende ein paar Abstriche machen, aber sie ist noch sehr nah am Original dran“, versichert Lars Heinrich, dessen Sohn großer Pokémon-Fan ist. Rund 300 Stunden werden noch vergehen, bis Schiggy unter Grevenbroichs nächtlichem Himmel erstrahlen wird. Auch an den anderen Fackeln wird noch ordentlich bis zum Schützenfest vom 4. bis 8. September gewerkelt. Doch die vielen Arbeitsstunden werden am Ende mit vielen „Ah’s“ und „Oh’s“ und funkelnden Kinderaugen belohnt werden und das ist es einfach wert.
Nicole Palmieri