Der Erft-Kurier klärt auf Zeppelin in besonderer Mission

In den vergangenen Tagen gab es einige Zeppelin-Sichtungen über dem Grevenbroicher und Rommerskirchener Stadtgebiet. Auch die Erft-Kurier-Redaktion erreichten dementsprechende Anfragen.

Ein mit hochpräzisen Messinstrumenten ausgestatteter Zeppelin NT schwebte in den vergangenen Tagen auch über Grevenbroich und Rommerskirchen.

Foto: Kurier-Verlag/Thomas Broich

Das ist der Hintergrund: Seit Anfang August sind die beiden Atmosphärenchemiker Juniorprofessorin Dr. Eva Pfannerstill und Dr. Georgios Gkatzelis von der Universität Köln in einem Zeppelin vom Typ NT (Neue Technologie) über der Metropolregion Rhein-Ruhr unterwegs, um hochpräzise Luftmessungen durchzuführen. Neben Messungen über Waldgebieten überfliegen sie auch Städte wie Köln und Düsseldorf, um die Luft über der Erdoberfläche auf Spuren von flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) zu untersuchen. Die Messkampagne dauert zwei Wochen. An welchen Tagen die jeweils etwa siebenstündigen Flüge über die nach wissenschaftlichen Kriterien exakt geplanten Routen der Metropolregion stattfinden werden, ist stark wetterabhängig. „Man kann also nie genau sagen, wann der Zeppelin aufsteigt“, erklärt Pressesprecher Mathias Martin auf Anfrage, „das Luftschiff ist in einer Höhe von etwa 100 bis 300 Metern unterwegs, also ziemlich niedrig und damit gut zu sehen. Es überfliegt jede Strecke etwa zwei Mal.“

„Der Zeppelin bietet uns Möglichkeiten, die andere Forschungsplattformen nur eingeschränkt bieten“, sagt Juniorprofessorin Pfannerstill. „Durch seine langsame und stabile Flugweise können wir hochpräzise Messungen in niedriger Flughöhe durchführen und Gebiete gezielt überfliegen.“

Beide Wissenschaftler arbeiten am Institute of Climate and Energy Systems – Troposphäre (ICE-3) des Forschungszentrums Jülich. Eva Pfannerstill ist durch eine Kooperation mit der Universität zu Köln zudem Juniorprofessorin am Institut für Geophysik und Meteorologie der Universität. Sie untersucht, wie Umweltstress die Wechselwirkung zwischen Wald und Atmosphäre verändert. Wälder geben große Mengen Spurengase ab – eine dieser Substanzen ist vielen Menschen beispielsweise als Tannenduft bekannt. In der Atmosphäre können diese Gase zu winzigen Partikeln reagieren, die das Klima und die Luftqualität beeinflussen. Mithilfe von Messungen über unterschiedlich stark geschädigten Waldgebieten, beispielsweise durch Schädlinge, wollen die Forschenden besser verstehen, wie sich diese Prozesse unter den Bedingungen des Klimawandels verändern werden.

Dr. Georgios Gkatzelis interessiert sich für die Emissionen aus Städten, die nicht aus Verkehr oder Industrie stammen, sondern beispielsweise durch Haushaltschemikalien entstehen. Seine Messungen sollen dazu beitragen, die Zusammensetzung der Stadtluft besser zu verstehen und Luftqualitätsmodelle weiter zu verbessern.